+
Höllisch aufpassen müssen Autofahrer, wenn sie in den Parkplatz Fuchsberg-Ost einbiegen. Allerorten stehen auf dem Areal Lastwagen.

Heiß begehrte Lkw-Stellplätze

Chaosparkplatz Fuchsberg-Ost

  • Thomas Zimmerly
    VonThomas Zimmerly
    schließen

Lkw-Parkplätze entlang der A 8 zwischen München und Augsburg sind heiß begehrt. Eines der umkämpftesten Reviere liegt im Landkreis Dachau: der Rastplatz Fuchsberg-Ost. Dort herrscht Chaos.

Fuchsberg – Für Fernfahrer Peter (54) gibt es auf seinen Touren quer durch Europa zwei Schreckgespenster: die Überschreitung seiner Lenkzeiten und die Furcht vor vollen Parkplätzen. Beides gehört für den Polen, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte, zwingend zusammen. Denn wenn er neun Stunden auf seinem „Bock“ gesessen hat, muss er seinen 40-Tonner anhalten. Bewegt er sich auf Autobahnen, muss er einen Parkplatz ansteuern.

„Bin ich in Deutschland nicht um 17 Uhr auf einem Parkplatz, habe ich kaum noch eine Chance“, sagt Peter, der von einem „regelrechten Krieg“ um die Stellplätze spricht. Eines der umkämpftesten Reviere, wenn es ums Parken ab dem späteren Nachmittag geht, befindet sich an der Autobahn 8 im Landkreis Dachau: der Parkplatz Fuchsberg-Ost zwischen den Anschlussstellen Dachau und Sulzemoos.

„Wir haben überall zu wenig Stellplätze. Die gravierendsten Probleme haben wir aber am Parkplatz Fuchsberg in Richtung Stuttgart“, sagt Hermann Wenzel, Geschäftsführer der Autobahnplus A8 GmbH, die den Abschnitt zwischen der Anschlussstelle Augsburg-West bis zum Autobahndreieck München-Allach betreut. Die Autobahnplus ist für die Rastanlage Augsburg-Ost sowie die Parkplätze Kirchholz-Süd, Adelzhauser Berg-Nord und -Süd sowie Fuchsberg-West und -Ost zuständig. Den Verkehrsteilnehmern stehen dort insgesamt 316 Parkplätze für Autos, 231 für Lastwagen, 30 für Busse sowie 21 Mischparkplätze zur Verfügung.

Lediglich 15 Lkw-Plätze hat das Areal Fuchsberg-Ost. Diese sind nachmittags rasch belegt. Das hat einige Gründe. So besteht etwa die letzte Parkmöglichkeit zuvor auf der Rastanlage Vaterstetten an der A 99, und die ist lange 45 Kilometer entfernt. Die Strecke über die A 99 zur A 8 ist überdies sehr staugefährdet. Beides führt dazu, dass viele Brummifahrer am Fuchsberg-Ost raus wollen oder wegen drohender Lenkzeitüberschreitung raus müssen. Einen weiteren Grund nennt Dr. Adolf Zobel, Vorstandsmitglied beim Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL): „Es gibt viele Lkw-Fahrer aus Osteuropa, die fahren übers Wochenende nicht heim.“ Und so bleiben deren Gefährte von Freitag bis Sonntag auf den Parkplätzen stehen.

Am Fuchsberg-Ost jedenfalls stehen fast täglich die Lastwagen dicht neben der Einfahrts- oder Ausfahrtsspur sowie auf Grünstreifen in der Anlage und blockieren dort die Durchfahrt. Nicht selten halten Lkw auch auf dem Standstreifen vor oder nach der Parkanlage an. Der ADAC hat den Fuchsberg-Ost 2018 getestet. Das Urteil des Verkehrsclubs: ausreichend. Aber: Es fehlen neben Stellplätzen auch die Beleuchtung sowie ein Notruf.

„Es gab schon Unfälle im Raum Fuchsberg-Ost“, weiß Wenzel, „aber die waren nicht so gravierend.“ Rund 60 Kilometer weiter auf der A 8 in Richtung Stuttgart, am Parkplatz Streitheimer Forst, kam es hingegen zu zwei schweren Zusammenstößen. So wurden im August 2017 zwei Menschen verletzt, als ein VW auf einen Laster prallte, der verbotener Weise auf der Ausfahrtsspur stand. Im November 2018 krachte es dort in ähnlicher Weise. Diesmal wurde ein 22-jähriger Autofahrer mittelschwer verletzt.

Die für die A 8 im Bereich des Dachauer Landes zuständige Verkehrspolizeiinspektion Fürstenfeldbruck verfährt nach dem Grundsatz: Kein Pardon, wenn ein Laster auf der Autobahn steht oder hineinragt, aber ein Auge zudrücken, wenn es sich um vertretbare Verstöße auf dem Rastplatz selbst handelt. „Wir versuchen die Durchfahrten frei zu machen oder den Lkw von der A 8 zu bringen“, sagt Volker Rast, stellvertretender Dienststellenleiter bei der VPI, „aber sobald wir zwei wegbekommen haben, kommen drei neue nach.“ Das Bußgeld bei Verstößen ist in Deutschland eher moderat. Steht der Brummi beispielsweise unerlaubt auf dem Standstreifen, werden 70 Euro fällig.

Es steht zu befürchten, dass Rast und seine Kollegen noch viele Knöllchen an Brummifahrer aushändigen müssen, denn eine Kapazitätserweiterung bei den Parkplätzen entlang der A 8 zwischen München und Augsburg ist nicht in Sicht. Zwar betreut die Autobahnplus die Strecke, für den Ausbau der Parkplätze ist aber der Bund, genauer die Autobahndirektion Südbayern, zuständig. „Wir haben keine Rechte zum Ausbau“, sagt Autobahnplus-Geschäftsführer Wenzel, „wir dürfen nicht einmal Fahrbahnmarkierungen ohne behördliche Genehmigung auftragen.“

Der Bund habe zwar Gelder zum Kauf von weiteren Flächen frei gemacht, ergänzt BGL-Vorstandsmitglied Zobel, der schätzt, dass deutschlandweit 35 000 bis 40 000 Lkw-Stellplätze fehlen. Doch „die Verwendung der Gelder für den Ausbau von Lkw-Parkplätzen stößt auf immer mehr Widerstand in der Bevölkerung. Die Meinung Parkplätze ja, aber bitte nicht bei uns, erleben wir oft“.

Fernfahrer Peter aus Polen sagt: „Ich fahre sehr gerne durch Deutschland. Aber die Suche nach einem Parkplatz ist in Spanien oder Frankreich viel entspannter.“ Dann klettert er wieder auf den „Bock“ seines Brummis. Peter ist zufrieden. Er hat für die Nacht einen Platz auf dem Grünstreifen, ein paar Meter nach der Einfahrt des Parkplatzes Fuchsberg-Ost, ergattert.

Das Landkreiswetter

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare