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Der Vater der mitdenkenden Fußgängerampel: Heribert Lorenz, Leiter der Verkehrstechnik bei der Stadt Dachau, hat gut lachen: Er entwickelte zusammen mit seinem Team die neue Technik. 

Stadt präsentiert neue Anlage an der Münchner Straße

Am Dachauer MVZ steht Deutschlands erste mitdenkende Fußgängerampel

  • Nikola Obermeier
    vonNikola Obermeier
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Die deutschlandweit erste Fußgängerampel mit hellseherischen Fähigkeiten steht vor dem MVZ an der Münchner Straße in Dachau. Dort müssen Fußgänger das Grünlicht nicht mehr anfordern: Eine Wärmebildkamera erkennt sie und stoppt die Autos. Das spart Zeit – und ist völlig kontaktlos.

Eigentlich soll die neue Fußgängerampel an der Münchner Straße vor dem MVZ den Verkehrsfluss verbessern. Überhaupt ist diese Ampel, von der OB, Stadttechniker und Bauhofchef in den höchsten Tönen schwärmten, ein Prototyp und die bisher einzige ihrer Art in ganz Deutschland: Die Fußgänger brauchen die Grünphase nicht mehr anfordern mit Drücken auf den Schalter – was Zeit spart und in Zeiten von Corona das Infektionsrisiko minimiert.

Die intelligente Ampel erkennt Fußgänger mittels Wärmebildkamera, schaltet ohne Aufforderung auf Grün, erkennt mit einer weiteren Kamera mittig über der Straße, wie lange der Fußgänger braucht, um die Straße zu überqueren, und passt die Grünphase entsprechend an – zwischen 12 und 22 Sekunden. Schneller Fußgänger bedeutet: Die Autos bekommen schneller wieder grün. Am Tag der Vorführung vor der Presse hat es mit dem Verkehrsfluss nicht so recht geklappt – aber nur, weil die Ampel hervorragend funktionierte.

Im Blickwinkel der Kamera stand ein Menschengrüppchen. Vertreter der Stadt, ein Mitarbeiter der Firma Swarco, die die Ampel installierte, erklärten die innovative Fußgängerschutzanlage, mehrere Pressevertreter und Fotografen blickten staunend der Ampel ins Auge – und die tat, was sie tun muss: Sie stoppte die Autos auf der Münchner Straße. Die Fußgänger jedenfalls freuten sich über die unverhoffte grüne Welle, die Blicke der Autofahrer wurden von den Protagonisten bei dem Pressetermin ignoriert.

„Fußgänger sagen ja oft, dass sie immer warten müssen an Ampeln. Hier nicht!“, frohlockte OB Florian Hartmann. Überhaupt habe man bisher Autos und Radfahrer über Kameras erfassen können, bei Fußgängern sei das nicht möglich gewesen. „Das ist die Neuheit an diesem System, dass es Fußgänger erkennen kann“, so der OB.

Heribert Lorenz, Leiter Verkehrstechnik der Stadt, und Kurt Ladehoff, Leiter der Abteilung Stadtgrün, wurden nicht müde zu betonen, dass diese neue technische Errungenschaft deutschlandweit das erste Projekt seiner Art sei. Lorenz hat zusammen mit einem Stadtbauhof-Team die Ampelanlage entwickelt. Die Stadt hat die Technik dieser Ampel nichts gekostet, da sie von Ampel-Hersteller Swarco zur Verfügung gestellt wurde. Das Interesse von anderen Kommunen sei groß, berichtet Lorenz: „Es gab schon viele Anfragen, zum Beispiel vom Straßenbauamt München!“

Natürlich kann an der Ampel nach wie vor das Grünlicht per Druckknopf angefordert werden, etwa von sehbehinderten Menschen, die bei Grün ein akustisches Signal bekommen.

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