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Das Amtsgericht Dachau verurteilte einen 36-Jährigen wegen Beleidigung von Polizisten.

Amtsgericht verhängt Geldstrafe

Fahrgast prellt Taxifahrer und beleidigt Polizisten

  • Thomas Zimmerly
    VonThomas Zimmerly
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Amtsrichter Bauer hat einen 36-Jährigen wegen Beleidigung von Polizisten zu einer Geldstrafe in Höhe von 4200 Euro verurteilt. Eine ungewöhnliche Taxifahrt war der Auslöser gewesen.

Dachau – Vor den Augen von Richter Tobias Bauer kam es in der Hauptverhandlung zu einem herzhaften Händedruck zwischen einem Münchner Taxifahrer (42) und seinem ehemaligen Fahrgast (36) aus Schwabhausen. Die Chemie zwischen den beiden stimmte wieder. In der Nacht zum 3. Februar dieses Jahres hatte das anfangs gute Miteinander der Zweckgemeinschaft allerdings nach und nach gelitten. Am Ende so sehr, dass der Fahrgast nun vor dem Dachauer Amtsgericht Platz nehmen und sich gegen die Vorwürfe des Betrugs sowie der Beleidigung verteidigen musste.

Der Schwabhauser war am 3. Februar dieses Jahres um 3.10 Uhr in der Münchner Leopoldstraße in das Taxi geklettert. Zu diesem Zeitpunkt hatte er eine Auseinandersetzung mit seiner Freundin und eine ordentliche Zechtour hinter sich. Müde des Redens, des Trinkens und des Zitterns vor Kälte wollte er nur noch heim ins Bett. Blöd nur: Er hatte kein Geld mehr.

Also fasste er den Plan, seinen Transporteur zu verwirren. Er dirigierte ihn zunächst nach Dachau. Auf Höhe Karlsfeld räumte der gelernte Trockenbaumonteur gegenüber dem Taxler ein, mittellos zu sein. In der Kreisstadt dirigierte er ihn „nach links und dann nach rechts und dann wieder nach links...“, so der Taxifahrer im Zeugenstand. „Auf meine Bitte, in einer Bank in Dachau Geld abzuheben, ist er nicht eingegangen. Er hat gesagt, er will zu seiner Bank in Schwabhausen“, so der Chauffeur weiter. Die Stimmung im Wagen wurde zusehens mieser, der Ton rauer. Bei Breitenau wurde es dem Taxifahrer zu dumm. Er hielt an einem Acker an und rief die Polizei. Wenig später ging sein Fahrgast zunächst sein Geschäft verrichten und dann stiften.

Nur war es so, dass der anstrengende Streifzug durchs Münchner Nachtleben den Schwabhauser nicht nur arm und betrunken sondern auch langsam gemacht hatte. Eine Streife konnte den Flüchtigen noch auf dem Acker festnehmen. Auf der Wache der Dachauer Polizei schlüpfte der Schwabhauser in die Rolle des Götz von Berlichingen, wobei er diesen fast fehlerfrei zitierte („...ihr könnt mich mal am A...“).

Im Gerichtssaal übte der mimisch überzeugende „Götz“ (vier Polizisten stellten Strafantrag) Selbstkritik. Sein Verhalten in jener Nacht sei insgesamt „absoluter Schwachsinn“ gewesen, er habe „komplett überreagiert“. Nur: Das Taxi habe er auf jeden Fall bezahlen wollen.

Die Staatsanwältin lehnte zunächst das Angebot von Richter Bauer ab, den Vorwurf des Betruges fallen zu lassen. Dann verlangte sie, den Angeklagten zu einer Geldstrafe in Höhe von 5600 Euro zu verurteilen, wobei sie bei ihren Antrag „mit zwei zugedrückten Augen“ stelle. Denn der Schwabhauser stand unter offener Bewährung. Erst 2018 war er wegen einer Trunkenheitsfahrt zu einer viermonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Richter Bauer hingegen verurteilte den 36-Jährigen „nur“ wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 4200 Euro. In Bezug auf den Betrug sprach er ihn frei. „Wir bestrafen hier nicht wegen unlogischen Verhaltens oder Dummheit“, meinte Bauer. Der Angeklagte habe nur Angst vor der Polizei gehabt. Und zum Angeklagten: „Ich bin nicht überzeugt, dass Sie nicht zahlen wollten.“

Gezahlt hat der Angeklagte bereits vor einiger Zeit: seine Taxirechnung in Höhe von 42,70 Euro plus 30 Euro Bearbeitungsgebühr – mit ein Grund dafür, warum die Chemie zwischen Chauffeur und Fahrgast mittlerweile wieder stimmt.

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