Seeber-Gelände

Bald ist hier Gewerbe dahoam

Dachau - Mehr Gewerbesteuer. So lautet wohl der größte Wunsch der meisten Dachauer Politiker – ergo: mehr Gewerbegebiete. Nun soll eines entstehen: Auf dem Seeber-Gelände. Doch wie das Gewerbe dort aussehen soll, darüber waren sich die Politiker nicht einig.

Es ist ein langer Prozess gewesen, das Gewerbegebiet „südlich des Schleißheimer Kanals“ aufzustellen. Das „Seeber-Gelände“, also das Areal des ehemaligen Feinpappenwerk Schuster liegt östlich der Anton-Huber-Straße und südlich der Schleißheimer Straße. Auf einem Teil des Gebiets stehen schon Gebäude – eben die Produktionsstätte der BR-Serie „Dahoam is Dahoam“. Schon 2006 hatte der Stadtrat beschlossen, dass dort ein Gewerbegebiet entstehen soll, es folgten Beteiligungsverfahren und Flächennutzungsplanverfahren, schließlich war alles bereit: seit 2012 steht der Flächennutzungsplan. Doch zu einem städtebaulichen Vertrag mit dem Eigentümer kam es nicht. Im November 2015 hat der Grundstücksbesitzer dann das Gebiet verkauft. Nun also, mit dem neuen Eigentümer und mit einem neuen Planungsbüro, scheint es zügiger voranzugehen mit den Planungen. Alles ist bereit für einen städtebaulichen Vertrag. In der Sitzung des Bauausschusses am Mittwochnachmittag wurden nun der Bebauungs- und Grünordnungsplan festgelegt.

Grundsätzlich sollen die alten Planungen bleiben: „Lansing“ soll bleiben, auch die geplanten Baufelder, die geplante Stichstraße längs durch das Gebiet und der breite öffentliche Grünzug entlang der Würm, den die Umweltreferentin Sabine Geißler (Bündnis für Dachau) ausdrücklich lobte: „Er gefällt mir ausnehmend gut, das wird ein großer Gewinn für Dachau-Ost.“ Und auch „Lansing“ soll dort bleiben. Dafür aber wird das Gebiet höher: Bisher waren 10 bis 13,5 Meter Gebäudehöhe geplant, nun sind es 12 bis 16 Meter. Außerdem soll laut Vorlage des Stadtbauamts der Bau einer Kindertagesstätte „ausnahmsweise“ ermöglicht werden. Mit diesen Veränderungen waren offenbar alle einverstanden.

Nicht aber mit anderen Vorschlägen des Eigentümers: Er will dort ein Hotel mit 150 Betten und ein Fitnessstudio ansiedeln – was in der Beschlussvorlage des Bauamts ausgeschlossen wurde. Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) aber wies darauf hin, dass in dem Bebauungsplan steht, dass ein „Hotel oder auch Fitnessstudio wünschenswert“ sei, „und wir wollen nicht nach Gutsherrenart alles umschmeißen“. Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) wirkte jedoch fast erzürnt über diese Aussage, und ließ einen regelrechten Vortrag folgen. „Die Flächen bei uns sind knapp“, erklärte er, „und deshalb sollten wir, wenn wir schon eine solche Fläche haben, wirklich versuchen, Firmen zu bekommen, die Gewerbesteuer zahlen.“ Als Negativ-Beispiel führte Hartmann den Wettersteinring an: Dort sind „Supermärkte, Restaurants, Fitnessstudios und Parkflächen entstanden, das sei „natürlich super“, aber: „Die Gewerbesteuern lassen zu wünschen übrig“, urteilte Hartmann.

Rainer Rösch (ÜB) Schloss sich dem Wunsch nach „produzierendem Gewerbe“ an, Günter Heinritz (SPD), verlangte gar auch ein Verbot von Einzelhandel – und von Gastronomie. Doch das Gewerbesteuer-Argument wollten nicht alle gelten lassen: Wolfgang Moll etwa hatte „Bauchweh“, Sportanlagen auszuschließen, denn auch die könne „ein Bringer sein“. Kai Kühnel (Bündnis für Dachau) argumentierte dagegen: Solche Branchen seien „meilenweit von den Genierungen anderer entfernt“.

Schließlich wurden alle Punkte einzeln abgestimmt, samt kleinem Chaos. Die knappe Mehrheit (8:7) stimmte für ein Hotel, allerdings nur erlaubt in einem Baufeld, das nordöstliche. Nach der Intervention des Planers, der darauf hinwies, dass er schon einen Interessenten für ein Hotel habe, allerdings auf dem Gebiet im Nordwesten, wurde dieser Beschluss noch einmal aufgehoben und neuabgestimmt diesmal waren nur noch 5 dagegen. Die übrigen Punkte liefen flüssiger ab: Gastronomie wird erlaubt, allerdings nur „für die Versorgung der im Gebiet arbeitenden Menschen“; Fitnessstudios werden nicht erlaubt, aber Einzelhandel bis zu 150 Quadratenmetern schon.

Nina Praun

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