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Doppelt bestraft: Autofahrer Thomas Preuss mit seiner Beifahrerin, Hündin Cassy, vor seinem VW-Transporter, mit dem er gegen den Baumschutzbügel krachte.

Autofahrer Thomas Preuss hat mächtig Ärger wegen eines Bügels in Dachau-Ost

Niedergebügelt

Autofahrer Thomas Preuss (60) ist doppelt gelackmeiert. Er fuhr seinen VW gegen einen Baumschutzbügel. Neben dem hohen Schaden an seinem Wagen muss er auch noch den Bügel bezahlen. Und das, obwohl das Metallteil bereits beschädigt war und vier Tage danach schon wieder ein Auto dagegenrumste.

Dachau – Er ist ungemein stabil, tief verbunden mit der Erde und der in Metall gegossene Feind aller Autofahrer: der Baumschutzbügel an der Ausfahrt der Pia-Waschanlage in Dachau-Ost. Einen Schaden in Höhe von satten 9500 Euro hatte Thomas Preuss, 60, zu beklagen, nachdem er am 5. Mai mit seinem (frisch gewaschenen) VW-Transporter T 5 aus der Anlage nach rechts in die Kopernikusstraße abgebogen war und dabei die etwa 1,50 Meter lange, 40 Zentimeter hohe Schutzvorrichtung touchierte. Der Unterholm des T 5 wurde schwer beschädigt, die Schiebetür total verzogen.

Der schwer kranke Frührentner aus Garching war sich seiner Unaufmerksamkeit bewusst. Angesichts des hohen Schadens, den er aus eigener Tasche zu zahlen hat, klopfte er bei der Stadt, der Eigentümerin des unnachgiebigen Bügels, an und bat um einen kleinen Obolus. Doch bald darauf verzogen sich auch noch Preussens Mundwinkel – tief nach unten.

Preuss drang Ende Mai bis zu Oberbürgermeister Florian Hartmann durch, der den Fall prüfen ließ. Per Mail teilte Hartmann Preuss mit, dass die Stadt nicht für den Schaden verantwortlich sei. Die so genannten „Hinweise für das Anbringen von Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen“, kurz HAV, würden das Aufstellen des feuerverzinkten Gehölzbeschützers gebieten. Die laut HAV erforderlichen 50 Zentimeter Entfernung von der Fahrbahn (samt Randstein) seien eingehalten. Punkt. Keine Kulanz für Autofahrer Preuss. Im Gegenteil. Zwei Wochen später bekam der 60-Jährige ein Schreiben der Abteilung Stadtgrün, Umwelt und Stadtbauhof, mit der Ankündigung, dass die Stadt Dachau den entstandenen Schaden an ihrem metallenen Helfer „zu gegebener Zeit geltend machen“ werde.

Feind der Autofahrer: der Bügel an der Kopernikusstraße. Ganz hinten der Baumstamm, den er schützen soll.

Autofahrer Preuss fühlte sich so richtig niedergebügelt. Der gebürtige Berliner ist wahrlich nicht auf den Mund gefallen. Und so macht er seinem Ärger im Hauptstadtjargon Luft: „Den Büjel sehen Se überhaupt nich, wenn Se abbiejen! Und schon rumsen Se dajejen!“ Was Preuss vollends auf die Palme bringt, drückt er hochdeutsch aus: Auf dem rund zehn Meter langen und zwei Meter breiten Grünstreifen, auf dem der „Büjel“ angebracht ist, „gibt es nun wirklich nichts zu schützen. Der einzige Baum darauf ist fast sieben Meter entfernt. Die kleine Wiese ist völlig ungepflegt und zum Teil vermüllt“. Doch da gibt es noch etwas, das die Nerven des Wahl-Garchingers so richtig strapaziert.

Andreas Presser ist seit 19 Jahren Leiter des Pia-Autopflegezentrums und weiß daher: „Ständig fährt jemand gegen diesen Bügel.“ Und weiter: „An den Bügel war kurz vor Herrn Preuss schon einer hingerumst“. Und als Krönung: „Nur vier Tage nach Herrn Preuss ist schon wieder ein Fahrzeug dagegen gekracht.“ Preuss ist nun der Dumme. Nach seiner Anfrage bei der Stadt hat ihn diese am Wickel. Von den anderen beiden Tätern fehlt jede Spur.

Seit Jahren macht Presser Druck, endlich das Metallteil zu entfernen. Der Waschanlagenchef erklärt das Problem: Will ein Auto von der „Pia“ nach rechts auf die Kopernikusstraße ausfahren, wird es oft sehr eng, weil dort sehr viele Lastwagen fahren. Denn um nicht gegen den Bügel zu stoßen, müssen Autofahrer ein Stück in die Straße einfahren und können erst dann das Steuer einschlagen. Nichtsdestotrotz: Ähnlich stoisch wie Sisyphos seinen Stein auf den Berg rollt, ersetzen die Stadtgrün-Mitarbeiter den Bügel immer und immer wieder. „Die haben im Laufe der Zeit mindestens zehn neue Rohre montiert“, sagt der Waschanlagenchef. Die Stadt sieht das anders. Man müsse Bäume und Grünflächen schützen, die mit Steuergeldern angelegt wurden und unterhalten werden, so Bauamtsleiter Michael Simon. Er macht unmissverständlich klar, dass der Bügel bleibt: „Wir haben konkret keine Absicht, da etwas zu ändern.“

Der Schutz des Grünstreifens steht im völligen Missverhältnis zu den Schäden an den Fahrzeugen, findet Thomas Preuss: „Das Ganze ist ein prima Geschäft für Baumschutzbügelhersteller.“ Entweder die Kommune belange den Schadensverursacher oder sie lasse sich ihr verbogenes Alu von der Versicherung bezahlen. Als der Garchinger dort nachhakte, „bin ich auf ein lebendes Gesetzbuch gestoßen“, so Preuss. Der Mitarbeiter ließ den Garchinger wissen, dass eine Klage gegen die Stadt keine Aussicht auf Erfolg habe.

Eine Nachmessung der Heimatzeitung hat ergeben, dass der Bügel lediglich 35 Zentimeter (samt Randstein) von der Fahrbahn entfernt ist. Ein Verstoß gegen die HAV, die Freundin aller Baumschutzbügelaufsteller.

Thomas Zimmerly

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