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So könnte das Museumsforum aussehen: mit Galerien, Museen und Werkstätten, auf dem ehemaligen MD-Gelände, mit Tor zur Altstadt. 

Museumsforum am MD-Gelände

„Eine historische Chance für Dachau“

Dachau –  Ein Teil des ehemaligen MD-Geländes in Dachau soll zu einem Museumsforum werden. Bezirksmuseum, Gemäldegalerie und Neue Galerie müssten dafür aber aus der Altstadt wegziehen. Doch das Projekt ist noch nicht in trockenen Tüchern.

Seit fast zehn Jahren liegt das Gelände der ehemaligen MD-Papierfabrik brach. Im Mai 2007 gingen dort endgültig die Lichter aus. Seit Jahren tut sich dort wenig, die Planungs-Verhandlungen zwischen Besitzerin und Stadt laufen zäh. Doch nun gab es einen Grundsatzbeschluss: Die Kulturausschüsse von Stadt, Landkreis und Bezirk wollen auf einem Teil des rund 17 Hektar großen Geländes ein Museumsforum mit dem futuristischen Namen „M hoch x“ zu schaffen (wir haben berichtet).

Das Projekt soll nach Berechnungen des Architekturbüros Hammerl und Dannenberg aus München rund 20,4 Millionen Euro kosten, allerdings könnten weitere Kosten von 3,1 Millionen Euro für die Erschließung des Geländes und die Außenanlagen dazukommen, insgesamt also rund 24 Millionen Euro. Rund 2,3 Millionen würden als laufende Kosten pro Jahr entstehen. Bereits bis 2025 soll das Museumsforum fertiggestellt sein. Der Haken daran: Das Gelände müsste zunächst gekauft werden, und die Frage nach der Entsorgung der Altlasten steht noch im Raum.

„Es ist ein Meilenstein“, erklärt aber Josef Mederer, Präsident des Bezirkstags von Oberbayern, begeistert. Er hat sich federführend für das Museumsforum auf dem ehemaligen MD-Gelände eingesetzt. Seit rund acht Jahren sei der Bezirk schon auf der Suche nach einem Standort für ein Arbeiter- und Industriemuseum. Durch Mederers Nähe zum Landkreis fiel die Wahl schließlich auf Dachau. In den vergangenen eineinhalb Jahren hat sich Mederer mit dem Standort Dachau für das Museumsforum auseinandergesetzt. Mederer zeigt sich nun optimistisch: „Es ist eine historische Chance.“

In den denkmalgeschützen Gebäuden der ehemaligen Papierfabrik an der Ludwig-Thoma-Straße neben dem Wasserturm soll das „M hoch X“ entstehen. Am vorderen Teil des Gebäudekomplexes soll ein Neubau entstehen mit einem „Tor zur (Alt-)Stadt“: Darin sollen Sonderausstellungen und die Neue Galerie für zeitgenössische Kunst unterkommen.

Nach dem Eingang in das Museumsforum sollen zwei weitere neue Gebäude entstehen mit Gemäldegalerie, Restaurant und Shop sowie einer Demokratiewerkstatt. Im Gebäudeteil an der Ludwig-Thoma-Straße ist in den denkmalgeschützten Gebäuden der ehemaligen Papierfabrik ein Arbeiter- und Industriekulturmuseum (AIKM) unter dem Wasserturm geplant. Daneben plant das Architekturbüro ein Mitmachmuseum, zum Beispiel für eine Druckwerkstatt oder zum Papierschöpfen, und das Bezirksmuseum.

Der Name des Museumsforums „M hoch X“ ist durch die Zusammensetzung der Museen auf dem Forum entstanden: Denn alle drei, Arbeiter- und Industriekulturmuseum, Gemäldegalerie und Bezirksmuseum, enthalten den Buchstaben M. Das M hoch X soll die Geschichte des Dachauer Landkreises miteinander verbinden: die bäuerliche Landschaft durch das Bezirksmuseum, die Dachauer Künstlerkolonie durch die Gemäldegalerie, und das Arbeiter- und Industriekulturmuseum als Spiegel der industriellen Entwicklung. Als Verbindungselement zwischen den drei Elementen könnte der Mühlbach unter dem Gelände freigelegt werden, so Architekt Achim Dannenberg. Auch die Neue Galerie und Sonderausstellungen sollen im anschließenden Bau unterkommen.

Elisabeth Boser, Geschäftsführerin des Zweckverbandes Dachauer Galerien und Museen, zu dem Bezirksmuseum, Gemäldegalerie und Neue Galerie gehören, zeigt sich offen: „Jeder Umzug bietet auch die Möglichkeit, sich selbst zu erneuern. Man muss eben schauen, was man daraus machen kann.“ Überrascht war sie von dem Beschluss der drei Ausschüsse nicht, denn: „Es war ja immer wieder im Gespräch, dass es als Museumsforum genutzt wird.“

Denn seit einigen Jahren gibt es auf dem Gelände ein kleines Papiermuseum, durch das ehemalige MD-Mitarbeiter und Kulturbeauftragte der Stadt führen. „Es waren schon im Vorentwurf Gebäude als Museumsstandort eingeplant“, sagt Herbert Ullmann, Geschäftsführer der Dachauer Entwicklungsgesellschaft (DEG). Sie ist die Investorin, Eigentümer ist das finnische Unternehmen „Myllykoski Oy“. Ullmann erklärte weiter: „Wir begrüßen die Entscheidung der Ausschüsse sehr. Es ist nicht nur ein Gewinn für den Landkreis und den Bezirk, sondern für das ganze innerstädtische Areal.“ Jedoch gehe mit dem Museumsprojekt auch die Beseitigung der Altlasten einher, betont Ullmann. Die Schadstoffsanierung des Erdreichs des betroffenen Bereichs würde nach Angaben des Architekturbüros Hammerl und Dannenberg rund zwei Jahre dauern – dort müssten zumindest ein Großteil der Böden nicht entsiegelt werden.

Landrat Stefan Löwl betont also: „Für einen Durchbruch ist es leider noch zu früh.“ Dennoch erscheint ihm die Idee eines Dachauer Museumsforums „sympathisch“. Die drei Partner Bezirk, Stadt und Landkreis stehen bereits mit den Eigentümern in Kontakt und sprechen mit deren Rechtsanwälten: „Von denen kam bereits ein grundsätzliches Ja“, sagt Löwl. Nun müssten sich die drei Partner und die derzeitigen Eigentümer nur noch über die Kaufpreise einig werden.

Wie Löwl sieht auch Oberbürgermeister Florian Hartmann den Kauf von den Eigentümern noch als Herausforderung. Auch eine neue Trägerschaft muss noch aus den Partnern Bezirk, Landkreis und Stadt entstehen. „Außerdem muss dann die finale Zustimmung aller drei Gremien für das Projekt erfolgen. Es ist also noch einiges an Arbeit bis zur Realisierung notwendig“, erklärt Hartmann. Zudem müssten noch Fragen des Denkmalschutzes mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgeklärt werden, da die Gebäude auf dem MD-Gelände unter Denkmalschutz stehen: „Aber da bin ich ganz zuversichtlich, denn die Belange des Denkmalschutzes sind mit einer Museumsnutzung sehr gut vereinbar.“ Insgesamt sieht der Oberbürgermeister das geplante Museumsforum als Gewinn für die Entwicklung der Stadt.

Auch das Architekturbüro Hammerl und Dannenberg hat in ihrer Machbarkeitsstudie deutlich gemacht, dass sich die Investition für Dachau lohnen würde. Nur rund 20 000 Besucher würden jedes Jahr die Dachauer Museen besuchen. Das sei für eine ehemalige Künstlerkolonie sehr wenig: „Für das Museumsforum rechnen wir mit einer Besuchergröße von 87 500 pro Jahr“, sagt Architekt Achim Dannenberg – etwa das Vierfache der bisherigen Besucherzahlen.

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