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32 Jahre hat er alles passend gemacht - Platzmeister Siegfried Kistler geht in den Ruhestand

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Von: Stefanie Zipfer

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Platzmeister und Platzmeisterin: Siegfried Kistler und seine Nachfolgerin Magdalena Staudt. Der 62-jährige Großinzemooser, der die Thomawiese so gut kennen dürfte wie niemand sonst in Dachau, hört nach 32 Dienstjahren im städtischen Bauamt auf. Damit geht die technische Planung des Volksfests nun erstmals in weibliche Hände über. 	Foto: hab
Platzmeister und Platzmeisterin: Siegfried Kistler und seine Nachfolgerin Magdalena Staudt. Der 62-jährige Großinzemooser, der die Thomawiese so gut kennen dürfte wie niemand sonst in Dachau, hört nach 32 Dienstjahren im städtischen Bauamt auf. Damit geht die technische Planung des Volksfests nun erstmals in weibliche Hände über. © Habschied

Mehr als die Hälfte seines 62-jährigen Lebens war Siegfried Kistler Platzmeister für das Dachauer Volksfest. Im Oktober geht der Rathausbeamte nun in den wohlverdienten Ruhestand – mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie er sagt. Ein Rückblick auf 32 spannende Jahre auf dem Dachauer Volksfest.

Dachau – Junge Menschen dürften es sich heute gar nicht mehr vorstellen können, ein Leben ohne Handy. Aber bis Mitte der 1990er-Jahre war dies noch Realität, man musste sich entweder persönlich oder per Festnetztelefon sprechen.

Dienstradl mit Helium-Luftballon

Damit Siegfried Kistler, seit 1990 in der Abteilung Stadtplanung beim Dachauer Bauamt beschäftigt und als solcher auch direkt für die technische und bauliche Organisation des Volksfests verantwortlich, also für alle Festbeteiligten gut erreichbar war, schenkte man ihm ein „Spezialfahrrad“: An sein Dienstradl wurde ein Helium-Luftballon, abgezwackt vom städtischen Glückshafen, gebunden und mit der Aufschrift „Platzmeister“ versehen. Die Schausteller und Standlbetreiber hätten damit schon von weitem gesehen: „Da ist der Kistler!“

Ein letztes Servus: Volksfest-Platzmeister Siegfried Kistler am Samstag beim Volksfestanstich.	Foto: STADTFOTOGRAF
Ein letztes Servus: Volksfest-Platzmeister Siegfried Kistler am Samstag beim Volksfestanstich. © Stadt Dachau

Um vom Rathaus aus mit den Schaustellern auf der Festwiese, vor allem in der wichtigen Aufbauphase, kommunizieren zu können, musste man damals noch das Festnetztelefon bemühen. Dafür, so Kistler, „wurde von der Post für jeden Schausteller ein Festnetzanschluss eingerichtet. Also kilometerlange Telefonkabel auf der Wiese verlegt. Ein irrsinniger Aufwand“!

Kistler: „Es waren alle Volksfeste schön!“

Dennoch blickt der 62-Jährige, der heuer sein letztes Dachauer Volksfest geplant hat, nicht negativ auf seine Anfangsjahre zurück. Im Gegenteil: „Es waren alle Volksfeste schön. Wenn es losgegangen ist und alles gepasst hat, dann habe ich mich immer wieder gefreut!“

Klar, die Arbeit selbst habe sich in all den Jahren enorm verändert: Am Anfang habe er noch auf dem Zeichenbrett seinen Grundplan angelegt: Welches Fahrgeschäft steht wo, wo stellen wir die Wohnwagen hin, wie passt das alles mit der Lage der Festzelte zusammen? Da es in den 1990ern auch noch keine digitale Vermessung des Geländes gab, das im Prinzip ja eine Wiese war und erst im Lauf der Jahre Stück für Stück ausgebaut und befestigt wurde, war auch nie klar, welche Leitungen in welcher Tiefe im Untergrund schlummerten. „Einmal“, so Kistler, „haben wir einen Nagel eingeschlagen und dann hat der zu glühen angefangen und ist unter Strom gestanden“. In Summe und bei aller Nostalgie auf die gute alte Zeit hält er dann also doch fest: „Die Digitalisierung hat die Arbeit schon enorm erleichtert.“

Abgesehen vom technischen Aspekt war es aber vor allem der menschliche Part, der ihn den Job als technischer Verantwortlicher für das Dachauer Volksfest über all die Jahre so gern hat machen lassen. Mit den Schaustellern seien „nette Kontakte entstanden“. Auch mit den vier Oberbürgermeistern, die ihn in seiner Laufbahn begleiteten, sowie den Stadtwerken und den Bauhof-Kollegen sei die Zusammenarbeit „echt super“ gewesen.

Nur mit OB Lorenz Reitmeier gab es ein Problem

Lediglich Lorenz Reitmeier habe ihn in jungen Jahren einmal vor eine etwas spezielle Herausforderung gestellt. Mit seinem Kollegen Klaus Mader, der für die verwaltungstechnische Organisation des Volksfests verantwortlich war, sei er oft nach München zum Oktoberfest gefahren, um sich dort Anregungen zu holen und zu schauen, was es so Neues gibt auf dem Fahrgeschäftemarkt. Eine Neuheit fiel ihnen dabei besonders ins Auge: „Breakdance“, ein wildes Gefährt, bei dem die auf einer Drehscheibe befestigten Gondeln sich ständig und gern auch mal in die entgegengesetzte Fahrtrichtung drehen. Die Jugendlichen flogen auf das Teil – und als sich ein „Breakdance“-Betreiber für das kommende Dachauer Volksfest bewarb, war für Kistler klar: „Das brauchen wir!“ Leider teilte OB Reitmeier die Begeisterung nicht ganz, ein Fahrgeschäft mit englischem Schriftzug komme ihm nicht auf seine bayerische Thomawiese, ließ er Kistler wissen. Am Ende fand sich ein Kompromiss: Das „Breakdance“ durfte kommen, allerdings musste der Schriftzug mit einem Plakat überklebt werden. „Jetzt geht’s los“, stand drauf und war Kistler zufolge für den „Breakdance“-Betreiber „richtig teuer“.

Dennoch wären die Schausteller immer gern nach Dachau gekommen, auch wenn es – wie in diesem Fall – aus dem Rathaus gewisse Sonderwünsche gab und „man es ihnen nicht 100-prozentig recht machen konnte“, wie Kistler zugibt. 75 Schausteller und deren rund 100 Wohnwägen unterzubringen, die noch dazu alle im Lauf der Zeit immer größer und schwerer wurden, und dabei mit Strom und Wasser zu versorgen, bleibe daher auch in Zeiten umfassender Digitalisierung eine große Aufgabe.

Nachfolgerin wird Magdalena Staudt

Dieser Aufgabe wird sich ab kommendem Jahr Magdalena Staudt widmen, die mit Andrea Löffler nun das erste weibliche Volksfest-Organisationsduo bei der Stadt bilden wird. Siegfried Kistler ist froh, dass er seine Nachfolgerin heuer noch „unter Vollgas“ einarbeiten konnte. Doch auch für sich persönlich ist er dankbar, dass ihm zum Ausstand noch ein echtes Volksfest – und nicht wie 2021 ein abgespeckter „Sommer auf der Thomawiese“ – beschieden war. „So kann ich aufhören“, sagt er zufrieden. Wie es ihm allerdings gehen wird, wenn er in einem Jahr als Rentner über die Thomawiese schlendert, das „weiß ich nicht“. „Vermutlich“ werde er schon auch ein „bissl wehmütig“ sein.

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