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„Mia hätten gern an Aperol Sprizz“: Die Puppenspieler Veronika Thieme und Pierre Schäfer brachten Hamlet mit wechselnden Dialekten auf die Bühne.

Ausverkaufter Theatertage-Start im Thomahaus

Auftakt mit Weltliteratur: Der zerzauste Hamlet

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Die Puppenspieler Veronika Thieme und Pierre Schäfer haben den Weltklassiker Hamlet neu aufgerollt und zum Auftakt der Dachauer Theatertage auf die Bühne gebracht. Das Stück im Thomahaus war ausverkauft.

Hamlet raucht, seine Angebetete Ophelia trägt Cowboy-Stiefel, und Hamlets Jugendfreunde trinken Aperol Spritz und Martini bianco: In dem Puppentheater „Der Fall Hamlet“ wird Shakespeares Weltklassiker aus dem frühen 17. Jahrhundert neu aufgerollt. Das Stück, aufgeführt von den Berlinern Veronika Thieme und Pierre Schäfer, war der Auftakt für die Dachauer Theatertage. Dabei waren alle 150 Sitzplätze im Thomahaus verkauft.

Als die Lichter ausgingen, traten zwei Totengräber auf die Bühne und standen vor einem besonderen Grab: „Da liegen sie, die ganzen Hamlets“, sagte Totengräber Heinz, gespielt von Veronika Thieme. Ihr fiel sofort der weltberühmte Spruch aus Hamlet ein: „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage!“ Viel erklären musste Heinz allerdings nicht. Sein Kollege – ebenfalls Heinz – kannte die Shakespeare-Tragödie ganz genau. Also spielten sie das Ganze nach – nur mit dem Ziel, dass diesmal nicht die gesamte dänische Königsfamilie ums Leben kommt.

Denn in Shakespeares Original-Version soll Hamlet den Tod seines Vaters rächen, der von Hamlets Onkel Claudius umgebracht worden war. Der will das aber nicht zugeben, versucht seine Ehre zu retten, heiratet sogar Hamlets Mutter Gertrud und wird dänischer König. Am Ende stirbt Claudius. Das dänische Herrschergeschlecht wird ausgelöscht, und Dänemark fällt an den König von Norwegen.

In „Der Fall Hamlet“ wechselten Thieme und Schäfer in die verschiedenen Rollen: Sie spielten Hamlet, den Geist seines Vaters, Claudius, Gertrud, Ophelia, Laertes und Polonius. Außerdem gaben sie Hamlets beiden versnobten Jugendfreunden Rosenkranz und Güldenstern eine Stimme sowie dessen Studienfreund Horatio. Dafür wechselten die Berliner Puppenspieler zwischen Männer- und Frauen-Tonlagen und verschiedenen Dialekten: Denn als Totengräber sprechen sie ein bisschen berlinerisch, Horatio redet mit italienischem Akzent, und die coolen Jugendfreunde im Golfer-Outfit schwäbelten: „Mia hätten gern an Aperol Sprizz und an Martini bianco“. Lachen im Publikum. Und Rosenkranz und Güldenstern flirteten mit Hamlets verlorener Liebe: „Ah Ophelia, guad schaust aus, scheen’s Kleidchen.“ Hamlet schaute eher fertig aus. Sein Haar zerzaust, zog immer wieder an seiner Zigarette, kämpfte mit dem Schmerz über den Tod seines Vaters.

Das Stück blieb trotz vieler Lacher am Ende eine Tragödie. Hamlet tötete aus Versehen seinen Schwiegervater in spe, Ophelia ertränkte sich aus Liebeskummer, Gertrud nippte an einem Gifttrank, Hamlet brachte Claudius um und auch Laertes und Hamlet starben beide im direkten Kampf.

Das Fazit: „Zero König“, bilanzierte Pierre Schäfer. Am Ende nahm auch der norwegische Prinz Fortinbras, gespielt von Schäfer, einen Schluck vom Gifttrank und rief dazu das norwegische Prost: „Skål“. Nachdem auch Fortinbras starb, war für die beiden Totengräber klar: „Dann machen wir bei der Krone halbe-halbe.“ Lachen und langer Applaus im Publikum.

In den kommenden zwei Wochen folgen noch 53 Vorstellungen bei den Theatertagen, sagte Mitorganisatorin Christine Albrecht. Die Bandbreite im Programm sei groß, auch der Erinnerungsort Dachau stehe im Fokus. Deshalb können die Zuschauer bei dem Theaterfestival für das Projekt „Eine Million gegen Rechts!“ spenden. Mit dem Geld werden laut Albrecht Jugendhäuser in Ostdeutschland unterstützt.

Die Theatertage Dachau

dauern noch bis Dienstag, 19. November. Informationen über alle Veranstaltungen sowie den Kartenvorverkauf gibt es online unter www.theatertage-dachau.de.

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