BBV-Obmann Kreitmair warnt vor Afrikanischer Schweinepest

„Schlimmer als zu BSE-Zeiten“

Landwirte zittern derzeit vor einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest, einem hochaggressiven Virus, der sich von Osteuropa aus dem Freistaat nähert. Der Bauernverband fordert daher vorsorglich die großflächige Tötung von Wildschweinen, die Jäger halten dies für überzogen.

Landkreis – Die Angst der Landwirte vor der sogenannten Afrikanischen Schweinepest, die sich derzeit langsam von Ost- nach Westeuropa ausbreitet, ist groß. Viele Viehzüchter fürchten eine Übertragung der Seuche auf ihre Bestände durch Wildschweine. Darum forderte der Deutsche Bauernverband unlängst die Tötung von 70 Prozent der deutschen Wildschweine zur Seuchenprävention. Die Dachauer Jäger wehren sich jetzt gegen „Pauschalforderungen“.

Dr. Ernst-Ulrich Wittmann ist der zweite Vorsitzende des Jagdschutz- und Jägervereins Dachau. Ihn schockiert die Forderung der Landwirte: „Man kann doch nicht einfach sämtliche Tierschutzbestimmungen über Bord werfen, die Jagd während der Schonzeit und auf Frischlinge erlauben, nur für den Versuch, die Seuche einzudämmen!“ Denn Wittmann ist sich sicher: „Die Schweinepest wird nicht von Wildschweinen, sondern von Fernfahrern und Tiertransporten eingeschleppt.“ Die Afrikanische Schweinepest würde nämlich sehr schnell tödlich enden, die infizierten Schweine könnten gar nicht besonders weit wandern – selbst wenn sie es versuchten. Ein viel größeres Problem sind in Wittmanns Augen infizierte Lebensmittel, die an Raststätten weggeworfen würden, oder Tiertransporte.

Aber was tun, wenn wirklich infizierte Wildschweine nach Deutschland kommen? „Die Tschechen haben da eine effektive Strategie“, weiß Wittmann. „Wird ein infiziertes Schwein gefunden, wird das entsprechende Gebiet erstmal umzäunt und die Treibjagd darin verboten.“ Dann versuche man, die Tiere mit gezielten Einzelabschüssen zu erlegen. Treibjagden, so erklärt Jäger Wittmann, „versprengen die Wildschweine und somit die Seuche umso mehr“. Sollten die Jäger in Zukunft aber tatsächlich gezwungen sein, die Schweinepest in ihren Revieren zu bekämpfen, hat Wittmann klare Forderungen: „Wenn wir helfen, die Seuche zu bekämpfen, müssen uns das Veterinär- und das Landratsamt mehr unter die Arme greifen als bisher!“ Denn viele Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung kosten Geld: Zwar ist es erlaubt, die Eingeweide nach dem Auswaiden im Wald liegen zu lassen, aber da Wildschweine Kannibalen seien, könne die Seuche sich so weiter ausbreiten. Die Entsorgung der Innereien würde 50 bis 100 Euro pro Schwein kosten. Staatlich finanzierte Sammelstellen könnten Abhilfe schaffen.

Hinzu kämen die Untersuchungskosten von 25 bis 30 Euro pro Wildschwein. Die Jäger kämen den Pflichten in ihren Revieren selbstverständlich nach, aber die Extrakosten wollen sie nicht alleine stemmen. Wittmann formuliert es so: „Wir schauen immer: Wo können wir wem helfen? Aber dafür brauchen wir eine gute Zusammenarbeit zwischen den Landwirten, den Behörden und den Jägern – natürlich auch finanziell.“ Denn schon heute würden die Dachauer Jäger bis zu 500 Wildschweine im Jahr schießen – und es würden immer noch mehr. Von den Landwirten fordert Wittmann vor allem eins: Jagdschneisen in den Raps- und Maisfeldern, der Leibspeise von Wildschweinen. Denn gerade durch das Kraftfutter könnten die Wildschweine sich schon ab dem ersten Lebensjahr fortpflanzen, statt wie normal ab dem zweiten.

Anton Kreitmair, Bezirksobmann des Bayerischen Bauernverbands, sieht das größte Einschleppungsrisiko ebenfalls in weggeworfenen Lebensmitteln, die die Wildschweine dann fressen: „Wie viele Wildschweine geschossen werden müssen, muss regional abgewogen werden, im Landkreis Dachau müssen die 70 Prozent sicher nicht sein.“ Trotzdem ist Kreitmair für mehr Abschüsse: „Es ist nicht auszuschließen, dass die Seuche über Wildschweine eingeschleppt wird.“ Ein Ausbrechen wäre daher fatal: „Die betroffenen Landwirte müssten ihren ganzen Bestand schlachten – solche Einbußen wären nie zuvor da gewesen, selbst zu BSE-Zeiten nicht!“

Matthias Schneider  

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