Amtsgericht Dachau

Mit Kanonen gegen Schmutzwäsche

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Jede Menge schmutzige Wäsche wurde zuletzt vor dem Amtsgericht Dachau gewaschen. Und zwar im Wortsinn schmutzige Wäsche! Weil der Streitwert der Waschladung aber am Ende nur knapp 2 Euro betrug, wurde das Verfahren eingestellt.

Von Stefanie Zipfer

Dachau – In Syrien tobt ein Bürgerkrieg, in Nordkorea spielt ein Diktator mit dem Atomknopf, in Europa kämpfen sich Nationalisten zurück in die Parlamente: Man könnte meinen, dass die Welt gerade echte Probleme hat.

In Dachau allerdings scheint von diesen großen Krisen noch nichts angekommen zu sein. Stattdessen musste sich Amtsrichter Tobias Bauer gemeinsam mit einem Vertreter der Staatsanwaltschaft und einem Verteidiger mit einem Fall beschäftigen, dessen Streitwert bei rund 2 Euro lag. „Eine absolute Lappalie“, schimpfte Bauer. Und fragte den Angeklagten sowie die Zeugen: „Warum redet man nicht anständig miteinander?“

Ein Urteil, so Bauer, sei in diesem Fall „völlig überflüssig“! Überhaupt habe er das Gefühl, dass „hier mit Riesen-Kanonen auf den kleinsten Vogel geschossen“ werde.

Der Staatsanwalt gab Bauer im Grundsatz recht, verwies aber gleichzeitig auf die lange Vorstrafenliste des 22-jährigen Angeklagten. Nur deshalb sei es dazu gekommen, dass der mittlerweile in Hilgertshausen lebende junge Mann wegen des Vorwurfs des Hausfriedensbruchs vor dem Kadi gelandet sei.

Dieser Hausfriedensbruch stellte sich laut Anklageschrift, zusammengefasst, folgendermaßen dar: Am 6. Juli des vergangenen Jahres ging der Angeklagte mit seinem Vater und seiner Freundin sowie einer Ladung Schmutzwäsche in den Keller des Karlsfelder Mehrfamilienhauses, in dem die Freundin zu der Zeit gerade wohnte. Fünf Parteien wohnten in dem Haus, jede Partei hatte ein eigenes Kellerabteil. Im verschlossenen Abteil der Hausbesitzerin stand eine Waschmaschine, welche aber – eigentlich – nicht genutzt wurde, da die Hausbesitzerin mittlerweile im Landkreis Pfaffenhofen wohnt.

Die Freundin des Angeklagten aber war offensichtlich der Meinung, dass sie diese Waschmaschine benutzen dürfe. Gegenüber dem Angeklagten und dessen Vater behauptete die 21-Jährige, dass sie sich bei der Polizei rückversichert habe und das Schloss zum Kellerabteil der Vermieterin öffnen dürfe. Der Angeklagte und sein Vater machten sich daraufhin ans Werk, brachen in das Abteil ein und befüllten die Waschmaschine mit der Wäsche der Freundin.

Dumm nur, dass eine Nachbarin das Treiben beobachtete. Im Zeugenstand erklärte die Frau zudem, dass das Kellerabteil der Hausbesitzerin nur deshalb verschlossen worden sei, weil die 21-Jährige dort immer unerlaubterweise ihre Dreckwäsche gewaschen habe. Überhaupt sei es „pausenlos a Zirkus gewesen“ mit der jungen Frau. Und Miete habe die doch ohnehin nicht bezahlt!

Gericht und Staatsanwaltschaft sahen am Ende dann doch ein, dass die Freundin, so Bauer, „die treibende Kraft“ bei diesem Hausfriedensbruch gewesen und der Tatbeitrag des Angeklagten eher „psychisch unterstützender Natur“ gewesen sei. Abgesehen von Stromkosten in Höhe von 1,25 Euro und Wasserkosten in Höhe von 80 Cent sei ohnehin kein weiterer Schaden entstanden.

Das Verfahren wurde daher eingestellt – gegen Auflage einer Geldbuße von 300 Euro, die der 22-Jährige nun auf eigenen Wunsch hin an den Kinderschutzbund in Dachau überweisen will.

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