Mann und Frau am Obst- und Gemüsestand
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Seit 35 Jahren am Unteren Markt: Monika und Georg Treybl an ihrem Obst- und Gemüsestand. In zwei Monaten aber wollen die beiden in Ruhestand gehen. 

Georg und Monika Treybl geben ihren Obst- und Gemüsestand am Unteren Markt auf

Abschied nach 35 Jahren

Nach 35 Jahren machen Georg und Monika den Obst- und Gemüsestand zu.

Dachau – Als Georg Treybl 1974 vor der Entscheidung stand, angestellt zu bleiben oder einen eigenen Obst- und Gemüsestand aufzumachen, musste der gelernte Kaufmann nicht lange überlegen. Knapp 20 Meter hinter dem jetzigen Stand, dort, wo die Herzog-Albrecht- auf die Gröbenriederstraße trifft – damals gab es den Marktplatz am Unteren Markt mit dem Kiosk noch nicht – eröffnete er seinen Stand.

Unterstützt wurde er damals von seinen Eltern, die fleißig mithalfen. Elf Jahre später, 1985, wurde sein Vertrag aber plötzlich von der Stadt Dachau gekündigt, da diese das Areal umplante. Die damalige Stadträtin Rosa Rühl (SPD), eine Stammkundin, setzte sich dafür sein, dass Treybl den Kiosk am neugebauten Marktplatz bekam. Im Oktober desselben Jahres gab es dort dann von Montag bis Samstag Obst, Gemüse, Pflanzen und einiges mehr.

Für die Treybls bedeutete dies aber auch: weiterhin von März bis ersten Advent sechs Tage die Woche um 1 Uhr nachts aufstehen, zum Großmarkt fahren, dann ab 6.30 Uhr in Dachau den Stand herrichten und bis abends verkaufen. 2016 wurden die Öffnungszeiten auf Mittwoch bis Samstag verkürzt. Damals hatte sich Georg Treybl bei einem Sturz von der Leiter schwer an der Hand verletzt, sich danach aber wieder zurückgekämpft.

Gleich geblieben sind in all den Jahren jedoch die kurzen Verschnaufpausen auf einem Campingstuhl im Laufe des Vormittags. Danach wird dann bis abends wieder durchgearbeitet.

Zumindest bis zum ersten Advent dieses Jahres – denn dann gehen Georg (67 Jahre) und seine Frau Monika (63), mit der er seit 1977 verheiratet ist, zwei Söhne hat und auch beruflich unzertrennlich ist, in den wohlverdienten Ruhestand. „Wir werden unsere Kunden vermissen“, blickt Monika Treybl mit einem weinenden Auge in die Zukunft.

Der erste Stand der Treybls stand 1974 in unmittelbarer Nähe zum jetzigen Markt. Den Unteren Markt hatte es damals noch nicht gegeben. 

Viele ihrer Kunden seien bereits die Kinder ihrer Stammkundschaft. Eine Tomate, eine Banane, ein paar Trauben – immer gab und gibt es bis heute für die kleine Kundschaft eine gesunde Leckerei. Mit einem lachenden Auge freut sie sich aber auch sehr auf die kommende Zeit. Denn eines werden die Treybls nicht vermissen – die Arbeit. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt aufzuhören“, freut sich die fünffache Oma auf die gemeinsame Zeit mit ihren Enkeln im Alter von drei bis neun Jahren. Dazu kümmern sich die beiden noch um ihre Mütter, auch dafür und für kleine Ausflüge innerhalb Deutschlands wird jetzt endlich mehr Zeit sein.   

So ganz aufhören wird das Röhrmooser Ehepaar allerdings dann doch nicht. Die beiden betreiben ja nicht nur ihren Stand an der Münchner Straße, sondern beliefern auch verschiedene Gastronomen in Stadt und Landkreis Dachau. Das will Georg Treybl auch weiterhin machen.

Die Gastronomie wird also nahtlos versorgt sein, aber was ist mit den Kunden? Was wird aus dem Kiosk? Kommt wieder ein Obst- und Gemüsestand rein? Das wäre der Herzenswunsch der Treybls. Eine Kollegin habe sich bei der Stadt beworben, berichten sie. Doch ob sie den Zuschlag bekommt, ist noch offen. Von Seiten der Stadt war zu erfahren, dass bereits Bewerbungen vorliegen – allerdings „keine 100“, wie es in der Gerüchteküche brodele. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Für die Kunden ist es jedoch jetzt schon schwer vorstellbar, nicht mehr regelmäßig bei Monika und Georg Treybl und ihrem Team einzukaufen. Nicht mehr „Monika’s Brotaufstriche“ oder die berühmten Marmeladen zu kaufen. Die netten Gespräche werden fehlen, die vertrauten Gesichter, die hervorragende Ware. „Das wird ein Drama“, befürchtet etwa Michaela Kotzinger, die seit zehn Jahren zweimal die Woche dort einkauft. Das Marktgefühl, die fußläufige Erreichbarkeit, die nette Atmosphäre und die Frische und Qualität der Waren überzeugen nicht nur die 49-jährige Dachauerin. Sie wünscht sich, dass wieder ein Obst- und Gemüsehändler in den Kiosk kommt.

Für Stammkunden wie Florian Reus steht jetzt schon fest: „Ich werde die Treybls definitiv vermissen!“

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