Zaghaft in der Stadt, schwungvoll im Landkreis: Die Umsetzung der sogenannten Recup-Kaffeebecher könnte besser sein.
+
Zaghaft in der Stadt, schwungvoll im Landkreis: Die Umsetzung der sogenannten Recup-Kaffeebecher könnte besser sein.

Zwei Kampagnen

Kaffeebecher auffüllen statt wegwerfen!

Einwegkaffeebecher gelten als große Übeltäter, wenn es um den Umweltschutz geht. Sie sind aufgrund der inneren Plastikbeschichtung nicht recycelbar und verschmutzen die Umwelt nachhaltig. In Dachau gibt es allerdings Alternativen zum Einwegbecher.

VON LEYLA YILDIZ

Dachau – Vor einem Jahr hat Greta Thunberg den ersten Schritt gemacht. Die 16-jährige Schülerin hatte sich mit einem Schild vor das schwedische Parlament gestellt. Die Aufschrift lautete: „Skolstrejk för klimatet“. Übersetzt heißt das: Schulstreik fürs Klima. Inzwischen hat sich viel getan, Umweltschutz ist in aller Munde, und die Menschen schauen beim Kauf ihrer Lebensmittel auf Verpackungsmüll.

Beim morgendlichen Kaffee, der gerne schnell mal auf dem Weg zur Arbeit getrunken wird, rückt der Einwegbecher nach und nach in den Hintergrund. Die Lösung dafür ist, selber einen Mehrwegbecher mitzubringen oder einen Recup-Becher zu verwenden. Dieser wird beim Kauf eines Heißgetränkes für einen Euro an den Kunden rausgegeben und kann bei jedem beliebigen Recup-Partner wieder abgegeben werden.

In Dachau hat der Becher allerdings wenig Absatz gefunden. Nur vier offizielle Dachauer Recup-Partner geben den Becher beim Kaffeekauf aus. Steffi Mühleder, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei Recup, erklärt, warum: „Wir merken, dass der Becher in großen Städten besser geht als in ländlichen Regionen.“ Die Kaffeenachfrage sei in den Städten einfach höher. „Das Pfandsystem funktioniert aber nur, wenn es flächendeckend ausgebreitet ist.“ Dass die Menschen mit den Bechern im Allgemeinen zum Umdenken über den Umweltschutz angeregt werden, steht für Mühleder außer Frage.

Maria Scheiblhuber, Inhaberin der Naturkostinsel in Dachau, sieht das ähnlich. Sie ist eine der vier Recup-Partner im Landkreis. „Die Becher tragen dazu bei, dass die Menschen umdenken, und sie kommen auch sehr gut an.“ Beim Kaffeekauf fragen die Mitarbeiter der Naturkostinsel deshalb erst, ob die Kunden einen Recup haben möchten. „Wir geben aber Einwegbecher nur heraus, wenn der Kunde das will“, sagt Scheiblhuber.

Ähnlich handhabt es die Bäckerei Geisenhofer. Letztes Jahr hat Stefan Geisenhofer die Bäckerei Muschler in Freising übernommen. Dort wurde der Recup bereits angeboten. Nun ziehen sie in der Dachauer Filiale nach. Allerdings muss Chefin Stephanie Franke zugeben: Obwohl die Becher aktiv angeboten werden, springen die Kunden nicht so darauf an. „Der Recup ging nicht wie erwartet“, meint Franke.

Vor zwei Jahren war der Becher auch Thema im Dachauer Stadtrat. Das Fazit damals: Zu wenige Geschäfte hätten Interesse an den Bechern gehabt. Stadträtin Sabine Geißler (Bündnis für Dachau) war eine Verfechterin des Systems und bedauerte es sehr, dass die Stadt die Becher nicht eingeführt hat. Seitdem sei im Stadtrat nie mehr darüber gesprochen worden. „Es wird immer Menschen geben, die den Umweltgedanken nicht berücksichtigen, aber wenn wir so denken, können wir gleich einpacken“, betont Geißler. Es müsse deshalb ganz viel von der Politik kommen.

Der Landkreis Dachau hat, abgesehen vom Recup-Pfandsystem, eine Kampagne entwickelt, die sich „Aufgfüllt werd“ nennt. Mit ihr sollen Kaffeekäufer dazu animiert werden statt einem Einweg- einen Mehrwegbecher zu verwenden. Bislang sind 60 Bäckereien und Cafés aus dem Raum Dachau dabei. Sie füllen entweder die mitgebrachten Becher auf oder nutzen ein Pfandsystem.

Und die Kampagne kommt an. „Das Projekt wird positiv aufgefasst“, wie Manuel Leupold vom Landratsamt bestätigt. Immer mehr Cafés würden sich dazu bereit erklären, Becher aufzufüllen. „Viele Cafés wussten vorher nicht, dass sie das dürfen“, sagt Leupold. Sie hätten wegen der Hygiene Bedenken gehabt. Gespülte Becher dürfen aber aufgefüllt werden.

Für die Cafés, die bei der Kampagne mitmachen, gibt es einen Vorteil: „Wir erwähnen alle Teilnehmer auf unserer Internetseite“, so Leupold. Ob nun eigener Kaffee- oder Pfandbecher, jeder Mensch kann etwas für die Umwelt machen. Steffi Mühleder von Recup sagt: „Wir wollen beim Thema Umweltschutz sensibilisieren und bewusst machen, was Ressourcenverschwendung nachhaltig bedeutet.“

Eine Übersichtskarte

zur Kampagne „Aufgfüllt werd“ gibt es auf der Internetseite des Landratsamtes unter www.landratsamt-dachau.de/abfall-naturschutz-umwelt/nachhaltigkeit/aufgfuellt-werd-im-dachauer-land/karte-aufgfuellt-werd/. Dort sind alle Anlaufstellen aufgelistet, wo der Becher aufgefüllt wird oder wo es ein Pfandsystem gibt. In der Recup-App sind zudem alle Dachauer Recup-Partner aufgeführt.

Wer mitmacht, bekommt Werbung auf Internetseite

Das Landkreiswetter

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare