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Vor dem Dachauer Schöffengericht musste sich jetzt eine 30-Jährige verantworten. Sie hatte Betrügereien im großen Stil betrieben. 

Amtsgericht Dachau: Frau ergaunert 262 Handtaschen

Die Masche mit der Tasche

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Eine 30-jährige Kauffrau muss sich seit gestern wegen Betrugs und Datenfälschung vor dem Dachauer Schöffengericht verantworten. Die Frau hatte in gut sieben Monaten 262 Handtaschen online bestellt, ohne sie zu bezahlen. Als Helfer engagierte sie zwei Paketboten.

Die Firma Liebeskind preist ihre Handtaschen im Internet als „mondän“ und „absolute Hingucker“ an. Das dachte sich auch eine 30-jährige, gelernte Kauffrau und bestellte im Zeitraum von Ende Juli bis Anfang Dezember 2015 von Zuhause in Dachau aus online 262 der Liebeskindschen „Hingucker“ – ohne sie zu bezahlen.

Die Masche mit der Tasche funktionierte so: Sie legte zahlreiche Accounts an und ließ sich immer nur ein „mondänes“ Stück im Wert von 150 bis 320 Euro liefern, um einer Bonitätsprüfung zu entgehen und per Rechnung bezahlen zu können. Weiter erfand sie unzählige falsche Adressaten-Namen. Als Lieferadressen wählte sie zahlreiche Anwesen im Bezirk eines bestimmten Paketboten, etwa in Dachau, Bergkirchen oder Moosach. Später wurde auch der Nachfolger des Boten ihr Gehilfe. Sie verfolgte im Internet den Weg der Sendungen. Gelangte eine in den gewünschten Bezirk, machte sie mit den Boten einen Treffpunkt aus und holte die Taschen persönlich ab. Ihre Beutestücke veräußerte sie via eBay-Kleinanzeigen meist für 80 Euro das Stück. Zwei Kundinnen nahmen ihr gleich mehrere Taschen ab. Von jeder bekam sie insgesamt rund 13 000 Euro. Gegen die beiden Damen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Die Paketboten entlohnte sie mit jeweils 50 Euro.

Die Masche flog auf, als ein Aushilfsbote eines der Pakete übergeben sollte und stattdessen seinen Arbeitgeber verständigte. Bald ermittelten Polizei und Staatsanwaltschaft. Sie kamen der 30-Jährigen auf die Schliche, weil sie ihren richtigen Vornamen bei der Rubrik „Ersatzempfänger“ angegeben hatte.

Unter Tränen gestand die 30-Jährige gestern vor dem Dachauer Schöffengericht ihre Taten. Sie sei von ihrem damaligen Freund gezwungen worden, viel Geld für das tägliche Zusammensein aufzuwenden, obwohl sie 2015 nur Minijobs hatte. „Er hat mich behandelt, wie ein Dienstmädchen“, sagte sie. Wie viel sie mit dem Verkauf der Taschen kassiert habe, wisse sie nicht mehr. „Ich habe komplett den Überblick verloren.“ Als die Polizei im April 2016 eine Razzia bei ihr machte, habe sie ihr Freund auf der Stelle aus dem Haus geworfen. Nur ihre Kleidung habe sie mitnehmen dürfen.

Die beiden mitangeklagten Paketboten, 58 und 60 Jahre alt und seit sechs beziehungsweise 16 Jahren als Zusteller tätig, redeten sich vor Gericht heraus. Sie hätten die „Identifikationsnummer“ der 30-Jährigen überprüft, das habe für sie genügt, trotz der vielen verschiedenen Namen und Adressen. Ein Vorgehen, das keineswegs korrekt sei, wie ein Sicherheitsmitarbeiter des Paketdienstes als Zeuge bestätigte.

Während der Hauptverhandlung kamen weitere erstaunliche Details des Falles ans Licht. Der Sicherheitsmitarbeiter sagte aus, dass Liebeskind bis heute keinerlei eigene Recherchen zu diesem Fall angestellt habe, obwohl dem Unternehmen ein Schaden von fast 60 000 Euro entstanden ist. Weiter wurde bekannt, dass die Angeklagte im Februar vom Amtsgericht München zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt wurde – wegen der exakt gleichen Betrugsmasche; allesamt Taten vor Juli 2015. Zu Schlechterletzt machte die Angeklagte munter weiter, nachdem der Paketdienst im Dezember 2015 nicht mehr liefern wollte. Sie wechselte zu einem anderen und orderte dort Taschen, diesmal von Zalando und Engelhorn.

Der Prozess dauert an.

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