Auf einem Grundstück an der Mittermayerstraße

Ein neues Heim für Obdachlose

  • schließen

Dachau bekommt an der Mittermayerstraße eine neue Obdachlosenunterkunft mit elf Zimmern. Dies hat der Sozialausschuss des Stadtrats in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen.

Dachau – Dass Obdachlose „ganz normale Leute“ sind, wie Stadträtin Anke Drexler (SPD) betonte, und auch keine drogensüchtigen „Junkies“, wie Sabine Geißler (Bündnis für Dachau) anfügte, darin herrschte Einigkeit unter den Stadträten. Zudem, auch daran gab es einen keinen Zweifel im Familien- und Sozialausschuss, gibt es viele Menschen, die aus welchen Gründen auch immer kein Zuhause mehr haben, durchs soziale Netz gerutscht sind und auf dem freien Wohnungsmarkt keine Chance haben.

Für diese Menschen nun soll eine Unterkunft geschaffen werden. Und zwar möglichst schnell auf dem städtischen Grundstück an der Mittermayerstraße 33, Ecke Konrad-Adenauer-Straße. Auf Sozialwohnungen, die an der Stelle ebenfalls einmal angedacht waren, verzichteten die Stadträte dagegen.

Zum Vergleich: Eine durchschnittliche Sozialwohnung benötigt laut Verwaltung 75 Quadratmeter Fläche, ein Obdachlosenzimmer 20 Quadratmeter inklusive Nasszelle. Anstelle von fünf bis sieben Sozialwohnungen können an der Mittermayerstraße nun also elf Zimmer für Obdachlose gebaut werden.

Weitere mögliche, aber am Ende verworfene Standorte für eine Obdachlosenunterkunft waren städtische Grundstücke an der Geheimrat-Stoß-Straße sowie an der Wilhelm-Leibl-Straße. Den Ausschlag für das Areal an der Mittermayerstraße hatte letztlich die Tatsache gegeben, dass dort bereits Baurecht herrscht und das Projekt laut Stadtverwaltung „zügig umgesetzt werden kann“.

Verworfen wurde im Zuge der Diskussion dagegen der Ankauf von Bestandswohnungen, auf die die Stadt ein Vorkaufsrecht hat und in die man ebenfalls Obdachlose unterbringen könnte. Während SPD, Grüne und Bündnis sich dafür aussprachen, das Recht „auf keinen Fall aufzugeben“, weil „wir aus Kapazitätsgründen nicht genug bauen können“, sprach sich vor allem die CSU gegen die Nutzung dieses Vorkaufsrechts aus. „Wir schwimmen da auf zweierlei Weltmeeren“, meinte CSU-Stadtrat August Haas in diesem Punkt an seine Kollegin Sabine Geißler (Bündnis) gewandt. Durch die Ausübung des Vorkaufsrechts nehme die Stadt am „Verdrängungswettbewerb“ um günstige Wohnungen teil. Luise Krispenz (Grüne) hielt dem entgegen, dass man durch die Nutzung des Vorkaufsrecht „noch nie Leute auf die Straße gesetzt“ habe.

Um das Areal an der Mittermayerstraße langfristig auch anders – vorzugsweise für Sozialwohnungen – nutzen zu können, soll nach dem Wunsch der Ausschussmitglieder eine „entsprechende Bauweise“ gewählt werden. Dem Finanzausschuss empfahl das Gremium am Ende einstimmig, die entsprechenden Haushaltsmittel für den Bau des Heims für 2019 einzuplanen. Zudem soll Geld für die nötigen Betreuerstellen vorgesehen werden.

Wobei gerade das benötigte Personal dem Oberbürgermeister Sorgen bereitete. Denn: Das Rathaus ist voll. „Ich kann da niemanden mehr hinsetzen“, so Florian Hartmann. Eventuell müsste die Stadt bei weiteren Neueinstellungen überlegen, zusätzliche Räume anzumieten. 

Rubriklistenbild: © dpa / Paul Zinken

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Aus Biotopen werden Blühflächen
In der Flur rund um Tandern gibt es reichlich Biotopflächen, die im Rahmen der Flurbereinigung vor Jahrzehnten ausgewiesen wurden und teilweise miteinander vernetzt …
Aus Biotopen werden Blühflächen
Tote Tiere am Höllgraben?
Jetzt ist in Hebertshausen ein Streit darüber ausgebrochen, ob am Entwässerungsgraben Höllgraben der Artenschutz ernst genommen wird. Anlass sind Baggerarbeiten.
Tote Tiere am Höllgraben?
Kreisverkehr in Gada wird erneuert – Teilsperrung von 6. Mai bis Ende Juli
Der Kreisverkehr an der Anschlussstelle der B471 zum Gewerbegebiet Gada wird erneuert. Deshalb wird die Anschlussstelle ab  6. Mai abschnittsweise gesperrt.
Kreisverkehr in Gada wird erneuert – Teilsperrung von 6. Mai bis Ende Juli
Mit Rollator? „Nix Rollator!“
Hellwach und bewundernswert fit: Maria Ganslmair feiert in Karlsfeld ihren 100. Geburtstag.
Mit Rollator? „Nix Rollator!“

Kommentare