1. Startseite
  2. Lokales
  3. Dachau
  4. Dachau

30 Kinderporno-Dateien auf Handy: Geldauflage für 20-Jährigen

Erstellt:

Kommentare

Pornos-Symbolbild
30 Bilddateien mit kinderpornografischem Inhalt wurden bei dem Angeklagten sichergestellt. © Silas Stein/dpa

Dachau – 30 Bilder und Videos mit kinderpornografischem Inhalt hatte der 20-Jährige auf seinem Handy, als er geschnappt wurde. Nun stand er vor dem Amtsgericht Dachau.

Die Kinder auf den Fotos und Videos waren zum Teil erst sechs Jahre alt. Die Dateien zeigten, dass die Mädchen nackt und ihre Geschlechtsteile genau zu sehen waren und dass sie Geschlechtsverkehr hatten mit irgendwelchen Männern. „Die Qualität der Dateien“, sagte Amtsrichterin Cornelia Handl in Richtung des Angeklagten, „sind am oberen Rand dessen, was man noch sehen kann.“ Kurzum: scheußliche Machwerke, deren Besitz laut Strafgesetzbuch mit einem Jahr bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft wird.

Der Angeklagte hatte rund 30 Bilder und Videos auf seinem Handy, als er im Mai 2021 geschnappt wurde. Da war er erst 19 Jahre. Bis heute wohnt er bei seiner Mutter. Diese wusste nichts von den unsäglichen Aufnahmen, die ihr Sohn sich auf dem Mobiltelefon ansah. „Die Mutter hat er an die Decke gebracht“, wie Karl Hartmann von der Jugendhilfe bei seinem Bericht in der Hauptverhandlung sagte. Der erfahrene Sozialpädagoge von der Brücke Dachau sagte aber auch, dass der Angeklagte aus freien Stücken an einem Medien-Workshop der Brücke teilgenommen sowie einen Psychologen aufgesucht habe. Und dass er an die Opfer denke. „Dass ihr Leben zerstört wird, ist ihm bewusst“, meinte Hartmann, der dem Gericht die Anwendung von Jugendstrafrecht vorschlug.

Diesem Rat folgten Staatsanwalt und Richterin. Das Jugendstrafrecht sieht mildere Strafen vor als das Erwachsenenstrafrecht. Der Staatsanwalt forderte, dass der Angeklagte ein Wochenende im Gefängnis verbringen soll. Dabei berücksichtigte er, dass der Angeklagte nicht vorbestraft ist und in der Verhandlung ein Geständnis ablegte.

Rechtsanwältin Birgit Schwerdt war der Ansicht, dass ihr Mandant mit dem Gang zur Brücke und zum Psychologen „Verantwortung übernommen“ habe und zu seinen Taten stehe. Sie plädierte dafür, dass ihr Mandant, der gerade eine Lehre zum Straßenwärter absolviert, lediglich eine Geldauflage in Höhe von 250 Euro berappen soll. Und die Verfahrenskosten sollten gedeckelt werden. Diese belaufen sich in diesem Fall auf satte 7600 Euro, weil eine Firma mit der Sichtung der beim Angeklagten beschlagnahmten Endgeräte (Handy, ein Laptop, drei PCs) beauftragt werden musste. Auf den Computern fanden die Spezialisten im Übrigen keine weiteren kinderpornographischen Medien.

Richterin Cornelia Handl verurteilte den heute 20-Jährigen schließlich zu einer Geldauflage in Höhe von 500 Euro; zahlbar an den Deutschen Kinderschutzbund. Und sie deckelte die Verfahrenskosten auf 1500 Euro. Dass der Angeklagte bereits zu Beginn des Verfahrens die Hilfe Dritter zum Aufarbeiten der Tat in Anspruch genommen habe, sei sein „großes Plus“ gewesen.

THOMAS ZIMMERLY

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion