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Die alte Lärmschutzwand entlang der S-Bahn wurde an der Anton Burgmaier-Straße in Etzenhausen schon abgebaut. Die Betonteile werden vor Ort zertrümmert – das kann Anwohner Karl-Heinz Hertha nicht verstehen.

Sanierung der Lärmschutzwände in Dachau

Die Anwohner an der Bahntrasse sind lärmgeplagt

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Die Anwohner der Bahntrasse in Dachau sind zur Zeit geplagt – von Lärm, Staub und Schmutz. Bis Mitte November wird die Sanierung der Lärmschutzwände im Stadtgebiet Dachau noch dauern. Doch danach wird alles besser.

Dachau– Karl-Heinz Hertha steht am Bahndamm an der Anton-Burgmaier-Straße in Etzenhausen und schüttelt den Kopf. Ein Bagger mit Hydraulikmeißel hat die vergangenen Tage die alten Betonwände vor Ort zertrümmert. „Der Boden bebt, und man meint, der steht im Garten und hämmert am Haus los“, sagt der Dachauer Musiker, der direkt an der Bahn wohnt. Auch die Dreck- und Staubbelastung sei enorm.

Am 10. Juli hat die Bahn mit der Sanierung der Lärmschutzwände begonnen. Im Zuge des Ausbaus der Bahnstrecke durchs Dachauer Land im Jahr 2005 war die Lärmschutzwand hochgezogen worden. Sie besteht aus Stahlpfosten mit Führungsschienen, in die fünf Meter lange und 2,50 bis 4,50 Meter hohe Betonelemente eingeschoben waren. Doch diese Betonplatten halten dem schnellen ICE-Verkehr nicht mehr stand. Immer mehr Teile beginnen zu wackeln. Deshalb werden sie entlang der Strecke zwischen Allach und Petershausen ausgetauscht: gegen neue aus Aluminium.

Die Arbeiten dauern voraussichtlich im Stadtgebiet Dachau bis Mitte November 2017, wie ein Sprecher der Bahn mitteilte. Die Arbeitsschritte werden als Wanderbaustelle durchgeführt, darum seien die Anwohner immer nur wenige Tage vom Lärm betroffen, „dafür aber mehrmals in den vier Monaten“, so der Bahnsprecher.

Karl-Heinz Hertha jedenfalls ist schon nach wenigen Tagen bedient. Und der 81-Jährige versteht nicht, dass man die Anlieger „damit belastet“: „Die alten Lärmschutzwände werden vor Ort von einem Bagger mit Hydraulikmeißel zerbröselt, da geht’s rund“, sagt Hertha. Bei den Arbeiten entstehen neben dem enormen Lärm wahnsinnig viel Dreck und Staub. „Normalerweise werden so große Betonteile abtransportiert und in einem Depot geschreddert.“

Der Abtransport der fünf Meter langen Betonplatten sei aber nicht möglich, erklärt der Bahnsprecher: „weil keine entsprechend großen Sattelschlepper vor Ort fahren können“. Deshalb werden die Platten zerschlagen. Doch laut Hertha wurden die Betonteile ja damals auch mit Tiefladern angeliefert – „und man könnte den Abtransport ja auch in kleineren Portionen machen.“

Jedenfalls finde das Schreddern der Betonteile nur tagsüber statt, „und nur an wenigen Tagen“, versichert der Bahnsprecher. Doch auch nachts wird gearbeitet: „Die Pause, wenn keine Züge fahren, nutzen wir.“ Von einem „Höllenlärm“ zwischen Mitternacht und den frühen Morgenstunden berichtet eine Anwohnerin der Frühlingstraße. An Schlafen sei nicht zu denken. Der Bahnsprecher erklärt, dass nachts die „nicht so lärmintensiven“ Arbeiten stattfinden, etwa der Abbau der alten Wände.

Viele Arbeiten werden über den Schienenweg abgewickelt, und vieles findet von Gleisseite statt. Dennoch können Straßen entlang der Lärmschutzwand, vor allem die Anton-Burgmaier-Straße und die Emmy-Lenbach-Straße, vom Baustellenverkehr betroffen sein. Der Fußweg entlang der Lärmschutzwand ist bis zum 16. September nachts abschnittsweise gesperrt, wie die Stadt mitteilte.

Was die Anwohner am Bahndamm der Anton-Burgmaier-Straße immer noch schmerzt: „Wir hatten fünf bis sechs Meter hohe Baumbestände am Bahndamm“, berichtet Hertha. „Und einige Anlieger haben auf Eigeninitiative den Ranken bepflanzt, mit Ahorn, Korkenzieher oder Hartriegel.“ Die Pflanzen wurden schon im Frühjahr abgeschnitten.

Der einzige Trost: Dass die neuen Lärmschutzwände noch effizienter sein sollen als die alten, berichtet Heinz Herta. Die neuen bestehen wieder aus Stahlpfosten, in die fünf Meter lange Aluminiumelemente eingeschoben werden – mehrere übereinander. Denn eines ist nur 50 Zentimeter hoch. Karl-Heinz Hertha: „Das merken wir jetzt, wo sie weg ist: wie effizient die Lärmschutzwand war.“

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