Umstrittene App „Dahoam in Dachau“

Ganz Dachau in der Hosentasche

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Die Stadt will sich, was ihre Aktivitäten im Bereich Onlinemarketing betrifft, besser aufstellen. Aus diesem Grund soll in den kommenden zwei Jahren die App „Dahoam in Dachau“ unterstützt werden.

Dachau – Einstimmig beschloss der Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats, sich an der von der Dachauer Unternehmerin Kirsten Hermes betreuten App für die Dauer von zwei Jahren zu beteiligen. Die Wirtschaftsförderung im Rathaus soll sich um die konkrete Umsetzung der Partnerschaft kümmern, nach einem Jahr soll es zudem eine Evaluierung der bisherigen Zusammenarbeit geben.

Darüber hinaus wird auch Geld fließen: Eine Anschubfinanzierung, die sich zwischen 2800 und 11 800 Euro bewegen dürfte, soll die App bekommen. CSU-Fraktionssprecher Florian Schiller sah in dieser befristeten, „kleinen Lösung“ einen „guten Ansatz“. Eine finanziell üppiger geförderte Partnerschaft dagegen lehnte er – ebenso wie Stadtrat Jürgen Seidl (FDP) – allerdings ab: Woanders würden derartige Apps schließlich nur „vor sich hindümpeln“. Wenn daher nach zwei Jahren absehbar sei, dass auch der Dachauer Einzelhandel kein Interesse an derartigen Marketing-Instrumenten habe, „macht es keinen Sinn, da noch weiter Geld zu investieren“.

Tatsächlich ist es nämlich so, dass im November 2017 eine Infoveranstaltung im Thomahaus zum Thema Online-Strategien für Einzelhändler angeboten wurde. Die Resonanz: erschütternd gering, keine zehn Besucher zählte die Veranstaltung.

Das grundsätzliche Problem an der App „Dahoam in Dachau“ scheint nämlich bislang zu sein: Für Privatpersonen ist die App kostenlos, Gewerbetreibende dagegen müssen für einen Eintrag zahlen. Die Nutzer erhalten mit der Handy-App laut Eigenwerbung zwar Informationen über Veranstaltungen, Kultur und Gewerbe, man habe praktisch „die ganze Stadt in der Hosentasche“. Bislang allerdings sind nur 80 Firmen in der App gelistet – und zwar mit einem reinen Grundeintrag, ohne jede Funktionalität.

Negativ-Beispiele sind laut Wirtschaftsförderung zudem Städte wie Wuppertal oder Günzburg. Dort gibt es ähnliche Portale, mit ähnlich wenig Erfolg. Das mit einem Gesamtetat von über 500 000 Euro großzügig subventionierte Angebot „Online City Wuppertal“ habe bei einer Einwohnerzahl von 350 000 Menschen nur 70 Einträge von Gewerbetreibenden – und eine Aufwärtsentwicklung sei „nicht sichtbar“.

Noch aufwändiger wird „Wir in Günzburg“ betrieben: Nach über 15 Monaten des Betriebs habe das Portal keine zehn Händler dazugewinnen können; die laufenden Kosten von mehr als 50 000 Euro pro Jahr werden unter anderem dadurch verursacht, dass es sogar eine mit zehn Wochenstunden besetzte „Kümmerer-Stelle“ im Günzburger Rathaus gibt.

Das Fazit der Wirtschaftsförderung ist daher eindeutig: „Der Erfolg eines derartigen Portals ist auch daran geknüpft, weitestgehend den gesamten Händlerbestand kostenfrei aufzulisten“. Die Stadträte im Ausschuss glauben dagegen an das für Einzelhändler kostenpflichtige „Dahoam in Dachau“. Eine „interessante Sache, zweifelsohne“, sei dies, so Jürgen Seidl. Stadträtin Sabine Geißler (Bündnis für Dachau) hofft, dass mit der Kooperation am Ende „beide Seiten profitieren“ mögen. Thomas Kreß (Grüne) regte noch an, dass die „hauseigene IT eventuelle Ergänzungen überprüfen möge“.

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