Gasse in Altstadt
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Die Zufahrt zum Schloss muss in der Altstadt immer möglich sein.

Geschäftsleute wollen mitreden

Einbahnstraße in der Dachauer Altstadt - ein zweiter Versuch

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Um den Verkehrsfluss in Dachau zu verbessern und die Sicherheit der Radfahrer zu erhöhen, braucht die Stadt mehr Einbahnstraßen, finden viele Stadträte.

Dachau – Was in der Theorie gut klingt, ist in der Praxis nicht unbedingt gut durchführbar. So bescheinigten die Stadtverwaltung und die Polizei den meisten Vorschlägen der Stadtratsfraktionen, wo denn Einbahnstraßen eingerichtet werden könnten, auch klare Absagen.

So sprachen sich die Verkehrsexperten klar gegen die Einführung einer Einbahnstraßenregelung in der Martin-Huber-, der Inneren Schleißheimer sowie der Ludwig-Thoma-Straße aus. Als Begründung hieß es, dass dadurch der Busverkehr massiv behindert beziehungsweise – in der Martin-Huber-Straße – auch Stellplätze auf der Fahrbahn vernichtet werden müssten. Die Mehrheit der Stadträte im Umwelt- und Verkehrsausschuss akzeptierte diese Einschätzung.

Ein kleines Stück der Brucker Straße

Was dagegen tatsächlich eine Chance bekommt, ist der Einbahnstraßen-Vorschlag der Grünen: So soll die Brucker Straße in Richtung stadtauswärts im Bereich zwischen Augsburger Straße und Weiherweg künftig eine Einbahnstraße werden; in die Gegenrichtung soll nur Radverkehr zugelassen werden. Bis auf den AfD-Mann Jürgen Henritzi sahen alle Stadträte diese Lösung als zweckmäßig und – speziell im morgendlichen Berufsverkehr – als Entlastung für die Altstadt an.

Apropos Altstadt: Auch hier sieht die Stadtverwaltung eine Einbahnstraßenregelung als „wirksame und vertretbare Möglichkeit, um die Verkehrssituation zu beruhigen“. Dass damit nicht alle Altstadtbewohner einverstanden sein könnten, schien den Rathaus-Kollegen jedoch schon beim Schreiben ihrer Sitzungsvorlage für Stadträte klar gewesen zu sein. Denn, so merkt die Verwaltung an, müssten „Bewohner, Anlieger, Kunden und Besucher der Altstadt durch umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit und Hinweise/Beschilderung informiert werden“. Zudem sei auch ein Probebetrieb vorstellbar.

CSU-Stadtrat und Altstadt-Anlieger Christian Hartmann widersprach denn auch umgehend: Wieso erst die Einbahnstraßenregelung einführen und die Anwohner dann informieren? „Ich würde erst mit den Leuten reden und dann zu einer Entscheidung kommen!“ Nach Gesprächen mit Nachbarn und Kollegen ist Hartmanns Eindruck nämlich eindeutig: „Die Geschäftsleute wollen keine Einbahnstraße. Die kleinen Geschäfte brauchen einfach die Kundschaft!“

Auch Peter Gampenrieder (ÜB) hielt dieses Thema für „sehr sensibel“. Schließlich „tasten wir uns schön langsam in Richtung Fußgängerzone heran“. Darum würde auch er „vorher ein Stimmungsbild einholen“.

Stadt spricht erst mit Anliegern

Oberbürgermeister Florian Hartmann erklärte zwar, dass er bei seinen Gesprächen in der Altstadt schon alles gehört habe – „von der Fußgängerzone, bis zum Kirche-Wegreißen und dort ein Parkhaus hinbauen“, erklärte sich aber schließlich zu einem Termin mit den Anwohnern bereit: „Wenn Sie wollen, dass wir ein Gespräch führen, machen wir das.“

Auch die Polizei hatte Bedingungen für eine Einbahnstraße in der Altstadt: So müsse auf jeden Fall sichergestellt sein, dass die Zufahrt zum Schloss sowie zur Altstadtgarage aus beiden Richtungen – also der Konrad-Adenauer- wie auch der Augsburger-Straße – gewährleistet ist.

Dadurch ergeben sich für eine Einbahnstraße in der Altstadt – und zwar im Uhrzeigersinn von der Konrad-Adenauer- zur Augsburger Straße – am Ende drei Varianten: eine kurze, zwischen Widerstandsplatz bis Klosterstraße; eine mittlere, zwischen Wieninger Straße bis Klosterstraße; sowie eine lange, von der Jocherstraße bis zur Klosterstraße.

Über welche Variante die Stadträte am Ende abstimmen, soll nun der Termin mit den Anwohnern ergeben. Helfen würde nach Ansicht von CSU-Stadtrat Hartmann in jedem Fall eine Aufstiegshilfe von der Thomawiese hinauf in die Altstadt. Denn, so fragt er: „Wer ist denn hauptsächlich in der Altstadt unterwegs?“ Genau: „Die Älteren, und die laufen den Berg nicht mehr rauf!“

Und ob wirklich alle Altstadtbesucher auf den Bus umsteigen, hält er ohnehin für fraglich. Schon einmal, vor etwas mehr als 15 Jahren, habe es nämlich eine Einbahnregelung in der Altstadt gegeben. Die aber wurde Hartmann zufolge schnell wieder abgeschafft. Denn: „Es war ein noch größeres Durcheinander als vorher. Die Autos haben alle in den Nebenstraßen geparkt.“ Auch die Geschäftsleute beklagten damals Umsatzeinbußen, weshalb sie laut Hartmann „heute froh wären, wenn sie zumindest ein bissl mitreden dürften“.

zip

Doch nicht nur diese Einbahnstraße ist Gesprächs-Thema in Dachau. Die Uhdestraße in Dachau ist seit drei Wochen zum Teil eine Einbahnstraße. Doch die Polizei zieht nach den ersten Wochen ein nüchternes Fazit.

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