Die Bayern laufen ein: Angeführt von Franz Beckenbauer traten die Münchner 1965 zu einem Testspiel beim ASV Dachau an. Hinter dem Kaiser sind unter anderem zu sehen: Sepp Maier, Hans-Georg Schwarzenbeck sowie die beiden Torjäger Rainer Ohlhauser und Gerd Müller.

Auf den Spuren der ersten Fußballer im Landkreis Dachau

Als das englische Spiel nach Dachau kam

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Der 15. April 1888 ist für den deutschen Fußball ein wichtiges Datum.Am morgigen Sonntag vor 130 Jahren wurde der erste Verein im Lande gegründet: der BFC Germania 1888 in Berlin. 24 Jahre später rollte auch in Dachau das runde Leder. Ein Blick zurück,wie beim TSV Dachau 1865 und ASV Dachaualles begann.

Dachau – Bevor man sich auf die Spuren des Fußballs in Dachau begeben kann, muss man den Hamburger Sportverein erwähnen. Der Dino der Bundesliga, der sich gerade anschickt, in die größte Blamage seiner Vereinsgeschichte zu schlittern, sprich in die zweite Liga abzusteigen, hatte bereits zum Bundesligastart 1963 eine deftige Watschn erhalten.


Hamburger SV

Der ASV Dachau in der Saison 1947/48: (von links) Kassier Karl Dengler, Anton Schwarz, Hans Bosch, Martin Müller, Alfred Lang, Arthur Seidl, Eduard Recht, Rudi Plodeck, Anton Kellerer, Georg Winkler, Toni Plodeck, Rudi Mayer, ein Betreuer und Sepp Helfer senior.

Die HSV-Oberen hatten damals beim Deutschen Fußballbund darauf gepocht, sich „Ältester Fußballverein Deutschlands“ nennen zu dürfen. Die Satzung des HSV weist 1887 als Gründungsjahr aus. Nur: Bei den Hanseaten wurde lediglich geturnt, nicht gekickt. Das kam erst später. Zu spät. „Is’ nich’, da jibt et noch diesen kleenen Berliner Verein“, sagte Heinz-Dietrich Kraschewski vor kurzem in einem Interview mit dem Westdeutschen Rundfunk. Kraschewski ist aktueller Vorsitzender des BFC Germania 1888 in Berlin. Bei diesem Klub drehte sich von Anfang alles nur um Fußball.

BFC Germania 1888

Am morgigen Sonntag ist es auf den Tag genau 130 Jahre her, dass die vier Brüder Paul, Max, Fritz und Walter Jestram den BFC Germania aus der Taufe hoben. Die Gebrüder Jestram und ihre Sportkameraden waren gute Kicker. Auf dem Tempelhofer Feld, dort, wo heute der Flughafen steht, dribbelten sie sich in der Saison 1903/04 als eines von acht Teams in die Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Einen Titelträger gab es indes nicht. Man konnte sich nicht auf einen neutralen Austragungsort einigen. Der BFC Germania 1888 rutschte bald in die Bedeutungslosigkeit ab und fristet heute ein tristes Dasein in der Berliner Kreisliga B (neunte Liga).

„Is’ nich’, da jibt et noch diesen kleenen Berliner Verein!“ Der heutige Vereins-Chef des BFC Germania 1888, Heinz-Dietrich Kraschewski, ist stolz darauf, dass sein Klub einst dem großen Hamburger Sportverein den Titel „Ältester Fußballverein Deutschlands“ weggeschnappt hat. fotos: TSV dachau-Chronik (2)/Sepp helfer junior (3)/ bfc germania

Von der Kreisliga sind die größten Dachauer Klubs, der TSV Dachau 1865 (Bayernliga) und der ASV Dachau (Landesliga), heute ein Stück weit entfernt. Doch auch sie haben einmal ganz bescheiden angefangen. 1912, als in beiden Klubs alles begann.

TSV Dachau 1865

Der Dachauer Josef Endter spielte als Student am Lehrergymnasium Pasing Fußball und wollte das Spiel 1912 auch in seiner Heimatstadt populär machen. Nur wie? Echte Männer turnten damals. Einer Lederkugel nachzurennen, war verpönt, einen eigenständigen Fußballverein zu gründen, unmöglich. Doch Endter ließ nicht locker und klopfte beim TV Dachau 1865 an. „Die meisten Turnräte waren konservativ und dem Fußballsport ablehnend eingestellt“, heißt es in der Chronik des Vereins, der damals noch nicht das „S“ für Sportverein im Namen führte. Doch Pionier Endter brachte zwei Turnräte (Ausschussmitglieder) auf seine Seite: Jakob Hartwig und Ludwig Ernst. Über Ernst ist in der Chronik zu lesen: „Er scheute klare Worte nicht und zeigte sich immer als gerader, offener Mensch. Er dürfte das Lebenselixier des Fußballsports in Dachau und der Fußball-Abteilung des TSV 1865 gewesen sein.“

Handschlag der Kapitäne: Anfang der 60er Jahre gastierte der TSV 1860 München um Peter Grosser (links) zu einem Freundschaftsspiel beim ASV, den Sepp Helfer junior aufs Feld führte. Schiedsrichter war der langjährige Dachauer Spielgruppenleiter Walter Birk.

Ernst wurde 1912 erster Abteilungsleiter und blieb es – mit einer zweijährigen Unterbrechung während des Ersten Weltkrieges – bis 1932. Unter seiner Ägide war der Fußball nicht mehr aufzuhalten. Über das Spiel an sich heißt es in der Chronik: „Diese neue Form von Leibesübungen, die sich immer deutlicher neben die deutsche Turnkunst zu stellen anschickte, war die Idee des Sportes, eine in England geprägte Form der Körperertüchtigung, die auf einer spielerischen und freudebetonten Zerstreuung als Ausgleich zur Arbeit und zur ernsten Lebensaufgabe beruht.“ Doch wo sollte diese „freudebetonte Zerstreuung“ geübt werden? Der Brauereibesitzer Eduard Ziegler kam zu Hilfe, stellte seine Steinmühlänger kostenlos zur Verfügung, und schon stand dem „Ausgleich zur Arbeit und zur ernsten Lebensaufgabe“ nichts mehr im Wege. Der Platz dort war der erste – und endgültige. Eine erste Blüte erlebte der TSV Dachau 1865 bereits 1917. Verstärkt von der „rheinpfälzischen Invasion“, genauer gesagt, zugereisten, fußballspielenden Arbeitern aus der Pulverfabrik Dachau, holte die Mannschaft die Meisterschaft des Bezirks München, vor 1860 und Bayern München! Doch die Pulverfabrik wurde 1919 dicht gemacht, viele talentierte „Gastarbeiter“ zogen fort. Dem geschwächten Team gelang es 1921/22 in die Bayernliga aufzusteigen und dort noch einmal auf die Sechziger und den FCB zu treffen. Doch nach nur einem Jahr stieg Dachau 65 wieder ab. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten kickte 1865 in verschiedenen Amateurliegen. Als beispielsweise 1962/63 die Bundesliga gegründet wurde, landeten die Dachauer in der Bezirksliga – nach der Bayernliga und der Landesliga die dritthöchste Liga bei den Amateuren.

ASV Dachau

Im 1908 gegründeten ASV Dachau wird wie beim TSV Dachau 1865 seit 1912 Fußball gespielt. Der Platz befand sich dort, wo heute die Georg-Scherer-Halle steht. Und in unmittelbarer Nähe wurde das Fußball-Häusl gebaut, in dem der Platzwart wohnte. Der ASV trug zunächst lediglich Freundschaftsbegegnungen gegen Teams aus dem Dachauer Hinterland aus. Man maß sich etwa mit Indersdorf, Vierkirchen oder Weichs. Ein Problem mit uneinsichtigen Turnern gab es beim ASV nicht. Ein anderes tauchte später auf und war wesentlich größer. Die Nationalsozialisten verboten den Fußballsport. Nur einen Schwimmverein durfte es in der Stadt geben. Doch in den SV Dachau wollten die ASV-Fußballer nicht eintreten. Die Folge: Die Abteilung löste sich 1933 auf.

Als die Nazis vertrieben waren und wieder Frieden im Land herrschte, trauten sich die Fußballer aus der Deckung. Ab dem 27. November 1945 rollte beim ASV Dachau wieder der Ball. „Auf einem Anwesen in Mitterndorf mit der Hausnummer 25 wurde ein Platz angemietet. Auch einen Platzwart, der Josef Gerhard hieß, gab es wieder“, weiß ASV-Chronist Josef Hoffmann zu berichten. Der Platzwart zog in das alte Fußball-Häusl ein, das noch stand. Die Kicker aber blieben fünf lange Jahre in Mitterndorf. Erst dann ging es wieder zurück auf das angestammte Gelände an der Gröbenrieder Straße. Sepp Helfer junior, 1945 ein Knirps von sieben Jahren und bis heute mit 318 Treffern Rekordtorschütze des ASV, erinnert sich an die Zeit der Wiedergründung: „Unser Verein hatte ein einziges Trainingsgerät: ein Kopfballpendel. Und wir hatten vier Bälle. Irgendeiner hat einen davon auf die Straße geschossen, wo er von einem Ami-Truck überrollt wurde.“ Ein herber Verlust zu dieser Zeit für den Verein.

Die erste Mannschaft des TSV Dachau 1865 im Jahr 1919: Sie spielte im Gau Oberbayern in einer Gruppe mit 1860 und Bayern München. Von links: Aschauer, Leibig, Fruth, Joos, Sonnenberger, Böswirth, Isemann, Bernbeck, Schierl, Scheid und Stützinger.

Über die Punktspiele nach dem Krieg gibt es kaum Aufzeichnungen. Sie sind unwiederbringlich verloren. Die Chroniken lagerten auf dem Speicher der ASV-Halle, die 1990 niederbrannte. Die bedeutendste Partie spielte sich am 17. November 1962 auf dem ASV-Platz ab. Im DFB-Pokal unterlagen die Dachauer, damals Viertligist, mit Sepp Helfer junior dem großen TSV 1860 München mit Meistertrainer Max Merkel erst 1:2 nach Verlängerung. HSV-Obere herhören: Die Löwen konnten eine Blamage gerade noch vermeiden.

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