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Möchte mit ihrer Schau auf das Schicksal der russischen Familien aufmerks am machen: Christina Winkler. 

Ausstellung „Opfer deutscher Besatzungsgewalt in Rostow am Don 1941 bis 1943“ im Max-Mannheimer-Haus

Beklemmende Fotos, Texte und Aufnahmen

  • Claudia Schuri
    vonClaudia Schuri
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Es sind Geschichten, die schon fast vergessen sind. Bedrückende, schockierende Geschichten über das Schicksal tausender Menschen, die im russischen Rostow am Don ihr Leben lassen mussten. Ermordet von den Nationalsozialisten. Diese Geschichten zu erzählen, hat sich die Slawinistin Christina Winkler (46) zur Aufgabe gemacht.

Dachau – Gemeinsam mit dem Grafiker Kurt Blank-Markarg (70) hat sie eine Ausstellung über die „Opfer deutscher Besatzungsgewalt in Rostow am Don 1941 bis 1943“ erstellt. Zurzeit macht die Präsentation im Max-Mannheimer-Haus in Dachau Station. Das Dachauer Symposium zur Zeitgeschichte beschäftigt sich heuer mit dem deutsch-sowjetischen Krieg. „Da ist die Ausstellung ideal als Begleitprogramm“, erklärt Historiker Jürgen Zarusky.

Zu sehen sind beklemmende Fotos und Texte, außerdem gibt es auch eine multimediale Aufarbeitung der Geschehnisse mit Ton- und Filmaufnahmen. Das Material stammt aus russischen Archiven und zum Teil auch aus dem Privatbesitz von Familien aus Rostow. „Leider ist die Geschichte noch heute relativ unbekannt“, sagt Christina Winkler. Das liegt daran, dass es sowohl von deutscher als auch von sowjetischer Seite über lange Zeit hinweg kein großes Interesse an einer Aufarbeitung gab. Dabei wurden in Rostow von der deutschen Besatzungsmacht grausame Kriegsverbrechen verübt. Zwei Mal nahm die Wehrmacht die Stadt ein: Zunächst am 21. November 1941 für acht Tage, dann drängte die rote Armee die Deutschen wieder zurück. Von den rund 500 000 Einwohnern floh rund die Hälfte der Bevölkerung. Am 21. Juli 1942 eroberten die Nationalsozialisten zum zweiten Mal die Stadt und besetzten sie nahezu sieben Monate.

Die traurige Bilanz der beiden Besetzungen: 40 000 Einwohner wurden erschossen, weitere 50 000 Rostower mussten Zwangsarbeit leisten, jede dritte Wohnung war zerstört. „Mir ist es wichtig, auch die persönlichen Schicksale aufzuzeigen“, erklärt Winkler. Also lässt sie zum Beispiel eine Frau zu Wort zu kommen, die beschreibt, wie ein kleines Kind sie anfleht, sie zu retten. Sie zeigt Fotos von einer Mutter, die mit einem Kleinkind versucht, sich zu verstecken, Bilder von toten Körpern der Opfer, würdelos auf einen Haufen geschmissen, oder von psychisch Kranken, die ihre letzte Mahlzeit einnehmen. 73 Personen, die in einer psychiatrischen Klinik in Rostow in Behandlung waren, wurden anhand von Listen systematisch aufgespürt und dann in einem mobilen Gaswagen vergast. „Diese Krankenmorde waren bisher noch fast gar nicht aufgearbeitet“, sagt Winkler.

Wenig Beachtung fanden auch die Massenmorde an Juden aus Rostow. Die Stadt hatte eine große jüdische Gemeinde – bei einem Erschießungskommando wurden 20 000 Menschen umgebracht. Rund 300 Strafgefangene mussten die Massenerschießung vorbereiten und die Gräber ausheben. „Danach wurden auch sie erschossen“, berichtet Christina Winkler.

Die 46-jährige Wissenschaftlerin lebt in Berlin und Russland und erforscht weiter die Kriegsverbrechen im deutsch-sowjetischen Krieg. Ihre Ausstellung hat sie mit dem Titel „Die Vergessenen“ überschrieben. Daran möchte sie etwas ändern: „Das Schicksal der Menschen darf eben nicht vergessen werden.“

Die Ausstellung

„Die Vergessenen – Opfer deutscher Besatzungsgewalt in Rostow am Don 1941 bis 1943“ ist noch bis Donnerstag, 1. November, täglich außer Sonntag, 21. Oktober, im Max-Mannheimer-Haus zu sehen. Geöffnet ist von 10 bis 20 Uhr. Am Donnerstag,
1. November, findet um 11 Uhr eine Führung statt. Danach endet die Ausstellung um 16 Uhr.

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