Altstadt Dachau
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In Dachau - hier die Altstadt - soll es bei den den alten Abstandsflächen bleiben

Die Novellierung der Bayerischen Bauordnung bereitet den Dachauer Stadträten Kopfzerbrechen

Aus Angst vor der Flachdach-Welle

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Ziel der am 1. Februar in Kraft tretenden Novellierung der Bayerischen Bauordnung ist es, durch eine Reduzierung der vorgeschriebenen Abstandsflächen mehr Baurecht auf eigenem Grundstück zu ermöglichen. Der Stadt Dachau geht dies jedoch zu weit. Im Verbund mit den meisten anderen Landkreisgemeinden wird sie die alten Maßgaben beibehalten.

Dachau – Die jemenitische Hauptstadt Sanaa gehört zum Weltkulturerbe und gilt als Juwel arabisch-orientalischer Architektur. Wie Lebkuchenhäuser sehen die viereckigen, dicht an dicht stehenden Gebäude in der Altstadt aus; dazwischen – in den engen, schattigen Gassen – drängen sich die Bewohner. „Stadt der prächtigen Turmhäuser“ wird Sanaa auch genannt.

Dass ausgerechnet dieser Traum aus 1001 Nacht, der angesichts des Bürgerkriegs dort aktuell eher ein Alptraum ist, ausgerechnet im Bauausschuss des Stadtrats zum Thema wurde, liegt an der Novellierung der Bayerischen Bauordnung. Wie berichtet, soll der veränderte Gesetzestext dazu führen, dass Bauen im Freistaat in Zukunft einfacher und schneller geht. Für Stadtrat Kai Kühnel (Bündnis für Dachau) führt die Neuregelung aber allenfalls zur „Orientalisierung Bayerns“. Dachau bekomme damit „ein Ortsbild wie Sanaa“.

So deutlich in ihrer Ablehnung der Novellierung wie Kühnel – der angesichts dieser „dilettantischen Katastrophe“ gleich noch den Rücktritt von Bayerns Bauministerin Kerstin Schreyer, einer gelernten Sozialpädagogin, forderte – waren die Stadträte der SPD, der Grünen, der Bürger für Dachau, der ÜB und der AfD zwar nicht. Aber auch sie waren am Ende der Meinung, dass vor allem die vom Ministerium geplante Reduzierung der Abstandsflächen zum Nachbargrundstück dem Stadtbild nicht gut tun würde. AfD-Stadtrat Markus Kellerer sprach von damit einhergehender „unkontrollierter Nachverdichtung“ und dass man doch bitte nicht „dem Nachbarn beim Essen auf den Teller schauen“ können sollte. Der Grüne Thomas Kreß sah in dem Regelwerk einen klaren „Nachteil für unsere klassischen Dachauer Häuser“. Mit dem neuen Baurecht „täten wir uns nix Gutes“.

Tatsächlich sollen nämlich künftig in Gemeinden unter 250 000 Einwohner die Abstandsflächen zum Nachbarn neu berechnet und reduziert werden. Statt einem „H“ wie bisher, gleichbedeutend mit einer Wandhöhe ohne Dach, will der Freistaat künftig bei privaten Bauvorhaben nur noch 0,4 H Abstandsfläche anrechnen. Bei einem Neubau mit zehn Metern Wandhöhe mussten bisher zehn Meter Abstandsfläche berücksichtigt werden. Künftig wären es nur noch vier Meter. Die Höhe von Dächern wird je nach Neigung be- und prozentual dazu gerechnet.

Die Folge wäre laut Bauamtsleiter Moritz Reinhold nicht nur eine dichtere Bebauung, sondern auch eine Flut an Bauanträgen mit Flachdächern – die seien schlicht einfacher zu berechnen. Oberbürgermeister Florian Hartmann nannte die neue, komplizierte Bauformel „Wahnsinn“; Flachdächer hätten dagegen den Vorteil, „quadratisch, praktisch, gut“ zu sein.

Die Verwaltung schlug dem Ausschuss daher vor, die Baurechtsnovelle zu umgehen, indem die Stadt eine eigene Abstandsflächensatzung beschließt. Diese Satzung folge einem Schlüssel, der dem jetzt gültigen Status Quo sehr nahe komme und der außerdem mit den anderen Landkreisgemeinden abgestimmt sei. Unter den Bürgermeistern, so Hartmann, herrsche nämlich „Konsens, dass wir unser jetziges Recht so gut erhalten wie es geht“.

Während Sören Schneider (SPD) betonte, dass den Bauherren durch die weitestgehende Beibehaltung alter Abstandsflächen „nix genommen“ werde und sie nun eben „nur nicht so viel dazubekommen“, lehnte die CSU als einzige Fraktion den Vorschlag der Verwaltung ab.

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