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Ein Streit zwischen einem Polizisten und einem Rettungsassistenten in Dachau landete vor Gericht. (Symbolbild)

Auseinandersetzung am Unfallort

Polizist in zivil will bei Unfall helfen - doch mit Rettungsdienst kommt es zum Streit

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Ein hochrangiger Polizist hat - privat unterwegs und in zivil – bei einem Unfall den Verkehr geregelt. Nun landete der 56-Jährige vor dem Amtsgericht Dachau - wegen des so genannten „Gaffer-Paragrafen“.

Dachau – „Es ist traurig, dass mein Mann jetzt mit Gaffern gleichgestellt wird“, entrüstete sich die Ehefrau des Angeklagten am Mittwoch gegenüber Richter Lukas Neubeck. Man habe bei einem schweren Verkehrsunfall helfen wollen, sonst nichts. Dafür, dass sich ihr Mann vor dem Amtsgericht Dachau verantworten musste, hatte die Ehefrau kein Verständnis. Die Anklage lautete auf „Behinderung von hilfeleistenden Personen“, eine Vorschrift, um die der Straftatbestand der unterlassenen Hilfeleistung im Mai 2017 ergänzt worden war. Doch was war passiert?

Die Ehefrau, eine Beamtin der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck, und ihr Mann, Ausbildungsleiter bei der Bereitschaftspolizei Dachau, wollten am Vormittag des 24. Februar 2018 zum Einkaufen fahren. Auf der Staatsstraße zwischen Oberroth und Wiedenzhausen sahen sie plötzlich einen älteren Herren auf der Straße liegen. Der Radler war kurz zuvor von einem Auto erfasst worden und hatte schwere Kopfverletzungen erlitten. Den beiden hochrangigen Polizisten war sofort klar: Wir helfen!

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Unfall im Landkreis Dachau: Polizisten sind privat unterwegs - und leisten erste Hilfe

Die Frau kümmerte sich um den Verletzten, ihr Mann, der spätere Angeklagte, regelte den Verkehr. Der Notarzt kam schnell. Der Rettungswagen (RTW) brauchte, von der Dienststelle Odelzhausen kommend, einige Minuten länger. Der verantwortliche Rettungsassistent, 29, wies seine Fahrerin, 24, an, auf der Gegenfahrbahn anzuhalten und damit die Staatsstraße zu blockieren. Er habe ein „wahnsinnig ungutes Gefühl“ gehabt, so der Rettungsassistent vor Gericht. Er befürchtete, dass andere Autofahrer nachträglich in die Unfallstelle hineinfahren könnten.

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Kaum hatte der RTW angehalten, riss der Angeklagte die Beifahrertür auf und gab dem Rettungsassistenten zu verstehen, dass er den RTW wegfahren und vor dem Unfallauto abstellen solle. „Eine Sperrung der Straße war nicht unbedingt notwendig“, meinte der 56-Jährige gestern bei seiner Befragung. „Wir hatten die Situation im Griff“, sagte seine Ehefrau als Zeugin.

Nach Unfall: Streit zwischen Polizist und Rettungsassistent

Wie genau der Streit zwischen dem Angeklagten und dem Rettungsassistenten verlief, konnte Richter Neubeck trotz der Befragung von acht Zeugen nicht eindeutig klären. Fest stand nur: Es war laut. Es dauerte zwischen 30 Sekunden und drei Minuten. „Es hat auffällig lang gedauert, bis der Rettungsassistent bei mir war“, so der Notarzt. Und es trafen zwei Männer aufeinander, die über ein gesundes Selbstvertrauen verfügen. Unklar blieb hingegen, ob der Angeklagte den Rettungsassistenten, der wiederum den Angeklagten vier Tage nach dem Unfall bei der Polizei anzeigte, „spürbar und nicht unerheblich gestört“ hatte, wie es der Tatbestand des „Gaffer-Paragrafen“ fordert.

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Am Ende stellte Richter Neubeck mit Zustimmung des Staatsanwalts und des Verteidigers Reinhard Grund das Verfahren ohne Auflage ein. „Der Disput war nicht ideal“, so der Vorsitzende, aber im Vordergrund stand für den Angeklagten nur eins: Er wollte helfen. 

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Übrigens: Das 75-jährige Unfallopfer, das damals mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert worden war, konnte das Krankenhaus nach drei Tagen wieder verlassen.

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