Mann übergibt Frau etwas vor Bildschirm
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Ehrenamtlich unterstützt der Indersdorfer Hubertus Schulz (l.) Lehrerin Melanie Bayer dabei, die Caritas-Werkstatt stärker auf digitales Lernen auszurichten.

Wegen Corona und mit ehrenamtlicher Hilfe stellte Einrichtung auf Homeschooling um

Behindertenwerkstatt wird digitaler

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Die Arbeit in der Dachauer Caritas-Werkstatt wird digitaler. Wegen Corona und dank eines Fachmanns, der einfach helfen wollte.

Dachau – Nicht nur Schulen, sondern auch Werkstätten für Menschen mit Behinderung waren wegen der Corona-Pandemie wochenlang geschlossen. Für die zwölf jungen Männer und Frauen, die in der Dachauer Caritas-Werkstatt den Berufsbildungsbereich als eine Art Berufsschule absolvieren, hat das Homeschooling bedeutet.

„Mit Arbeitsblättern und Telefonsprechstunden haben wir das ganz gut geschafft“, erklärt Melanie Bayer, die als ausgebildete Lehrerin und Sozialpädagogin den Berufsbildungsbereich betreut. Allerdings: Wie überall im Bildungssektor wurde auch im Berufsbildungsbereich der Behindertenwerkstatt deutlich, welcher Nachholbedarf in Sachen „digitales Lernen“ besteht. Denn im Klassenzimmer gibt es zwar stationäre Computer-Arbeitsplätze. Doch die Einrichtung eines Wlan-Netzes, die Ausstattung mit mobilen Endgeräten, die Nutzung spezieller Lernsoftware – all das war zwar geplant, aber noch nicht umgesetzt.

Diese Entwicklung wurde durch Corona beschleunigt. Kurzfristig wurden Tablets angeschafft und so eingerichtet, dass alle damit nicht nur in der Werkstatt arbeiten, sondern auch zu Hause lernen können.

„Wir mussten schneller agieren, als geplant“, sagt Robert Pippig, Leiter der Caritas-Werkstatt. Diese rasche Reaktion auf die neue Herausforderung war nur möglich mit ehrenamtlicher Unterstützung. Denn der sozialen Einrichtung hätte dafür „Fachpersonal und Zeit gefehlt“, erklärt Pippig. Doch von seiner Frau, die in der Caritas-Werkstatt tätig ist, hat der Indersdorfer IT-Fachmann Hubertus Schulz vom Unterstützungsbedarf erfahren. Und sich gleich bereit erklärt, mit seinem Wissen aus 30 Jahren Berufserfahrung zu helfen.

Tablets mit besonderer Software

Schon bei der Auswahl der Tablets hat er unterstützt, doch allein mit Geräten ist nichts gewonnen, weiß Schulz. Vielmehr brauche es langfristige Unterstützung bei der Vernetzung, der Entscheidung für sinnvolle Programme. Genau das hat Schulz für die Caritas-Werkstatt übernommen: Zwölf iPads stecken nun in speziellen Schutzhüllen, sodass die behinderten Schüler sie auch in den praktischen Lernphasen in den Werkstätten einsetzen können. Eingerichtet ist schon ein Programm, mit dem Lehrerin Melanie Bayer alle Schüler-Tablets individuell steuern kann.

Nun geht es darum, aus der Vielzahl von Apps und Programmen, die es für die besonderen Anforderungen von Behinderten gibt, genau die auszuwählen, die für den Bedarf der Berufsbildungs-Schüler am besten funktionieren, so Schulz. Nur die wird die Caritas-Werkstatt dann erwerben und ähnlich einer digitalen Schulbibliothek den Schülern bereitstellen.

Auch mit Tobias Frischholz, der das Medienzentrum Dachau leitet und die Grund- und Mittelschulen im Landkreis in Sachen Digitalisierung berät, hat Hubertus Schulz bereits Kontakt aufgenommen. Ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch ist nach den Sommerferien geplant.

Aufbruchstimmung war spürbar

Die Aufbruchstimmung in Sachen Digitalisierung ist in der Caritas-Werkstatt spürbar. Kein Wunder, denn der Mehrwert digitaler Lernformen gerade für Behinderte sei enorm, betont Lehrerin Bayer. Die jungen Menschen kommen mit unterschiedlichsten Voraussetzungen und Handicaps, einige können nicht lesen oder schreiben, andere nicht gut rechnen, manche wiederum dies alles gut. Von jeher müssen alle Lern- und Bildungsangebote deshalb individuell abgestimmt und entwickelt werden. „Alle Lernmodule erstelle ich deshalb selbst, das ist meine Hauptaufgabe“, erklärt Bayer.

Genau hier kann nun E-Learning unterstützen. Denn es gibt gezielte Trainings-Software wie auch unterstützende digitale Hilfsmittel auch für Nutzer mit Einschränkungen. So können Schüler die Arbeitsberichte, die im Berufsbildungsbereich Pflicht sind, nicht nur schriftlich erstellen, sondern auch als Sprachmemo aufnehmen.

Auch mit Blick auf die spätere berufliche Integration hält Werkstattleiter Pippig einen stärker digital ausgerichteten Unterricht für enorm sinnvoll: „Wir können die Leute fitter machen für eine digitale Welt.“

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