Gasthaus Alte Liebe
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Schön, aber gefährdet: Bei extremem Hochwasser ist das Gasthaus Alte Liebe bislang nur schlecht geschützt. Ein Deich könnte den Bereich schützen und auch ein Weiterfließen des Wassers in Richtung Holzgartensiedlung verhindern. hab

Umwelt- und Verkehrsausschuss diskutiert über mehrere Varianten

Aufrüsten gegen das Extrem-Hochwasser

Um die von einem Amper-Hochwasser besonders gefährdeten Teile Dachaus – die Holzgartensiedlung und der Bereich Im Lus – besser schützen zu können, plant das Wasserwirtschaftsamt bauliche Maßnahmen – beispielsweise in Form von Deichen oder Damm-Umbauten. Die Untersuchungen laufen, aber erste Ergebnisse zeichnen sich ab.

Dachau – Seit 2018 untersucht, vermisst und kartiert das Münchner Planungsbüro EDR GmbH im Auftrag des Wasserwirtschaftsamts München die Amper zwischen Günding und Dachau. Ziel ist, den Wasserlauf anhand eines hydraulischen Modells besser zu verstehen und auch sogenannte ökologisch wertvolle Flächen in dem Bereich zu identifizieren.

Am Ende, so der Plan, sollen sich Bereiche herauskristallisieren, in denen sich Polderlösungen, Uferanpassungen oder Deichbauwerke ohne größere Eingriffe in die Natur realisieren lassen und die gleichzeitig die Bevölkerung bestmöglich vor extremen Hochwasserereignissen schützen. Bis zum Sommer sollen die Untersuchungen abgeschlossen sein; im Herbst will das Wasserwirtschaftsamt dem Stadtrat dann einen Vorschlag präsentieren, welche Maßnahme wo umgesetzt wird. Ein Planfeststellungsverfahren – inklusive einer Bürgerbeteiligung – wird den Prozess abschließen.

Auch wenn man heute also noch „über ungelegte Eier spricht“, wie Bauamtsleiter Moritz Reinhold es formulierte, hatte Stadtrat August Haas (CSU) vor knapp zehn Monaten darum gebeten, zumindest kürz über den Sachstand informiert zu werden – zu wichtig sei das Thema für die Bürger, als dass die Planungen drei Jahre lang allein in der Hand der Münchner Planer liegen sollten.

In der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses erstattete EDR-Ingenieur Knud Kramer daher Bericht. Und dabei zeigte sich, dass es sich bei den Maßnahmen um eine Gratwanderung handelt: zwischen dem bestmöglichen Schutz der Menschen auf der einen Seite und dem geringstmöglichen Eingriff in die Umwelt auf der anderen; und, nicht zu vergessen, das Ganze natürlich unter Beachtung der möglichen Kosten.

Was man laut Kramer schon heute weiß: Die Amper läuft bei extremem Hochwasser an der Gündinger Stauhaltung noch vorbei, tritt dann aber auf Höhe der Alten Liebe im Lus über die Ufer und fließt bis in die Holzgartensiedlung. Die Konsequenz daraus ist klar: Die betroffenen Gebiete Im Lus und Holzgartensiedlung müssen besser geschützt werden.

Dafür, so Kramer, würden aktuell nun zwei Varianten untersucht, die sich sowohl in der Größe des Eingriffs in die schützenswerte Natur, als auch in der Höhe der Kosten deutlich unterscheiden. Auch der Aufwand für den Unterhalt variiert stark.

Variante eins sieht einen Deich am westlichen Rand der Holzgartensiedlung vor. Diese Lösung hätte den Vorteil, dass die Natur im Bereich Im Lus intakt bliebe – aber gleichzeitig den Nachteil, dass die Häuser dort weiter ungeschützt blieben. Dies bedeute, dass man zusätzlich zum Deich um die Holzgartensiedlung im Lus „zusätzliche Objektschutzmaßnahmen“, etwa für die Gaststätte Alte Liebe, bräuchte. Was diese Variante so teuer macht: Der Deich vor der Holzgartensiedlung müsste 482 Meter lang sein und bräuchte, als Untergrundabdichtung quasi, eine Spundwand. Stadtrat Haas gab zudem zu bedenken, dass der Ascherbach, der die Siedlung im Westen begrenzt, „noch nie Hochwasser gehabt hat“.

Von Variante zwei wären wesentlich weniger Bürger direkt betroffen, da es sich hierbei um einen Deich Im Lus handeln würde. Dieser würde entweder im ökologisch schützenswerten Auwald direkt an der Amper angelegt oder – etwas weiter entfernt – auf einer landwirtschaftlichen Fläche. Neben dem kleineren baulichen Eingriff hat Variante zwei laut Kramer aber auch den Charme, wesentlich günstiger zu sein als die Holzgarten-Variante.

Stadtrat Haas, der selbst Im Lus lebt, bat darum, bei allem Hochwasser- und Umweltschutz die Folgekosten nicht aus dem Blick zu verlieren. Kramer versprach, „natürlich solche Bauwerke zu verwenden, die vom Unterhalt her günstig sind“. Deichbauwerke etwa ließen sich mit weit weniger Aufwand betreiben als technische Anlagen.

Auch wenn nun in den kommenden Wochen noch im Detail untersucht werden müsste, welche Variante wie umsetzbar ist, steht schon heute fest, dass es Maßnahmen für eine kleine Ewigkeit werden. „Wir planen nur für Ereignisse, die deutlich größer sind als HQ 100“, so Kramer. Mit anderen Worten: Man schützt sich vor extrem seltenen Hochwasserkatastrophen, die in mindestens 100 Jahren nur einmal vorkommen.

Fast genauso unwahrscheinlich wie ein derartiges Hochwasserereignis selbst dürfte aber auch die Begeisterung der Beteiligten sein, die Maßnahme zu zahlen. Stand heute müssen sich der Freistaat und die Stadt die Kosten teilen; diese variieren laut jetziger Schätzung zwischen 600 000 und 1,7 Millionen Euro. Da Dachau aber finanziell gerade – bildlich gesprochen – das Wasser bis zum Hals steht – werden die Bagger so schnell nicht anrollen...

Stefanie Zipfer

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