Amtsgericht Dachau

Unschönes Wiedersehen

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Es braucht Mut, wenn man als Frau gegen seinen gewalttätigen Ex-Partner vor Gericht zieht. Eine 19-Jährige musste diese Erfahrung nun in Dachau machen. In der Verhandlung wurde mit harten Bandagen gekämpft, dennoch bekam die Frau am Ende Recht. Ein hartes Urteil fällte der Richter aber auch über die Ermittlungsarbeit der Polizei.

Dachau – Er trank zu viel, hatte Wutanfälle und nebenbei noch reihenweise Dates mit anderen Frauen: Kein Wunder, dass eine 19-Jährige aus dem Landkreis Dachau ihren sechs Jahre älteren Freund nach kurzer Beziehung verließ. Das Problem: Der junge Mann, der sich zwar schnell mit einer neuen Freundin über die Trennung hinwegtröstete, stellte seiner Ex nach. Er lauerte ihr im Garten ihres Elternhauses auf – und beging dort sogar eine massive Sachbeschädigung am Motorrad des Vaters – und schrieb ihr zahlreiche Nachrichten. Die junge Frau wandte sich daher in ihrer Not an die Polizei – die sich aber nur bedingt als Freundin und Helferin erweisen sollte.

Denn, das gab auch die ermittelnde Beamtin im Zeugenstand zu: „Sie wollte einfach nur ihre Ruhe. Sie war hilflos und verzweifelt.“ Ihr sei es einfach nur um die Nachstellungen gegangen, so die Polizistin. „Eine Anzeige wegen Körperverletzung wollte sie explizit nicht.“

Die Beamtin begann trotzdem ein Verfahren gegen den Ex-Partner einzuleiten, wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung. In den Polizeiakten wurde vermerkt, dass der 25-Jährige, als die Beziehung schon kriselte, ein Glas nach seiner Freundin geworfen und sie die Treppe hinuntergeschubst haben soll. Dass die junge Frau dies so nie formuliert hatte, gab die Polizistin vor Gericht zu: „Man musste ihr alles aus der Nase ziehen, sie hat das alles sehr vage dargestellt.“ Der Text im Vernehmungsprotokoll „waren meine Worte“, so die Polizistin.

Genau wegen dieser Worte aber stand der 25-Jährige nun vor Gericht, mit einem Anwalt an der Seite, der die 19-Jährige im Zeugenstand aggressiv befragte. Auch der Staatsanwalt grillte die (mittlerweile) alleinerziehende Mutter, die am Ende – unter Tränen – zugab, dass die Anklage gegen den 25-Jährigen in der Form falsch sei.

Tatsächlich hatte der Angeklagte seine Ex-Freundin nicht die Treppe hinuntergestoßen, sondern nur gepackt und in Richtung Treppe gezerrt. Die junge Frau konnte sich aber am Geländer festhalten und damit Schlimmeres verhindern. Und auch das Glas warf er nicht gegen seine damalige Freundin, sondern pfefferte es nur wutentbrannt auf den Boden; umherfliegende Splitter aber verletzten die 19-Jährige sehr wohl.

Sehr zum Leidwesen seines Anwalts zeigte der 25-Jährige im Übrigen nicht die Spur einer Einsicht. Nicht einmal die wesentlich abgeschwächten Vorwürfe wollte er zugeben, im Gegenteil! Sie habe ihn betrogen, sie habe ihm „eine geschmiert“, sie habe ihm nachgestellt und fester angepackt habe er sie „nur beim Sex“.

Der Staatsanwalt fand daher, die Aussage der jungen Frau sei „konsistent, glaubwürdig und piccobello“ gewesen. Richter Tobias Bauer glaubte ebenfalls die Version der jungen Frau. Es gebe keine Anhaltspunkte, „dass sie sich was ausgedacht hat, um ihm was ans Bein zu binden“. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung muss der Angeklagte nun 3600 Euro Geldstrafe zahlen.

Doch auch über die Arbeit der Dachauer Polizei fällte der Richter ein hartes Urteil. „Es liegt mir schon schwer im Magen, wie da ermittelt wird“, so Bauer. Dass die Beamtin „einfach irgendwas ins Protokoll reinschreibt“, verursache ihm Bauchschmerzen.

Die Frau „wollte einfach nur ihre Ruhe“. Stattdessen musste sie sich zwei Stunden lang bohrenden und demütigenden Fragen stellen – zu einer Beziehung, die sie noch heute mit einer Therapeutin aufzuarbeiten versucht.

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