Interview mit Sebastian Scharfe

Die besten Tipps für Jungwähler

Politikexperte Sebastian Scharfe gibt im Interview Tipps für junge Wähler. Denn die sollten unbedingt ihre Stimme abgeben - mit dem Ergebnis müssen sie schließlich am längsten leben.

-Herr Scharfe, die unter 21-Jährigen machen nur einen mickrigen Anteil von unter fünf Prozent unter allen Wahlberechtigten aus. Warum ist es überhaupt wichtig, dass sie wählen gehen?

Das ist genau der falsche Ansatz. Gerade die unter 21-Jährigen leben noch sehr lange in Deutschland und deshalb sollten sie jede Möglichkeit ergreifen, ihre Zukunft zu beeinflussen. Beim Brexit hat sich gezeigt, dass danach viele junge Leute vom Ergebnis enttäuscht waren, sie haben am längsten mit dieser Entscheidung zu leben.

-Was sollten Erstwähler beachten, bevor sie wählen gehen?

Sie sollten sich überlegen: Was ist mir ganz persönlich wichtig und wo liegen meine Werte? Ich empfehle, sich zunächst diese Fragen zu stellen und erst anschließend die einzelnen Parteiprogramme in Angriff zu nehmen. Sie sollten auch versuchen, möglichst rational zu überlegen, was ist für mich und meine Mitmenschen gut? Bin ich zum Beispiel Student, macht es Sinn eine Partei zu wählen, die das BAföG erhöhen will. Mein Rat ist auch, möglichst die Emotionen bei der Wahlentscheidung außen vor zu lassen.

-Gespräche mit Eltern oder Freunden können zur Meinungsbildung beitragen. Sehen Sie eine Gefahr sich zu stark von Ihnen beeinflussen zu lassen?

Nein, eigentlich nicht. Diskussionen und Austausch sind wichtig für die Meinungsbildung. Gerade auch der Austausch zwischen den Generationen, wie zum Beispiel Kinder im Gespräch mit ihren Eltern, kann helfen, den anderen Blickwinkel zu verstehen. Natürlich sollte die Beeinflussung der Eltern nie so weit gehen, dass sie eine konkrete Wahlentscheidung vorschreiben.

-Themen, die junge Wähler ansprechen, wie Bildungspolitik, Digitalisierung oder Drogenpolitik, spielen kaum eine Rolle im Wahlkampf – oder?

Naja, die Themen haben natürlich alle Parteien in den Programmen, aber eine prägende Rolle spielen sie nicht, das stimmt. Im TV-Duell beispielsweise hat die Außenpolitik über 50 Prozent eingenommen. Die traurige Tatsache ist auch, dass bei den Parteien sicher auch gerechnet wird und die unter 30-Jährigen machen eben nur einen kleinen Teil der Wähler aus. Da muss man schon die Frage stellen, ob die Parteien die Themen nicht bewusst etwas aussparen. Dabei wäre es aus Sicht der Parteien ein gutes Investment, jetzt die jungen Wähler an sich zu binden. Etwas populistisch gesagt gewinnt man aber wohl mehr Stimmen mit der Forderung nach höheren Renten als zum Beispiel mit der Legalisierung von Cannabis.

-Finden Sie, dass die Kampagnen auf die Interessen von Erstwählern zugeschnitten sind?

Unterschiedlich. Gerade die kleineren Parteien geben sich hier mehr Mühe. Besonders die FDP-Kampagne sticht hervor, mit modernen Wahlplakaten, schnell geschnittenen Werbespots und auch Themen, die junge Leute interessieren: Bildung und Digitalisierung. Auch der Wahlwerbespots der Grünen spricht ein junges Publikum an: Hier wird mit den Stichworten Mut, Aufbruch, Veränderung gearbeitet – das spricht junge Leute an. Beide Parteien setzten mehr auf Wahlwerbung im Internet und sozialen Netzwerken, eigentlich eine Katastrophe, dass das schon als Besonderheit gilt im Jahre 2017.

Interview:Aljoscha Huber

Vor der Bundestagswahl

können sich junge Leute am Donnerstag, 21. September, um 19 Uhr im Schwabhauser Jugendzentrum informieren. Sebastian Scharfe vermittelt politische Grundlagen und beantwortet Fragen zur Wahl. 

Zur Person

Sebastian Scharfe ist 23 Jahre alt und schon viel herumgekommen. Nach dem Abitur war er drei Monate in Nepal und unterrichtete Kinder und Jugendliche in Englisch. Danach engagierte er sich für drei Monate in Südafrikas Townships für Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen. In Deutschland fing er ein Jurastudium in Erlangen an, einen Teil davon absolvierte er in den USA. Während seines Studiums engagierte er sich für das Projekt Model United Nations, in dem die Arbeit der Vereinten Nationen nachgestellt wird. 2016 war er als Teil einer Delegation bei den Vereinten Nationen in New York. Er hält Vorträge und leitet Seminare, unter anderem für die Hanns-Seidel-Stiftung, mit dem Schwerpunkt Außenpolitik, aber auch zu innenpolitischen Themen wie der Bundestagswahl. Am kommenden Donnerstag vermittelt er in Schwabhausen politische Grundlagen für junge Leute.

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