Moderne Landwirtschaft: Getreideernte in Sickertshofen im Jahr 1955. 

Ausstellung der Geschichtswerkstatt im Landkreis Dachau

Die 50er Jahre stehen für Wirtschaftswunder und Verdrängung

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Die 50er Jahre im Landkreis Dachau haben Hobby-Historiker erforscht. In der Ausstellung „Die 50er Jahre - Wirtschaftswunder und Verdrängung“ werden die Ergebnisse präsentiert. Kulturwissenschaftlerin Annegret Braun erklärt im Interview, warum die 50er Jahre für Wirtschaftswunder und Verdrängung standen.

Kulturwissenschaftlerin Annegret Braun

Landkreis 25 Hobby-Historiker aus dem Landkreis haben sich in den vergangenen zwei Jahren auf eine Reise in die 50er Jahre begeben. Sie haben Zeitzeugen befragt und in Archiven gestöbert, um die Jahre nach dem Nationalsozialismus zu erforschen. Kulturwissenschaftlerin Annegret Braun (55) aus Sulzemoos hat die Geschichtswerkstatt geleitet. Die Rechercheergebnisse sind ab Mittwoch, 21. Februar, in der Ausstellung „Die 50er Jahre – Wirtschaftswunder und Verdrängung“ zu sehen. Im Interview erzählt Annegret Braun, warum die 50er nicht nur Petticoat und Rock’n Roll waren.

-Wären Sie gerne in den 50er Jahren aufgewachsen?

Das kann ich schlecht sagen. In den 50ern mussten die Kinder daheim viel mithelfen, zum Teil hatten sie keine Väter, weil die im Krieg gestorben sind. Und die Jugendlichen hatten nach dem Krieg Probleme, einen Ausbildungsplatz zu finden, weil die Industrie noch im Aufbau war. Im Laufe des Wirtschaftswunders hat sich das geändert.

-Warum war es eine Zeit des Wirtschaftswunders und der Verdrängung?

Man stürzte sich in den Aufbau der Wirtschaft: Nach dem Krieg war alles zerstört, und man wollte wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen. Andererseits verdrängten viele den Nationalsozialismus. Es gab heftigen Widerstand, als ehemalige Häftlinge forderten, eine Gedenkstätte aus dem ehemaligen Konzentrationslager zu machen. 1955 ließ der damalige Dachauer Landrat Heinrich Junker zum Beispiel das Krematorium schließen, in dem eine Ausstellung über das Lager aufgebaut war.

-Die 50er Jahre waren also nicht nur Petticoat und Rock’n’Roll. Wird die Zeit idealisiert?

Meistens bleibt die Jugend positiver in Erinnerung als sie war. Und die meisten Zeitzeugen, die wir gefragt haben, waren in den 50er Jahren Jugendliche. Aber sie haben von beidem gesprochen: Einerseits mussten sie hart arbeiten, gerade auf dem Land. Andererseits schwärmten sie vom Tanzen und Ausgehen – aber nicht immer mit Rock’n’Roll. Denn der wurde eher in der Stadt gehört, auf dem Land blieb es bei den Schlagern.

Interview: Anna Schwarz

Die Ausstellung

Die Eröffnung der Ausstellungsreihe „Die 50er Jahre – Wirtschaftswunder und Verdrängung“ ist am Mittwoch, 21. Februar, um 19 Uhr in der Hauptstelle der Sparkasse Dachau. Die Ausstellung ist dort bis Freitag, 9. März, zu den Geschäftszeiten zu sehen. Danach ist die Ausstellung auch in Haimhausen, Hebertshausen, Schwabhausen, Egenburg und Karlsfeld.

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