„Ein nicht aufhören wollendes Rrrrrrrrrr“: An den an der Augustenfelder Straße abgestellten S-Bahnen laufen auch nachts Aggregate weiter.
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„Ein nicht aufhören wollendes Rrrrrrrrrr“ : An den an der Augustenfelder Straße abgestellten S-Bahnen laufen auch nachts Aggregate weiter.

Genervte Bahn-Anlieger

Nächtliches Brummen auf dem Abstellgleis

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Es brummt, und manchmal zischt es: Der Lärm abgestellter Züge raubt Anwohnern im Dachauer Bahnhofsviertel den Schlaf. Die Stadt Dachau reagiert.

Dachau – Züge können laut sein – vor allem wenn sie an einem vorbeirauschen. Dass aber auch stehende Züge den Bürgern den Schlaf rauben können, wissen nur wenige. Zu diesen wenigen Bedauernswerten gehören die Anwohner der nördlichen Augustenfelder sowie der Lessingstraße. In ihrer direkten Nachbarschaft nutzt die Bahn nämlich zwei Abstellgleise, auf denen über Nacht S-Bahnen geparkt werden.

Das Problem: Die Triebfahrzeuge werden nicht, wie ein Auto, einfach abgestellt. Stattdessen laufen bestimmte Aggregate weiter; auch die Druckregulierung wird in den Nachtstunden fortgesetzt.

Ein Anwohner, der nicht mit Namen in der Zeitung stehen möchte, erklärt es so: „Das ist ein permanentes Brummen, wie ein laufender Motor, ein nicht aufhören wollendes Rrrrrrrrr.“ Und dieses Rrrrrrrrr ist laut: „Ich habe vorne zur Augustenfelder Straße raus dreifach isolierte Fenster. Aber wenn ich hinten raus ein Fenster kippe, dann höre ich das bis in mein Schlafzimmer.“ Er selbst wohne zum Glück nur „in der zweiten Reihe“, wolle aber nicht wissen, „was die direkt an den Gleisen mitmachen“. Klar, gibt er zu, im Winter, wenn alle Fenster geschlossen sind, sei die Belästigung für ihn nicht so schlimm. Zudem wisse jeder, der in dieses Gebiet zieht, dass dort Gleise seien. Was er aber nicht geahnt hätte: „Dass mich nicht nur die vorbeirauschenden Güterwaggons um 2 Uhr nachts den Schlaf kosten, sondern auch ein stehender Zug.“

Zumindest bei letzterem Problem will die Stadt ihm und seinen Nachbarn nun helfen. Wie der Umwelt- und Verkehrsausschuss zuletzt einstimmig beschloss, tritt Dachau der Interkommunalen Lärmschutz-Initiative bei. Dieser ehrenamtlich geführte Verein, der im Jahr 2008 gegründet wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit der Bahn Lösungen zu finden, um Lärm-geplagte Abstellgleis-Anlieger zu entlasten. Knapp 200 Mitglieder aus 25 Städten und Gemeinden – hauptsächlich aus dem S-Bahn- und Regionalzug-Bereich rund um München – hat der Verein bereits; der Jahresbeitrag kostet 250 Euro. Gemeinsam, mit vereinten Kräften, so lautet die Idee hinter dem Verein, kann man bei der Bahn mehr erreichen als Einzelkämpfer.

Tatsächlich hatte die Stadt Dachau das Problem der Lärmbelästigung durch die abgestellten Züge bei der Bahn schon vor Jahren angesprochen. Aber, so Ordnungsamtsleiter Stefan Januschkowetz, „das Ergebnis war wie immer bei der Bahn: sehr mühsam“. Die Gründe für die ablehnende Haltung liegen für Januschkowetz allerdings auf der Hand: „Das ist ein Thema, das die Bahn viel Geld kostet.“ Alte, laute Züge durch neuere, „sicherlich leisere“ Züge auszutauschen, sei eben teuer. Zudem sei es wesentlich bequemer, die Züge dezentral an verschiedenen Orten abzustellen als zentral ins Depot nach Steinhausen zu fahren.

Altomünster kennt die Dachauer Probleme mit dem Abstellgleis seit langem und ist daher bereits seit fünf Jahren Mitglied bei der Interkommunalen Lärmschutz-Initiative. Auf Nachfrage bestätigt Bürgermeister Michael Reiter, dass die Reaktion der Bahn zwar „träge“ sei, aber: „Es gibt durchaus Verbesserungen.“ So habe es betriebliche Nachrüstungen gegeben, sodass in der Nacht nur noch bestimmte Systeme in den Zügen laufen. Aber, das ist Reiter wichtig festzuhalten, „es ist immer noch laut. Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen!“

Viele Anwohner in Dachau wollen vor allem da hin, dass eine Lärmschutzwand gebaut wird. Januschkowetz könnte sich vor allem vorstellen, dass die Bahn die Abstellgleise an der Frühlingstraße nutzt: „Da gibt es keine direkten Anwohner.“

Ob diese Wünsche gehört werden, ist fraglich. Umweltreferent Thomas Kreß (Grüne) befürwortet daher den Beitritt zur Initiative mit dem Argument: „Wenn es hilft, bin ich gern dafür.“ Auch Bürgermeister Reiter sieht die Mitgliedschaft in der Lärmschutzinitiative pragmatisch: „Als Altomünster allein haben wir zu wenig Gewicht, um uns mit der Bahn anzulegen. Aber im Verbund kann man vielleicht etwas bewegen.“ Der Dachauer Ordnungsamtsleiter Januschkowetz ist ebenfalls optimistisch: „Die Bahn setzt sich wirklich mit dem Verein zusammen!“

Die Initiative selbst ist stolz darauf, unter anderem ein Meldesystem entwickelt zu haben, bei dem Anwohner mittels einer Smartphone-App lärmende abgestellte Fahrzeuge direkt der Bahn melden können. Der Konzern würde dazu mittlerweile sogar „Lärmmelder-Schulungen“ anbieten.

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