Amtsgericht Dachau

Räuberische Erpressung: Firmenchef verurteilt

Dachau – „Das Spiel beginnt von vorne“, entgegnete Richter Lukas Neubeck dem Angeklagten. Ein 28-jähriger Dachauer musste sich erneut vor dem Amtsgericht wegen zweifacher räuberischer Erpressung verantworten. Weil eine Urkundenfälschung hinzukam, war der erste Prozess unterbrochen worden. Für alles zusammen erhielt der Angeklagte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung.

Der 28-Jährige soll laut Anklage im Sommer vergangenen Jahres von einem „guten Freund“ 700 Euro geliehen, aber nur 300 Euro zurückgezahlt haben. Statt die ausstehenden 400 Euro zu bezahlen, überreichte der Angeklagte seinem „guten Freund“ einen Zettel, auf dem dieser mit seiner Unterschrift zustimmen sollte, auf das restliche Geld zu verzichten. Um seinem Ansinnen Nachdruck zu verleihen, stieß der Angeklagte Drohungen aus wie: Der „gute Freund“ werde bald „keine Knochen mehr haben“.

Außerdem lauerte der Angeklagte – begleitet von mehreren guten Bekannten im Schlepptau – seinem Opfer vor dessen Arbeitsplatz, der Bar „Churasco“ in Karlsfeld, auf und soll diesmal gedroht haben: „Deine Frau kann jedes einzelne Messer aus Deinem Körper ziehen“. Die umstehenden Bekannten sollen dabei Messer gezogen haben. Als das Opfer den Notruf wählen wollte, bekam es zu hören, dass es nicht mehr lange leben werde, sollte es zum Hörer greifen.

Die Anklage führte noch einen weiteren Fall von räuberischer Erpressung auf. Auch hier drohte der Angeklagte einem Freund. Wenn dieser ihm keine 500 Euro leihe, so der 28-Jährige, werde er „kommen und Deine Familie töten“.

Noch „kriminellere Energie“ legte der Angeklagte laut Richter Neubeck bei der Urkundenfälschung an den Tag: Drei Mal setzte er einen gefälschten Dekra-Stempel auf die Fahrzeugbriefe dreier Autos, um den Fahrzeughaltern eine Untersuchung beim TÜV zu ersparen.

Der angeklagte Dachauer zeigte sich kooperativ und legte ein Geständnis ab. Er ließ über seinen Rechtsanwalt Bernhard Braunger wissen, dass er vor allem aus Geldnot gehandelt habe. „Gerade zu Beginn war es für ihn schwierig, mit der Firma Geld zu verdienen“, erklärte Rechtsanwalt Braunger. Darüber hinaus habe der Angeklagte auch noch einen Kredit über 25 000 Euro abzubezahlen.

Fast alle Anklagepunkte seien „leider richtig“. An die Messer könne sich der Angeklagte jedoch „nicht zuverlässig erinnern“. Zu den bedrohten Geschädigten habe der Angeklagte aber wieder ein gutes Verhältnis: Der 28-Jährige habe sich entschuldigt und die restlichen 400 Euro der Leihgabe an den Freund zurückgezahlt. Der andere Geschädigte arbeitet laut dem Angeklagten mittlerweile sogar in dessen KfZ-Pflege-Firma.

Mehr noch als diese Schadenswiedergutmachung rechnete das Gericht dem Angeklagten an, dass er durch sein Geständnis insgesamt elf Zeugen die Aussage erspart habe. Neben der Bewährungsstrafe muss der Angeklagte eine Geldbuße in Höhe von 1200 Euro an die Brücke Dachau entrichten.

Maximilian Pichlmeier

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mann (26) raucht am Arbeitsplatz Cannabis und pustet Kollegin Rauch ins Gesicht - plötzlich droht ihr eine Strafe
Ein 26-jähriger Mann rauchte am Arbeitsplatz Cannabis - und blies seiner Kollegin den Rauch ins Gesicht. Der Vorfall nahm aber ein anderes Ende, als wohl erwartet.
Mann (26) raucht am Arbeitsplatz Cannabis und pustet Kollegin Rauch ins Gesicht - plötzlich droht ihr eine Strafe
Dachau: Neubau des Pfarrzentrums wird verschoben
Vorerst gibt es kein neues Pfarrzentrum in Dachau-Süd. Gesunkene Steuereinnahmen und Corona sind die Gründe
Dachau: Neubau des Pfarrzentrums wird verschoben
Die Nebenjobs der Volksvertreter
Vor einem halben Jahr tobte der Wahlkampf durch die Region, Tausende Bewerber kandidierten um Ämter als Landrat, Bürgermeister sowie Stadt- und Gemeinderäte. Gut bezahlt …
Die Nebenjobs der Volksvertreter
Klärschlamm in die GfA
Andere Gemeinden haben es vorgemacht, jetzt zieht Altomünster nach: Auch die Marktgemeinde will den Klärschlamm in der GfA entsorgen.
Klärschlamm in die GfA

Kommentare