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Mit seinem Werkzeug, dem Hausschlüssel, kratzt Alexander Erdmann die Aufkleber der Identitären Bewegung von Straßenschildern und Laternenpfosten. 

Überall tauchen Aufkleber auf

Dachauer kämpft gegen Rechtsextreme - mit seinem Schlüssel

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Seit Monaten tauchen immer mehr Sticker von Rechtsextremen in Dachau auf - unter anderem von der Identitären Bewegung. Alexander Erdmann (37) will das nicht hinnehmen. 

Dachau – Alexander Erdmann kratzt gegen Rechtsextreme. Er stellt sich an einem Straßenschild am Karlsberg auf die Zehenspitzen, mit der Waffe in der Hand: seinem Hausschlüssel. 

Erdmann: „Aufkleber sollen nicht zu einem Alltagsphänomen werden“

Der Verwaltungswirt aus Dachau beginnt das wegzukratzen, was von dem Aufkleber noch übrig geblieben ist: Der Sticker ist schwarz-gelb, das sind die Farben der Identitären Bewegung. 

Denn „die Aufkleber der Identitären sollen in Dachau nicht zu einem Alltagsphänomen werden.“ Alexander Erdmann, 37, will dagegen kämpfen.

Johannes Scholz ist Mitarbeiter bei der Fachinformationsstelle Rechtsextremismus in München und stuft die Identitäre Bewegung als rassistische und rechtsextreme Gruppe ein. Sie propagiert zum Beispiel dafür Deutschland abzuschotten.

Alexander Erdmann ist auch Vorsitzender der Überparteilichen Bürgergemeinschaft (ÜB) sowie des Runden Tisches gegen Rassismus in Dachau. Er sieht die Bewegung als problematisch: Sie gefährde das Miteinander in der Gesellschaft, wenn „jede Kultur in seinem eigenem Kulturkreis bleiben soll“. Deshalb greift er seit rund drei Monaten immer wieder zu seinem Hausschlüssel, wenn er durch Dachau radelt und Sticker der Bewegung sieht: „Das ist meist kein großer Aufwand, sie zu entfernen.“

Dachaus Laternen und Straßenschilder: Eine Kampfarena der Meinungen  

Doch nicht nur politisch sieht er die Sticker skeptisch: „Für mich sind sie einfach eine Sachbeschädigung, weil sie ja immer jemand abkratzen muss“, sagt Erdmann.

Die Laternen und Schilder in Dachaus Straßen werden immer mehr zu einer Kampfarena der Meinungen: Politische Gruppen bekleben sie mit ihren Parolen. Die Identitäre Bewegung hat in den vergangenen Wochen nicht nur Straßenpfosten, sondern auch den Treff der politischen Linken in Dachau mit Stickern zugeklebt. Das Jugendkulturzentrum Freiraum hat die Aktion der Polizei gemeldet.

Polizeisprecher Scheid: „Keine Gruppe der Identitären Bewegung im Landkreis“

„Das ist aber keine Sachbeschädigung, solange die Aufkleber entfernt werden können“, sagt Polizeisprecher Björn Scheid. Die Polizei hat die Aktion an die Kripo Fürstenfeldbruck weitergegeben: „Es gibt derzeit keine Erkenntnisse, dass es eine Gruppe im Landkreis Dachau gibt.“ Fakt ist aber: Aufkleber tauchen in der Stadt immer wieder auf.

Die Identitäre Bewegung stellt das Thema Migration in den Mittelpunkt. Die Anhänger sprechen von einer geschlossenen europäischen Kultur, die von einer Islamisierung bedroht sei. Andere Kulturen sollen aus Deutschland ausgeschlossen werden: „Es ist eine rassistische Bewegung“, sagt Johannes Scholz, Mitarbeiter der Fachinformationsstelle Rechtsextremismus. Die Gruppe tritt in ganz Europa auf. Die Identitäre Bewegung in München arbeitet eng mit der Alternative für Deutschland, der völkischen Burschenschaft Danubia und Pegida zusammen

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