Streit nach Skiurlaub

Mann verprügelt seine Partnerin auf A8-Standstreifen - Tochter muss alles mitansehen

Ein 47-Jähriger soll, während er seinen SUV über die A8 lenkte, seiner Freundin (46) auf dem Beifahrersitz ins Gesicht geschlagen haben. Nun stand er vor Gericht.

Dachau – Der 47-Jährige, Geschäftsführer einer Treuchtlinger Plexiglasfertigung, hörte der Anklageverlesung ruhig zu: Am 11. April letzten Jahres war er mit seiner Freundin, einer Nürnbergerin, auf dem Rückweg aus einem gemeinsamen Urlaub in Kitzbühel, die 17 Monate alte Tochter der beiden auf dem Rücksitz. Auf der A8 bei Bergkirchen, kurz vor dem Rastplatz Fuchsberg, sei es dann zum Streit gekommen, im Zuge dessen er seiner Freundin ins Gesicht geschlagen haben soll. 

Als diese versuchte, die Polizei anzurufen, sei er rechts rangefahren, habe sie in den Schwitzkasten genommen und mehrmals auf den Kopf geschlagen, um das zu verhindern – ein ärztliches Attest bestätigte mehrere Hämatome, Abschürfungen und eine Gehirnerschütterung. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautete deshalb: vorsätzliche Körperverletzung und Nötigung, zu ahnden mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren.

Angeklagter hat andere Version der Geschichte

Der 47-jährige Franke präsentierte aber eine gänzlich andere Version der Geschichte: Demnach habe die 46-jährige Nürnbergerin während der Rückfahrt permanent auf dem Handy herumgetippt und nicht mit ihm gesprochen. Das habe ihn wütend gemacht, worauf er ihr provokant anbot, sie nach München zu ihrem Ex-Freund zu fahren. „Dann ist sie ausgeflippt und hat gesagt, sie würde mir ins Lenkrad greifen“, so der Angeklagte. Das habe die 46-Jährige dann auch versucht – „bei 120 Stundenkilometern auf der dreispurigen A 8!“

Um einen Unfall zu verhindern, habe er sie mit dem Arm zurück auf ihren Sitz gedrückt – fest, natürlich, aus Angst um Leib und Leben der drei. „Wo genau ich sie erwischt hab, weiß ich nicht, ich musste doch auf den Verkehr achten.“

Währenddessen wählte seine Freundin den Notruf – daran habe er sie aber nicht gehindert, sondern der Polizei vielmehr gesagt, wo genau man sich gerade befinde. Kurz darauf sei der Treuchtlinger auf den Standstreifen und anschließend auf den Parkplatz Fuchsberg gefahren - wo schließlich auch die Polizei eintraf.

„Wer von Ihnen hat gelogen?“

Die Nürnbergerin dagegen wiederholte im Zeugenstand ihre Aussage, die sie bei der Polizei gemacht hatte. Woraufhin Richter Christian Calame sich die Frage stellen musste: „Wer von Ihnen hat gelogen?“

Die Antwort für ihn war eindeutig: Es sei wenig glaubwürdig, dass die Zeugin versucht hätte, das Lenkrad zu verreißen, wenn ihr Baby auf dem Rücksitz saß. Außerdem seien ihre Verletzungen, unter anderem die Gehirnerschütterung, nicht durch ungezielte Abwehrschläge mit einer Hand zu erklären. Deshalb verurteilte er den Treuchtlinger zu einer Geldstrafe in Höhe von 4950 Euro und einem vierwöchigen Fahrverbot.

mas

Rubriklistenbild: © Pixabay.com/Sauerlaender

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