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Auch im Dachauer Krankenhaus ist heute ein Tag wie jeder andere – lediglich die Lichterkette weist darauf hin, dass eigentlich Weihnachten gefeiert wird.

Dienste an Heiligabend

Arbeiten, wenn alle anderen feiern

Dachau – Heiligabend: Das heißt besinnliche Zeit mit den Liebsten verbringen, Geschenke auspacken, gut essen und eventuell in die Kirche gehen. Heiligabend bedeutet für viele aber auch Bus fahren, im Laden verkaufen, Patienten versorgen, Streife fahren. Also: ein ganz normaler Arbeitstag.

Viele Dachauer können den Heiligabend nicht mit ihren Familien verbringen, sondern müssen ihrer Arbeit nach. Einer von ihnen ist Dr. Björn Mensing, Pfarrer in der Versöhnungskirche. Doch für ihn ist es ein entspanntes Weihnachten, wie er sagt. Er muss „nur“ zwei Gottesdienste am 24. Dezember abhalten. Früher waren es mal mehr, und er betont, dass viele seiner Kollegen drei Gottesdienste an Heiligabend leiten. Die Messen am 24. Dezember seien aber keine Belastung, sondern „eher ein Höhepunkt“ in seinem Arbeitsjahr. Vor allem auch wegen der an diesem Datum traditionell gut besuchten Gottesdiensten: „Es ist schon schönes Erlebnis vor einer voll besetzten Kirche den Gottesdienst abzuhalten.“

Nicht weniger gut besucht ist der Arbeitsort von Tobias Heitmeier an Heiligabend – auch wenn es dort wohl weniger christlich als in der Messe bei Björn Mensing zugehen wird. Der 23-Jährige arbeitet in der Roxibar in der Dachauer Altstadt, die ihre Tore am 24. Dezember ab 23 Uhr für alle Feierwütigen öffnet. Heitmeier hofft darauf, dass die Gäste in dieser besonderen Nacht großzügig sind und reichlich Trinkgeld geben – das am Ende unter allen Angestellten aufgeteilt wird. Dass er in der Christnacht arbeiten muss, ist für ihn kein Problem: „Ich muss erst um kurz vor Mitternacht ran und kann davor mit meiner Familie feiern.“ Andere, wie die Angestellten in Krankenhäusern, hätten es da viel schwerer, sagt er.

Stimmt – denn an Heiligabend die Besetzung in den Kliniken in Dachau und Indersdorf genauso wie an allen anderen Wochenenden im Jahr. Neben den Ärzten und der Pflege arbeiten auch alle anderen Berufsgruppen wie beispielsweise die Patientenaufnahme, die Information, die Reinigung, der Technische Dienst oder die Logistik. „Wir haben auch über die Feiertage kranke Patienten zu versorgen“, sagt der Ärztliche Direktor Prof. Horst-Günter Rau – „die natürlich auch lieber bei ihren Familien wären“. Wie jedes Jahr kommt er auch in diesem Jahr an Heiligabend zur Weihnachtsvisite ins Dachauer Klinikum, um den Patienten frohe Weihnachten zu wünschen.

Ein Samstag wie jeder andere auch wird es für die Bereitschaftspolizisten in Dachau. Doch noch dazu stehen sie in diesem Jahr wegen der jüngsten Ereignisse in Berlin unter noch größerer Belastung. Es müssen noch mehr Beamte als sonst in Bereitschaft Weihnachten feiern, zwar mit ihren Familien, aber auf Abruf. Viele sind auch ganz normal im Einsatz, bekommen aber immerhin ein kleines „Weihnachtspäckchen“ mit verschiedenen Leckereien, wie Uli Schmid, Pressesprecher der Bepo, erzählt.

Von großer Kollegialität unter den Angestellten der Stadtwerke weiß Reinhard Dippold, Leiter des Verkehrsbetriebs, zu berichten. Auch für die dort angestellten Busfahrer ist es ein Arbeitstag wie jeder andere – der Fahrplan ist unverändert zu anderen Samstagen im Jahr. „Mitarbeiter, die, zum Beispiel aus religiösen Gründen, kein Weihnachten feiern, tauschen dann mit ihren Kollegen“, erzählt Dippold.

Natürlich sind es noch viel mehr Berufsgruppen, die heute ganz normal ihren Dienst verrichten, etwa Feuerwehrler, THWler, Sanitäter, Apotheker – oder: Verkäufer. Dass auch sie heute noch arbeiten, kommt den kurzentschlossenen Geschenkekäufern entgegen. Einer von ihnen ist Pfarrer Mensing: „Es kann gut sein, dass ich am Vormittag des 24. noch Geschenke kaufen muss“, erzählt er lachend.

ahu

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