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Stolz trägt Tschok Englhard seinen Ehrenring. 

Pfingstmontag feiert Georg Englhard seinen 90. Geburtstag

Auch am Ehrentag mit Ehrenring

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Er hatte jede Menge Ehrenämter und ist in ganz Dachau bekannt. An Pfingstmontag feiert Georg Englhard seinen 90, Geburtstag. Natürlich mit dem Ehrenring der Stadt Dachau

Dachau – „I woaß gar ned, was i ned war“, lacht Georg, genannt „Tschok“, Englhard. Dass er all die Ämter, die er im Lauf seines bald 90-jährigen Lebens innehatte, nicht mehr alle aufzählen kann, liegt allerdings nicht an altersbedingter Vergesslichkeit. Es liegt schlicht daran, dass Englhard so ziemlich jedes Ehrenamt übernahm – beziehungsweise übertragen bekam –, das die Große Kreisstadt zu bieten hat.

So saß der „Tschok“ 30 Jahre, von 1972 bis 2002, für die CSU im Stadtrat, 18 Jahre davon war er zweiter Bürgermeister. Er war Sportreferent, 15 Jahre Kreisvorsitzender des BLSV, 25 Jahre CSU-Ortsvorsitzender und zehn Jahre Abteilungsleiter Leichtathletik beim ASV Dachau. Dies ist aber nur eine Auswahl der Ämter, die er freiwillig übernommen hatte.

Der Posten des Volksreferenten dagegen wurde ihm von Georg Scherer mehr oder weniger aufgedrängt: „Das geht dir noch ab“, soll sein Sportsfreund Scherer damals zu ihm gesagt haben. Englhard konnte, wie immer, nicht nein sagen: „Zum Glück hab ich da nicht viel mehr machen müssen als Dirigieren“, lacht der Dachauer noch heute.

Ein Amt, das ihm ebenfalls angetragen wurde, und zwar vom damaligen Oberbürgermeister Kurt Piller, sei das des Wahlleiters für die Kommunalwahl 2002 gewesen. Die Große Kreisstadt schaffte es dabei zu überregionaler Bekanntheit, der „Wahlfälscherskandal von Dachau“ hatte sogar Gerichtsprozesse zur Folge. Englhard selbst wurde damals zwar nicht angeklagt, aber auch sein Name wurde in dem Zusammenhang immer wieder genannt. „Zu Unrecht“, wie er betont. „Ich habe damals kennengelernt, was Neid bedeutet“, sagt er beispielsweise. Und: „Das kann man nie ganz vergessen.“ Dass Piller ihn zum Wahlleiter gemacht hat, „war schäbig“.

Englhards Frau Hildegard, die sich mit Tochter Barbara und den Enkeln Maximilian und Veronika um den Senior kümmert, betont jedoch, dass der Wahlskandal von 2002 ansonsten in der Familie nie mehr groß thematisiert worden sei. Das Paar, das seit 58 Jahren verheiratet ist, hat es sich in den vergangenen Jahren gemütlich gemacht in seinem Haus an der Herzog-Albrecht-Straße. Seinen geliebten Sport, vor allem das Radfahren, vermisst der 90-Jährige zwar sehr; aber wenn er – als Beifahrer – mit seiner Hildegard durch die Stadt fährt, verfolgt er sehr genau, was in seiner geliebten Heimatstadt vor sich geht.

„Tschok“ Englhard sagt von sich, dass er ein Mann gewesen sei, der Entscheidungen getroffen, der Verantwortung übernommen habe. Seine Ehrenämter, gerade im Sport, habe er „immer gern gemacht“. In der Politik sei er stets „um den Ausgleich bemüht“ gewesen. „Ich hatte zu allen ein gutes Verhältnis, ich wollte mich nicht streiten.“ Die Tatsache, dass er sowohl beim BLSV, als auch bei der CSU zum Ehrenortsvorsitzenden ernannt wurde, sind Beweis genug für Englhards zupackende, aber nie polternde Art. Die wichtigste seiner Auszeichnungen, darunter auch das Bundesverdienstkreuz, ist dem Dachauer jedoch der Goldene Ehrenring seiner Heimatstadt. 17 Mal seit 1968 wurde diese Auszeichnung vergeben, Englhard trägt das von seinem Freund, dem Goldschmied Fred Bertl persönlich gefertigte Stück, mit Stolz.

Die Frage, ob er das Mitmischen, das Entscheiden nicht ein wenig vermisst, beantwortet er klar mit einem knappen: „Ah, woher!“ Dass er sich den ganzen Ehrenamtsstress, neben seinem Beruf als Schriftsetzer überhaupt hatte antun können, verdanke er ohnehin einzig seiner Frau: „Sie hat oft auch noch nach Ladenschluss in ihrem Familienbetrieb Romig gearbeitet, so dass ich noch Freizeit hatte.“

Dem aktuellen CSU-OB-Kandidaten Peter Strauch drückt er für die kommende Wahl aber natürlich dennoch die Daumen: „Der Peter ist mir schon früher aufgefallen, weil er immer gute Vorschläge gemacht hat“, sagt Englhard. Als er Strauch daraufhin gefragt habe, ob er denn nicht kandidieren wolle, habe dieser aber noch gesagt: „Nein, i mog ned!“ Zum Glück, glaubt der CSU-Veteran, hätten seine Parteifreunde Strauch dann aber doch noch umstimmen können.

Seinen 90. Geburtstag am kommenden Pfingstmontag will Englhard im Kreis von Familie und Freunden mit Kaffee und Kuchen bei sich zuhause feiern. Seinen Goldenen Ehrenring wird er dabei selbstverständlich tragen. Denn: Unter den Ehrenringträgern gibt es eine eherne Regel. Die besagt: „Wer den Ring nicht trägt, der muaß a Brotzeit zahlen.“

STEPHANIE ZIPFER

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