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Das neue Autoliv-Technologiezentrum, in dem unter anderen Sicherheitssysteme wie Airbags oder Spurassistenten entwickelt werden, wird fast die gesamte Fläche zwischen Alte Römer, Schleißheimer und Kopernikusstraße füllen.

Automobilzulieferer Autoliv baut Technologiezentrum in Dachau-Ost

Die Zukunft nimmt Fahrt auf

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Der Autozulieferer Autoliv plant in Dachau den Bau eines neuen Technologiezentrums. 900 Mitarbeiter sollen sich dort unter anderem mit dem Thema autonomes Fahren beschäftigen.

Dachau – Dass an der Kreuzung Schleißheimer und Alte Römerstraße bald am Verkehr der Zukunft geforscht wird, kann man sich heute nur schwer vorstellen. Doch dort, wo heute allenfalls ein paar Blümchen sprießen, sollen bald schlaue Köpfe Ideen produzieren, wie man Elektroautos mittels allerhand elektronischer Komponenten sicher und autonom durch den Straßenverkehr gondeln lassen könnte.

Henning Dickhoff, Geschäftsführer des Münchner Architekturbüros a+p, stellte am Dienstag im Bauausschuss ein erstes Konzept für das sogenannte „Technologiezentrum Autoliv 2020+“ vor. Nachdem das Zuliefererunternehmen im vergangenen Jahr angekündigt hatte, seinen Produktionsstandort an der Theodor-Heuss-Straße mittelfristig schließen, dafür aber ein neues Technologiezentrum an anderer Stelle in der Großen Kreisstadt bauen zu wollen (wir berichteten), waren Stadtverwaltung und Stadtrat darum bemüht, eine passgenaue Lösung für eine Umsiedlung und damit den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze zu finden.

Diese Lösung ist nun die Fläche im Bereich Schleißheimer, Alte Römer- und Kopernikusstraße. Ziel sei gewesen, dort Dachauer Unternehmen anzusiedeln, betonte Oberbürgermeister Florian Hartmann gegenüber dem Bauausschuss. Indem man das künftige Autoliv-Betriebsgelände an den westlichen Rand des Gebiets in Richtung Alte Römerstraße platziert, wären im Osten, an der Kopernikusstraße, noch zwei Grundstücke für Dachauer Betriebe frei.

Dickhoff zufolge soll sich die Bebauung in das Umfeld einfügen: Entlang der Alten Römerstraße etwa ist ein Gebäude geplant, um die Lärmauswirkungen auf die westlich gelegene Nachbarschaft zu minimieren. Das geplante Autoparkhaus inklusive 150 Fahrradstellplätzen soll zudem nicht nur den Autoliv-Mitarbeitern, sondern auch anderen Nutzern offenstehen. Am Eck Schleißheimer- und Alte Römerstraße ist ein viergeschossiges Casino geplant, das Dickhoff zufolge ebenfalls auch von anderen Firmen genutzt werden könnte.

Was es allerdings nicht geben wird, ist ein quer durch das Grundstück verlaufender Radweg. „Sicherheitsgründe“ nannte der Architekt als Erklärung dafür. „Da werden Lkw mit Autos kommen, da fahren Erlkönige, das kann man nicht öffentlich zugänglich machen“, bat Dickhoff um Verständnis. Die Crash-Halle werde über Brücken mit den Büros und Laboren entlang der Schleißheimer Straße verbunden.

OB Hartmann war zufrieden mit den Ausführungen, die Entwürfe seien „nicht brutal und erschlagend“. Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) fand die Planung ebenfalls „sehr zu begrüßen“. Allerdings gab sie zu bedenken: „Klar, wir brauchen Autoliv und es gibt keine andere Möglichkeit als sie hier anzusiedeln. Aber es werden sehr viele Fahrzeuge, die in das Gelände fahren werden!“

Dieses Problem sah auch die Stadtverwaltung, weshalb laut Hartmann bereits ein Planer beauftragt worden sei, die Kreuzung Schleißheimer und Alte Römerstraße genauer zu untersuchen. Denkbar sei etwa eine „radikale Lösung“ in dem Sinne, die Ampelschaltung auszubauen und damit mehr Verkehr in den gekreuzten Richtungen zuzulassen. Weniger genutzte Abbiegespuren könnte man stattdessen streichen. Ausgeschlossen sei dagegen ein Kreisverkehr. Dieser müsste Hartmann zufolge wegen der großen Verkehrsmengen „mindestens zweispurig sein“ – was baulich nicht möglich sei. Die Zufahrt zum neuen Autoliv-Gelände soll daher ausschließlich über die Siemensstraße erfolgen.

Am Ende entschied sich das Gremium gegen die Stimme von Thomas Kreß (Grüne) für die Fortführung der Planungen. Wenn alles gut läuft, könnte damit schon im Herbst 2019 ein erster Spatenstich erfolgen.

Bei Autoliv, das ab 1. April offiziell in die Firmen Autoliv und Veoneer aufgeteilt wird, ist man erleichtert über das Wohlwollen des Stadtrats. In das neue Technologiezentrum soll laut Sprecherin Birgit Degler der bisherige Mitarbeiterbestand aus dem zu engen und vor allem im Crashtest-Bereich veralteten Standort Theodor-Heuss-Straße ziehen. Zudem werde in den kommenden Jahren vor allem das Tech-Center „weiter wachsen und damit neue Stellen geschaffen werden“. Das Gebäude, so Degler, „wird daher großzügig für 900 Mitarbeiter geplant“. Eine Produktion wird es Degler zufolge am neuen Standort nicht mehr geben – rund 120 Mitarbeiter aus diesem Bereich können daher nicht mehr mit umziehen. Sie verlieren ihren Job.

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