+
Unter dieser Stromleitung soll in wenigen Jahren der Sportpark des TSV 1865 Dachau stehen.

starkstromleitung über künftigem TSV-Sportpark

Geladene Stimmung

  • schließen

Der Streit zwischen der Stadt und dem TSV 1865 Dachau geht in die nächste Runde. Am Donnerstag diskutierten die Stadträte – wieder einmal – über die Verlegung der Starkstromleitung entlang des künftigen Sportparks an der Theodor-Heuss-Straße. Zwischen TSV-Vorsitzendem Wolfgang Moll und OB Florian Hartmann wurde es dabei persönlich.

Dachau – Im März war man sich im Hauptausschuss des Stadtrats noch weitgehend einig: Ja, der TSV 1865 Dachau soll auf einem Grundstück östlich der Theodor-Heuss-Straße eine neue (Teil-)Heimat finden! Die Stadträte gingen sogar schon ins Detail, redeten über ein Kunstrasenfeld und eine oder mehrere Turnhallen. Erst am Ende zog dann ein dunkles Wölkchen über der Diskussion auf: Was tun mit der 110-kv-Starkstromleitung, die noch entlang der Theodor-Heuss-Straße verläuft? Der Stadtrat hatte im November 2014 mehrheitlich beschlossen, die massive Leitung ins Erdreich zu verlegen; Stadtverwaltung und OB Florian Hartmann wollen diesen Beschluss am liebsten revidieren, um möglichst schnell mit dem Bau des Sportparks beginnen zu können. In der März-Sitzung wurde sich das Gremium nicht einig und vertagte das Thema. Und auch in der Sitzung am Donnerstag kam es im Bauausschuss zu keiner Einigung. Stattdessen eskalierte der Streit – wieder einmal. TSV-Vorsitzender Wolfgang Moll warf der Stadt vor, Unwahrheiten zu verbreiten (siehe Interview unten).

Die Argumente, die Leitung möglichst schnell unter die Erde zu bringen, sind einleuchtend: „Das wertet doch das Grundstück auf“, fand Gertraud Schmidt-Podolsky (CSU). August Haas (CSU) klagte über den „hohen Bauraumverlust“, den die Leitung beziehungsweise die Abstands- und Sicherheitsverordnungen mit sich bringen. Sportreferent Günter Dietz (CSU) warnte davor, jetzt um die Leitung „herum zu fummeln“ und später, wenn die neuen Gebäude stehen, „kommt sie doch weg. Und dann kostet’s noch mehr.“ Auch Rainer Rösch (ÜB) warb für eine Verlegung: „Das ist die einzige Freilandleitung, die noch nicht unterirdisch ist. Vielleicht ärgern wir uns später, dass wir es nicht getan haben?“

Doch auch die Argumente der Stadtverwaltung und OB Hartmann leuchteten ein: Eine Verlegung würde mehrere Jahre dauern und den Bau des Sportparks verzögern. „Das Risiko ist sehr groß, dass wir in der Zwischenzeit auf dem Altgelände noch einmal Hallen sanieren müssen.“ Und an den TSV-Vorsitzenden gewandt: „Wir nehmen es nämlich sehr ernst, Herr Moll, dass Ihre Hallen nicht mehr lange durchhalten!“ Abgesehen davon würde die Erdverkabelung viel Geld kosten – mindestens 3 Millionen Euro. „Ich bin gespannt, wie wir das alles schultern sollen.“ Stadtrat Günter Heinritz (SPD) merkte auch an, dass man mit der Verlegung „eine taugliche Leitung wegschmeißt. Wir sollten dieses Experiment erst gar nicht starten!“

Gegen die Stimme von Anke Drexler (SPD) entschied sich das Gremium, das Thema erneut zu vertagen. Die Stadt solle nun mit den von einer Kabelverlegung betroffenen Grundstückseigentümern sprechen. Außerdem solle die neueste, vom TSV vorgelegte Planung geprüft werden: Auf diesen Plänen ist die Erdverkabelung bereits vollzogen und auf dem Grundstück damit wesentlich mehr Platz vorhanden.

OB Florian Hartmann nahm es achselzuckend zur Kenntnis. Er freue sich schon auf die Haushaltsdebatte am Jahresende. 3 Millionen Euro für die Kabelverlegung? „Wir ham’s ja anscheidend...“

Interview mit TSV-Vorsitzendem Wolfgang Moll

Herr Moll, Sie haben dem Bauausschuss eine eigene, nicht mit der Stadt abgestimmte Planung für den künftigen Sportpark vorgelegt. Warum? 

Weil die Planung der Stadt nicht mit uns abgesprochen wurde und das Ergebnis der (städtischen) Planung leider nicht auf die Bedarfe des Vereins abgestimmt ist. Der Planer ist uns nie vorgestellt worden! Abgesehen davon sind diese Pläne nicht rechtens: Es gibt einen gültigen Stadtratsbeschluss, wohlbemerkt aus der Oberbürgermeister-Ära-Hartmann vom November 2014, die besagt, dass die Leitung wegkommt. 

Sie haben der Stadt in der jüngsten Bauausschusssitzung auch vorgeworfen, Unwahrheiten über die Kosten der Verkabelung zu verbreiten. 

Ja, weil es für uns unstrittig ist, dass der Verein mitzahlen muss. Eine angemessene Kostenbeteiligung steht für mich außer Frage. Eine 50-50-Aufteilung der Kosten wäre durchaus denkbar! Es mag ja sein, dass der Verein an der Gröbenrieder Straße sich nicht an den Kosten für seine neue Halle beteiligen will, aber wir bestehen sogar darauf! 

Aber eine Verlegung der Starkstromleitung unter die Erde würde nicht nur viel Geld kosten, sondern auch Zeit... 

Auch das ist nicht wahr, dass das vier Jahre dauern muss! Die Gespräche mit den Grundstücksbesitzern sind nach einem Monat durch! Im übrigen reden wir hier im betroffenen Bereich neben der Stadt Dachau noch von maximal drei weiteren Eigentümern, die bereits im Vorfeld die Zusage für eine Erdverkabelung entlang der Theodor-Heuss-Straße in Aussicht gestellt haben. 

Das heißt, Sie würden eine Verzögerung beim Bau des neuen Sportparks in Kauf nehmen? Wenn es sein muss, dann ja! Lieber treffen wir eine vernünftige Entscheidung, die uns vielleicht ein Jahr – für den Bau der zweiten Halle! – kostet, als eine falsche Entscheidung.

 

Kritische Beobachter der Diskussion werfen Ihnen vor, dass Sie sich mit Ihren Vorwürfen gegen die Stadt bereits in Stellung bringen wollen für die nächste Oberbürgermeister-Wahl. 

Ja, Ähnliches ist mir auch schon anderweitig zugetragen worden. Aber das ist doch lächerlich! Im Übrigen hat doch das eine mit dem anderen nichts zu tun. Hier geht es aktuell um die Interessen des Vereins und die Anliegen der Stadt Dachau, zu welchen ich mich als gewählter Bürgervertreter auch einbringe. Zum anderen habe ich noch nie vorgehabt, mich im Jahr 2020 aus der Kommunalpolitik zurückzuziehen. Zwischenzeitlich ist auch der Entschluss gereift, dass ich 2020 wieder zur Kommunalwahl antreten werde. In welcher Form? Dazu gibt es heute zwar schon Pläne und Vorstellungen, jedoch noch keine finalen Entscheidungen. Interview: zip

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Studenten entdecken Schätze der Natur
Die Natur dient der Entspannung und birgt oft viele Schätze. Das haben jetzt auch Münchner Architekturstudenten entdeckt. Zusammen mit den Haimhausern arbeiten sie an …
Studenten entdecken Schätze der Natur
Markus Nappert wird Pfarrer
Und noch eine Primiz: Diakon Markus Nappert wird am 30. Juni zum Priester geweiht.
Markus Nappert wird Pfarrer
Niemand soll sich ausgeschlossen fühlen
Über 900 Schüler haben sich mit ihrer Unterschrift dazu bereit erklärt, sich aktiv gegen jede Form von Diskriminierung einzusetzen und auch bei Konflikten einzugreifen. …
Niemand soll sich ausgeschlossen fühlen
Neues Graffiti-Kunstwerk in der Dachauer Altstadt 
Graffiti muss keine Schmiererei sein. Im Gegenteil: In den richtigen Händen kann die Kunst aus der Dose eintönige Mauern in eine echte Augenweide verwandeln. So dürfen …
Neues Graffiti-Kunstwerk in der Dachauer Altstadt 

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.