Zwei Häuser links und rechts am Straßenrand, dazwischen eine Gasse. Am Rand parken Autos.
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Durch diese Gasse rasen Autofahrer regelmäßig, bevorzugt zu nächtlicher Stunde.

An Schlaf ist nicht zu denken

Treffpunkt Schlossplatz: Poser-Szene stört die nächtliche Ruhe - den Anwohner reichts

Driftende Autos mit quietschenden Reifen und laute Musik – von nächtlicher Ruhe kann auf dem Schlossplatz in Dachau immer häufiger nicht die Rede sein. Den Anwohnern reicht’s.

  • Der Schlossplatz in Dachau etabliert sich immer mehr in der Poser-Szene.
  • Die Autofahrer der Szene treffen sich dort und rasen dazu den Schlossberg hinauf.
  • Die Anwohner können deshalb kaum noch schlafen.

Dachau – Die Poser-Szene scheint sich wieder heftiger in Dachau zu etablieren. Insbesondere Anwohner der Kloster- und der Schloßstraße in der Dachauer Altstadt haben schon seit Langem die Nase voll von der nächtlichen Raserei. Der Platz vor dem Dachauer Schloss ist dabei offenbar das Lieblingsziel der einschlägigen Autoszene.

Am vergangenen Freitag hatte Anwohner Frank Teister und seine Mitstreiter eine Demonstration organisiert, um die Dachauer für das Thema zu sensibilisieren. Mit einer „Straßenblockade“ wollten die 40 Teilnehmer zeigen, wie brisant die Situation in der Altstadt, vor allem an der Auffahrt zum Schloss, seit Jahren ist.

Markus Erhorn unterschrieb die Petition ebenfalls

Eine Blockade gab es dann nach Auskunft der Polizeiinspektion Dachau zwar nicht, aber die Demonstranten kamen mit etlichen Autofahrern, Fußgängern – und Besuchern des Barockpicknicks – ins Gespräch. Viele davon unterzeichneten dann spontan die Petition „Sperrung Klosterstraße und Schloßstraße Dachau ab 23 Uhr“, die Frank Teister mit ins Leben gerufen hat. Auch Stadtrat Markus Erhorn unterschrieb an dem Abend und versprach, sich weiter für die Belange der Anwohner einzusetzen.

Die Polizeibeamten sicherten die Demonstration ab, die vom Ordnungsamt genehmigt worden war. Die Präsenz der Ordnungshüter schreckte wohl auch die Poserszene – dem Vernehmen nach überwiegend aus dem Raum München – ab, denn an besagtem Abend war es außergewöhnlich ruhig. Die Demo hatte sich wohl in den sozialen Netzwerken rumgesprochen.

Spontan unterschrieben viele die Online-Petition „Sperrung Klosterstraße und Schloßstraße Dachau ab 23 Uhr“.

„Wir wohnen seit fünf Jahren in Dachau, aber seit zwei Jahren ist es extrem“, klagt Frank Teister, der mit Frau und zwei Kindern im Wohngebäude der ehemaligen Schlossbergbrauerei lebt, nachdem er lange nach einer Wohnung in der Altstadt gesucht hat. Teister ist selbstständiger Schreinermeister mit eigener Werkstatt in Karlsfeld. Seine Frau ist Dachauerin, und die Familie liebt den Flair der Altstadt und wohnt dort sehr gerne.

Alles könnte so schön sein, wenn es die nächtlichen Ruhestörungen durch Raser nicht gäbe. „Im Minutentakt rasen zehn Autos hoch“, schildert Teister die Situation. Seine kleine Tochter habe sogar schon „Angst vor lauten Autos“, so der 41-jährige Familienvater besorgt.

Poller stellen für Poser-Szene kein Hindernis dar

Die installierten Poller hätte man seiner Meinung nach weiter unten installieren müssen, nicht erst auf Höhe der Hexengasse. Und diese Absperrung stelle für die Poser-Szene auch kein Hindernis dar. Ab 23 Uhr kann man eigentlich nicht mehr zum Schlossplatz hochfahren, nur Anlieger sind frei, die die Schranke mittels Karte öffnen können.

Doch die Poser haben einen Trick gefunden, wie sie das Verbot umgehen können: ein Kumpel fährt von oben runter – denn abfahren kann man natürlich nach wie vor jederzeit – dadurch senken sich die Poller für etwa 30 Sekunden. In dieser Zeit rasen etliche Autos nach oben durch – so geht das die Nacht über dann weiter.

Mit den Autos wird gedriftet

Es wird mit den Autos „gedriftet“, es wird gefeiert, getrunken, laut Musik gehört – ein Albtraum für die Anwohner der Kloster- und Schlossgasse. Oft spielt sich das Ganze auch vor den Pollern ab, also unmittelbar vor dem Wohngebäude und nicht nur am Schlossplatz. Sogar Drogen sollen im Spiel sein: Laut Teister seien Spritzen gefunden worden.

Ein „Schwerpunkt der Drogenszene“ ist der Schlossplatz laut Polizeiinspektion Dachau zwar nicht. Sehr wohl bekannt ist den Beamten aber die nächtliche Raserei. „Das ist für die Anwohner mit Belästigung verbunden“, weiß 1. Polizeihauptkommissar Björn Scheid. Die Kollegen versuchten natürlich zu kommen, wenn Anwohner anriefen. Aufgrund des hohen Einsatzaufkommens an Freitagen und Samstagen sei dies aber nicht immer zeitnah möglich, räumt Scheid ein.

Initiator wünscht sich ein energischeres Vorgehen

Auch Schwerpunktaktionen mit Kontrollen und Geschwindigkeitsmessungen führt die Dachauer Polizei regelmäßig durch. Zu wenig, findet Frank Teister, der sich energischeres Vorgehen der Polizeiinspektion gegen die Raser wünscht. „In anderen Städten geht’s, aber Dachau schafft’s nicht“, kritisiert der Mit-Initiator der Online-Petition.

Sehr wohl fühlt er sich aber von Stadt und Polizei ernst genommen. Bei einem Ortstermin Anfang Juni mit rund 20 Anwohnern, Oberbürgermeister, Ordnungsamt und Polizei sei über die Problematik gesprochen worden. Nur passiert sei bisher noch nichts, so Teister, der sich für eine Schranke gleich zu Beginn der Straße ausspricht.

Ordnungsamt nimmt die Probleme der Anwohner sehr ernst

Darüber wird jetzt unter anderem in der nächsten Ausschusssitzung diskutiert, verspricht Hauptamtsleiter Josef Hermann. Das Ordnungsamt nehme die Probleme der Anwohner sehr ernst und will Abhilfe schaffen. „Das ist eine Belästigung und Belastung für die Anwohner“, weiß Hermann. Die Stadt habe bereits Maßnahmen ergriffen, beispielsweise eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 10 km/h und regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen, auch abends und nachts.

Auch das Problem, dass die Poserszene die Poller mit oben beschriebenen Trick umgeht, ist dem Ordnungsamt bekannt. Stadt, Polizei und Anwohner haben ein gemeinsames Ziel: die Poserszene loszuwerden.

Simone Wester

Infos zur Petition

Die Online-Petition
findet man hier unter openpetition.de

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