34-Jähriger angeklagt

Freispruch für rücksichtslosen Porsche-Fahrer - durch einen Kniff vor Gericht

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Ein Porsche-Fahrer aus dem Landkreis hat sich sowohl auf als auch neben der Straße ziemlich daneben benommen. Dafür stand der 34-Jährige nun vor Gericht. 

Dachau – Ein Porsche, so formulieren es Psychologen, verkörpert für Männer ein Lebensgefühl. Das Gefühl von Sportlichkeit, Erfolg, Stil und Macht. Wer Porsche fährt, der hat’s geschafft. Doof nur, wenn andere Verkehrsteilnehmer dieses Selbstverständnis nicht nachvollziehen können – und sich weder von einem Sportwagen, Markenklamotten oder großen Uhren beeindrucken lassen.

So kam es letztlich auch zu einer Verhandlung, die am Mittwoch am Amtsgericht Dachau stattfand. Auf der Anklagebank saß ein 34-Jähriger  aus dem Landkreis, der laut Zulassungspapieren einen Porsche sein Eigen nennen darf. Neben ihm saß, standesgemäß, der in manchen Medien als „Münchner Star-Anwalt“ titulierte Strafverteidiger Steffen Ufer.

Was dem 34-Jährigen vorgeworfen wurde, war tatsächlich kein Pappenstiel. Er soll im Dezember 2016 auf der A 8 bei Sulzemoos eine Verkehrsteilnehmerin äußerst riskant und rücksichtslos rechts überholt haben und, nachdem die Frau ihn auf dem Rastplatz Fuchsberg deswegen zur Rede gestellt hatte, noch dazu unflätigst beleidigt haben. „Lassen Sie sich doch mal wieder ordentlich durchf...“ soll der 34-Jährige laut dem Opfer gesagt haben.

Brüder nicht so richtig unterscheidbar

Das Problem für die Ermittlungsbehörden war nur leider: Der mutmaßliche Verkehrsrowdy hat zwei jüngere Brüder, die nicht nur auch in der gleichen Firma arbeiten und somit Zugriff auf seinen Porsche haben, sondern ihm auch noch ziemlich ähnlich sehen. Anwaltlich von Anfang an bestens beraten, ließ sich der Porsche-Besitzer zudem zu keinem Zeitpunkt zu einer Aussage überreden. Und: Im Laufe des Ermittlungsverfahrens wechselte innerhalb der Staatsanwaltschaft drei Mal die Zuständigkeit, es dauerte damit quälend lang, bis die Sache vor Gericht landete. Vor dem Hintergrund, dass „wir alle nicht jünger werden“, wie es Richter Lukas Neubeck formulierte, war diese Zeitverzögerung wahrscheinlich das entscheidende Kriterium.

Im Gerichtssaal wünschte Anwalt Ufer nämlich direkt eine Gegenüberstellung des Opfers mit dem vermeintlichen Verkehrssünder. Das Bruder-Trio – alle mit weißem Hemd, dunkler Jacke, dunkler Hose und braunen Wildlederschuhen bekleidet sowie mit identischem Haar- und Bartschnitt – saß in einer Reihe, blickte unschuldig und tat alles, um nur ja nicht unterscheidbar zu sein. Und hatte damit Erfolg. Das Opfer sah die jungen Männer an, stockte, und seufzte: „Puh, das ist jetzt echt schwer für mich grade. Es ist alles so lange her. Ich bin mir nicht sicher.“ Am Ende legte sich die Pfaffenhofenerin dann aber doch fest: „Der Linke war’s auf keinen Fall!“ Ausgerechnet der war jedoch der Angeklagte, der Besitzer des Porsche, und damit wohl derjenige, der die Frau erst gefährdet und dann auch noch beleidigt hatte.

Juristisch war der Fall damit klar: Dem 34-Jährigen konnte die Tat nicht nachgewiesen werden. Richter Neubeck musste den Landkreis-Bürger freisprechen. Rechtsanwalt Ufer versuchte, das Verhalten seines Mandanten und dessen Familie am Ende gar noch zu rechtfertigen und berief sich auf das Zeugnis- und Aussageverweigerungsrecht, das Familienmitgliedern erlaubt, loyal zueinander zu sein. Überhaupt, so Ufer, sei es „menschlich und doch mehr als verständlich, dass keiner der drei Brüder den anderen belasten will“.

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