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Kerzen zum Gedenken an die Opfer von Hanau: Rund 300 Menschen kamen zur Demonstration vor dem Ludwig-Thoma-Haus und gedachten in einer Schweigeminute der Opfer des rechtsradikalen Attentats.

Pfiffe, Beifall, Gedenkminute

AfD-Kundgebung im Thomahaus lockt wenig Besucher - aber Gegendemonstranten

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Unter der Überschrift „5 Köpfe, 5 Themen“ bat die AfD am Donnerstagabend zu einer Wahlkampfveranstaltung ins Ludwig-Thoma-Haus. Unter den Köpfen waren AfD-Männer, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden, oder dem „Flügel“ angehören. Nur 50 Zuhörer verloren sich im Saal, während draußen über 300 Menschen lautstark gegen die Partei demonstrierten.

Draußen vor dem Ludwig-Thoma-Haus riefen die gut 300 Teilnehmer einer Anti-AfD-Demo inbrünstig: „Nazis raus!“ Drinnen im Stockmannsaal rief der AfD-Landtagsabgeordnete Uli Henkel im Brustton der Überzeugung: „Ich freue mich, Wahlkampf machen zu dürfen mit diesen wunderbaren Menschen!“ Die „wunderbaren Menschen“, die der Giesinger Stimmkreisabgeordnete meinte, sind: der Dachauer Kreistagskandidat Michael Stauch, der Dachauer Stadtratskandidat Jürgen Henritzi sowie die beiden Bundestagsmitglieder Rainer Kraft, der dem „Flügel“ zugerechnet wird, und Johannes Huber. Unter dem Titel „5 Köpfe, 5 Themen“ baten der AfD-Ortsverband Dachau sowie der AfD-Kreisverband zu einer Podiumsdiskussion, zu der sich knapp 50 Besucher, darunter weitere Parteifunktionäre, im Raum verloren.

Die fünf Köpfe brauchten über drei Stunden, um ihre fünf Themen – Stadtrat, Kreistag, Arbeit im Landtag und Bundestag sowie Klimawandel bzw. Wirtschaft – abzuarbeiten. Als der Moderator und stellvertretende Kreisvorsitzende Jürgen Steinhäuser die Diskussion oder besser gesagt Fragestunde für beendet erklärte, waren gut zehn Zuhörer bereits gegangen.

Im Osten der Republik ist die Alternative für Deutschland erfolgreich, im Kommunalwahlkampf hierzulande sieht es weit weniger gut aus. Henkel sagte dazu: In München komme seine Partei „vielleicht auf über zehn Prozent, hier in Dachau hoffentlich auf fünf Prozent“.

In den Saal zur AfD kamen rund 50 Zuhörer.

Ein Hoffnungsträger für Dachau ist Henritzi. Auf die aus dem Publikum gestellte Frage, ob er sich eine Fußgängerzone in der Dachauer Altstadt vorstellen könne, sagte der Stadtrats-Aspirant, „dass dann die Leute da nicht einkaufen in der Altstadt, dass man woanders einkauft und wenn, dann müsste man, um das Geschäftesterben entsprechend aufzuheben respektive entgegenzuwirken, müsste man eigentlich schauen, dass man den Geschäften hier ein besseres Geschäft vermittelt, dass man das attraktiver macht. Da wird man, spontan gesagt, dadurch, dass man auch die Mieten relativ gering hält, dass man sagt, dass die Stadt dem entgegenkommt, dass man auch Anregungen bietet, hier einzukaufen. Wie das jetzt im Einzelnen ausschaut, da bin ich jetzt überfragt, sag ich einmal, aber sicherlich kann man das ein oder andere tun, aber ich bin ganz klar gegen eine Fußgängerzone in der Altstadt“. Henritzi bekam für seine Antwort viel Applaus – von den Besuchern und den übrigen vier Köpfen.

Einer, der es bereits in ein gesetzgebendes Gremium geschafft hat, ist Henkel. Er verriet Henritzi und dem restlichen Auditorium sein Rezept, wie er gerade seine fünfjährige Amtszeit im Maximilianeum gestaltet. Treffe er Landtagskollegen einer anderen Partei, dann „umarme ich ihn, bis er sich nicht mehr wehren kann und sich ergibt“. Zweieinhalb Jahre, so Henkel weiter, umarme er. Danach prüfe er ein Jahr lang, „ob ich eine Ernte eingefahren habe“. Wenn nicht, „habe ich eine Handgranate in der Tasche“. Henkel bekam für sein Rezept sehr viel Applaus – von den Besuchern und den übrigen vier „wunderbaren Menschen“.

Zwischen den Nazi-raus-Rufen während der Demo vor dem Ludwig-Thoma-Haus, die vom Verein Runder Tisch gegen Rassismus Dachau organisiert worden war, war es gut drei Stunden vorher für einmal mucksmäuschen still geworden. Dr. Björn Mensing, Pfarrer der evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte, sprach ein berührendes Gebet für die in der Nacht zum Donnerstag in Hanau von einem rechtsgerichteten Extremisten ermordeten zehn Menschen und zündete auf dem Gehsteig für jeden der Getöteten eine Kerze an. Gegenüber den Dachauer Nachrichtensagte er: „Uli Henkel wurde vom Verfassungsschutz beobachtet. In einem Video sprach er über afrikanische Flüchtlinge und hat dabei zum Hass motiviert.“

Wir stellen richtig

In unserem Bericht „Pfiffe, Beifall, Gedenkminute“ über die AfD-Veranstaltung im Thomahaus vom vergangenen Samstag (22. Februar) wurde Dr. Björn Mensing, Pfarrer der evangelischen Versöhnungskirche, falsch zitiert. Er sagte: „Uli Henkel wurde vom Verfassungsschutz beobachtet“, nicht,dass er beobachtet wird. (Im Text korrigiert) Auf Grundlage des falschen Zitats war auch der Vorspann falsch: Keiner der fünf Redner wird aktuell vom Verfassungsschutz beobachtet. Henkel war beobachtet worden, nachdem er in einem Video über afrikanische Flüchtlinge gesprochen hatte. Die Aussagen darin wertete der bayerische Verfassungsschutz als extremistisch und zum Hass motivierend und überwachte ihn. Nach Henkels Wahl in den Landtag wurde die Beobachtung eingestellt, da für Mandatsträger höhere Hürden gelten. In dem Artikel war auch falsch, dass Henkel für München mit 10 Prozent und für Dachau auf 5 Prozent rechne. Richtig ist, dass Henkel für München mit nur 5 Prozent rechnet, für Dachau erhoffe er sich knapp 10 Prozent bei der Kommunalwahl.

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