Die Außenwände stehen schon: der Neubau des neuen Multifunktionsbaus des Tierschutzvereins.
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Die Außenwände stehen schon: der Neubau des neuen Multifunktionsbaus des Tierschutzvereins.

Neubau schreitet voran, aber weiterhin sind die Finanzen des Tierschutzvereins belastet

Das Tierheim plagen Geldsorgen

Der neue Multifunktionsbau des Tierheims Dachau nimmt langsam Gestalt an. Sylvia Gruber, Vorsitzende des Tierschutzvereins Dachau, berichtet aber, dass die vergangenen Monate nicht leicht waren: „Ich war am Rand der Belastbarkeit!“

VON SIMONE WESTER

Dachau - Mittlerweile sind neben der Bodenplatte auch die Außenwände fast vollständig hochgezogen und die Nachfolgegewerke terminiert. Sylvia Gruber, Vorsitzende des Tierschutzvereins Dachau, hat lange um den Neubau des Multifunktionshauses des Tierheims gekämpft, und tut es bis heute, denn die Corona-Situation hat das Bauvorhaben nicht gerade beschleunigt. Im Gegenteil: Es gab Lieferschwierigkeiten, Preisexplosionen, Bangen um Fördermittel. Gruber, die so schnell nicht klein zu kriegen ist, gibt zu: „Ich war am Rand der Belastbarkeit. Das kostet Nerven ohne Ende, ich wollte schon nicht mehr!“

Um die jetzige Situation zu verstehen, muss man allerdings ins Jahr 1993 zurückgehen. Damals war das Tierheim mit 800 000 DM in den Miesen und wegen Insolvenz geschlossen, der Vorstand zurückzutreten. Sylvia Gruber wurde überredet, das Amt der Vorsitzenden „kommissarisch“ zu übernehmen, wie sie sich erinnert. „Damals gab es für den Altbau keine Zuschüsse von den Kommunen, wir waren nicht den Sportvereinen gleichgestellt.“ Heute steht sie immer noch an der Spitze des Dachauer Tierschutzvereins, um ihren Posten reißt sich niemand. „Bis jetzt sind wir schon drei bis viermal vor der Pleite gestanden.“

Die Baukosten für den neuen Multifunktionsbau lagen nach der ersten Schätzung 2019 auf 950 000 Euro. Jetzt sind es bereits 1,25 Millionen Euro. „Und wir werden laut Architekten wohl noch mehr brauchen“, befürchtet Gruber. Allein die Kosten für Bauholz hätten sich durch Corona verdoppelt, erklärt sie. Dazu kamen allein 50 000 Mehrkosten für die Altlastenentsorgung.

Aber nicht nur die Kosten halten die Vorsitzende auf Trab. Auch die Fördergelder folgen eigenen Spielregeln, die nicht immer gleich durchschaubar sind. „Bis 2018 hatte der Freistaat Bayern keine Gelder für den Tierschutz im Haushalt eingeplant“, so Gruber. Im September 2018 wurden dann lediglich 1 Million Euro für alle bayerischen Tierheime bereitgestellt. Wo man dann aber 2019 einen Antrag dafür stellen kann – das wusste zu dem Zeitpunkt niemand. Dachau liegt ja bekanntlich im Regierungsbezirk Oberbayern, beantragen mussten die Dachauer Tierschützer die Fördergelder für den Tierheimneubau aber bei der Regierung von Oberfranken. Im Dezember 2019 folgte dann der Bewilligungsbescheid in Höhe von 93 000 Euro. „Das hat damals unsere Finanzierungslücke geschlossen“, erinnert sich Gruber.

Mit der Bewilligung gingen jedoch neue Vorschriften einher – darunter die Maßgabe, dass die Arbeiten öffentlich gemäß geltenden Richtlinien ausgeschrieben werden müssen. „Dafür brauchten wir jetzt für einen Bereich plötzlich einen Planer“, stöhnt Gruber über die damit verbunden Zusatzkosten und extra Arbeitsstunden. Als die Zeit verrann, stellte sie einen Antrag auf Übertragung der Fördermittel auf 2021. Das wurde von den Behörden abgelehnt. Um die Fördergelder nicht komplett zu verlieren, erfolgte im Winter 2020 noch der Aushub und die Bodenplatte.

Durch einen Corona-Fall in der Baufirma kam es zu weiteren Verzögerungen. Doch 2022 soll alles fertig sein, hofft Gruber. Neben den aktuellen Baukosten – die auch deshalb so hoch sind, weil alle Räume wandhoch gefliest werden und die Fugen mit Epoxidharz abgedichtet sein müssen, weil die Räume ständig mit Hochdruckreinigern und scharfen Desinfektionsmitteln gereinigt werde müssen, machen ihr aber auch die laufenden Kosten große Sorgen. Allein die Klinikkosten belaufen sich auf 10 000 Euro im Monat. Zusätzlich kommen noch 2000 bis 4000 Euro Tierarztkosten dazu. Für Wildtiere, wie Igel, gibt es keinen Zuschuss von Stadt und Kommunen. Auch hier kommen schnell 1000 bis 2000 Euro im Monat zusammen.

Was die Finanzen des Vereins zusätzlich belastet: der aktuelle Mitgliederschwund. Den jährlichen Mitgliedsbeitrag in Höhe von 30 Euro wollen immer wenige Leute bezahlen. Oftmals kommt keine Begründung, aber manchmal wir auch die Corona-Pandemie und der damit verbunden Arbeitsplatzverlust angegeben, was Gruber natürlich verstehen kann. Dennoch hofft sie neben Geldspenden für die Versorung der Tiere auch auf Futterspenden. Derzeit gebe es viele Hunde und Katzen, die aufgrund von Allergien Spezialfutter benötigen. Außerdem sucht das Tierheim derzeit dringend nach Fahrern für Transportfahrten. Weitere Infos gibt es unter 0 81 31/53610.

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