Grippewelle in Dachau

Viele Kranke, aber der Betrieb läuft noch

Zur Zeit grassiert in Bayern eine massive Grippewelle, das Robert-Koch-Institut vermeldete zuletzt 8500 neue Grippe-Fälle in der vergangenen Woche. Auch der Landkreis Dachau ist betroffen: Aktuell sind 369 Fälle gemeldet.

Dachau – Die Verkehrsbetriebe der Stadtwerke hat die Grippewelle laut Reinhard Dippold schwer erwischt: „Teilweise waren die letzten Tage zehn Fahrer krank, das entspricht einem Viertel unserer Belegschaft“, so der Verkehrsbetriebe-Leiter. Dass keine einzige Fahrt ausgefallen sei, „ist unseren Ersatzleuten zu verdanken, also hauptsächlich Rentnern, die sehr flexibel einspringen und den Betrieb am Laufen halten konnten. Da hatten wir großes Glück und sind den Helfern sehr dankbar.“

Auch das Horrorszenario von geschlossenen Kindergärten bleibt Dachauer Eltern bislang erspart: „In diesem Beruf ist das Erkrankungsrisiko naturgemäß höher, die Mitarbeiter sind entsprechend sensibilisiert und achten auf entsprechende Hygienemaßnahmen“, erklärt Jürgen Kuhr, stellvertretender Leiter des städtischen Sozialamts. Darum sei man vorbereitet und hätte auch Ersatzpersonal bei der Hand. Sorgen, dass einzelne Gruppen geschlossen bleiben müssten, macht Kuhr sich nicht: „Wenn viele Kinder krank sind, braucht man weniger Erzieher, das Betreuungsverhältnis bleibt also gewahrt.“

Viele der Kranken kommen bei Allgemeinmediziner Dr. Stefan Benzinger aus Dachau an: „In den letzten zwei Wochen hatte ich 80 Prozent mehr Patienten als letztes Jahr um diese Zeit.“ Die Grippe unterscheide sich vom grippalen Infekt zum einen im Erregervirus, zum anderen durch die Schwere der Krankheit: „Wenn jemand eine richtige Grippe hat, schreibe ich ihn auf jeden Fall krank, damit er sich in Ruhe erholen kann“, sagt Benzinger. Das Problem sei dieses Jahr, dass es zu wenig Impfungen gebe und dass noch dazu der falsche Impfstoff verabreicht worden sei: „Dieses Jahr wurde von den Kassen nur ein Wirkstoff gegen drei Erregerstämme eingekauft und verabreicht. Zur Zeit schlägt aber nur ein vierter Stamm zu, gegen den es eine Vierfach-Impfung zwar gäbe, aber die ist halt bedeutend teurer.“

Die Diskussion auf Kosten zu reduzieren und die Kassen zu verteufeln ist laut Benzinger aber ungerecht: „Die Weltgesundheitsorganisation erforscht jedes Jahr, welche Erreger in der kommenden Saison wohl durchschlagen werden. Anhand dieser Liste werden dann die Impfstoffe produziert. Heuer hatte aber niemand erwartet, dass dieser vierte Erreger so aggressiv auftritt.“

Trotzdem rät der Mediziner den Risikogruppen – das sind Senioren, Immunkranken und Schwangere – zur Impfung. Gerade die Impfungen von Schwangeren seien zwar nicht besonders populär, hätten aber einen guten Grund: Benzinger: „Eine Grippe in der Schwangerschaft kann zu schweren Komplikationen beim Kind führen. Da ist die relativ unkritische Impfung viel unproblematischer.“

Andere Erfahrungen hat die praktische Ärztin Dr. Aglaia Gietl aus Dachau gemacht: „Ich impfe viele meiner Patienten, die meisten mit dem Dreifach-Wirkstoff und der hat nur in zwei Fällen versagt.“ Wichtig sei am Ende die Unterscheidung zwischen Grippe und grippalem Infekt: „Gegen den grippalen Infekt gibt es nämlich keine Impfung.“

Sich jetzt noch impfen zu lassen findet Dr. Gietl nicht sinnvoll, denn die Impfung brauche etwa zehn Tage, bis sie wirke. Wichtig sei bei Erkrankung: Ruhe und gesunde Ernährung. Denn ohne Schonung könne sich der Infekt auf Herz und Lunge ausbreiten. 

Matthias Schneider

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