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Die Heilige Familie ist schon auf dem Rathausbalkon eingetroffen, obwohl es noch ein paar Tage bis zur Adventszeit sind.

Festtagsgefühle im Herbst

Dachauer ärgert sich: Jetzt schon Weihnachtskrippe auf Rathausbalkon

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Am Dachauer Rathaus ist offenbar schon Weihnachten. Seit Mitte Oktober hängt über dem Eingang eine Krippe mit der heiligen Familie. Wolfgang Müller aus Dachau ärgert sich darüber – und spricht von Kaufhausmentalität.

Dachau – Es ist ein frühherbstlicher Tag, das Thermometer zeigt am 21. Oktober fast 20 Grad. Wolfgang Müller flaniert durch die Dachauer Altstadt. Doch als er am Rathaus ankommt, traut er seinen Augen kaum. Über dem Eingang auf dem Rathausbalkon hängt schon das 24. Türchen des Dachauer Adventskalenders: Es ist eine hölzerne Krippe mit Maria, Josef und dem Jesukindlein – an diesem Herbsttag sind es noch 64 Tage bis Heilig Abend. Wolfgang Müller, 50, Fachlehrer für Rinderhaltung, ärgert sich: „Das ist doch Kaufhausmentalität, dass man die Krippe jetzt schon aufstellt.“

Seit September stehen Lebkuchen in den Supermarktregalen, Juweliere werben mit Weihnachtsangeboten – und nun auch noch die Krippe am Rathaus. Für Wolfgang Müller ist das eindeutig zu früh, über einen Monat, bevor das erste Türchen auf dem Dachauer Christkindlmarkt überhaupt geöffnet wird. „Jeder, der jetzt ins Rathaus marschiert, wird von der heiligen Familie begrüßt“, obwohl doch nun mit Allerheiligen und Allerseelen erst einmal eine Zeit der Trauer anstehe, kritisiert Müller.

Julia Schwarz von der Wirtschaftsförderung der Stadt sagt, dass die Krippe als letztes Türchen des Adventskalenders heuer nicht viel früher als in den vergangenen Jahren angebracht wurde: Meistens hing die Krippe ab Ende Oktober, dieses Jahr schon Mitte Oktober. Denn der Christkindlmarkt wurde um eine Woche vorverlegt. Die Adventszeit sei heuer mit drei Wochen extrem kurz, sagt Schwarz, der Dachauer Christkindlmarktverein wollte eine Verlängerung, die Stadt willigte ein.

Wolfgang Müller ärgert sich über die Krippe am Rathaus.

Somit müssen die Ständebetreiber früher aufbauen – davor muss allerdings der Adventskalender mit seinen 24 Türchen am alten und neuen Rathaus befestigt werden: Denn wenn die Verkäufer anfangen aufzubauen, könne man nicht mehr ans Rathaus hinfahren, sagt Schwarz.

Der Arbeitsbühnen-Betrieb Kölbl aus Altomünster versucht also zwischen Oktober und November die Türchen für den Kalender nach und nach anzubringen, bevor der Weihnachtsmarkt am 24. November beginnt. „Wir müssen uns da eben auch nach unseren externen Dienstleistern richten“, sagt Schwarz – und danach, wann die Firma für die Anbringung des Kalenders Zeit hat: „Das ist eben freie Marktwirtschaft.“ Da können die Dachauer ja froh sein, dass die Firma zumindest im Oktober und nicht schon im Juli dafür Zeit hat.  

Für Wolfgang Müller hängt die Krippe trotzdem zu früh: „Ist der Aufwand denn so groß, dass man die heilige Familie jetzt schon raufhieven muss?“, fragt er sich. Er war 12 Jahre lang Pfarrgemeinderatsvorsitzender in St. Jakob und ist stark mit der Kirche verbunden. Er will gegen die Krippe ab Mitte Oktober über dem Rathausbalkon kämpfen: „Wir müssen unsere Werte verteidigen.“ Denn Mitte Oktober seien wir von Glühwein, Schnee und Stille Nacht noch weit entfernt.

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