aufgelassene Tankstelle
+
„Senior Living“ statt Tankstelle: An der Augsburger Straße sollen 63 Wohnungen für ältere Menschen entstehen.

Grundstück Augsburger Straße 63 in Dachau

Betreutes Wohnen mit Aussicht

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
    schließen

Streiche Wohn- und Geschäftshaus, setze Wohnungen für Senioren: Auf dem Grundstück Augsburger Straße 63 ist Neues geplant.

Dachau – Das prominente Bauprojekt auf dem Grundstück Augsburger Straße 63 hat eine überraschende Planänderung erfahren. Statt einer allgemein zugänglichen Wohn- und Geschäftsanlage soll in dem mehrgeschossigen Gebäudekomplex nun ausschließlich „Senior Living“ in Form von 63 Wohnungen für Menschen im Alter von zirka 70 Jahren entstehen.

Vor ziemlich genau einem Jahr waren die Stadträte im Bauausschuss sehr angetan von dem, was ihnen die Dachauer Brüder Peter und Christian Schuster da präsentierten: Mit ihrer VK Wohnbau GmbH wollten sie an der Augsburger Straße 63 einen „grünen Punkt“ setzen und dabei ein „markantes Punkt-haus“ am Ortseingang bauen. Dort, wo seit Jahrzehnten eine Tankstelle samt Autowerkstatt steht, und in unmittelbarer Nachbarschaft von Polizeiinspektion und Landratsamt wollten die Brüder ein siebenstöckiges Hochhaus errichten – mit begrünter Fassade, einem ansprechenden Vorplatz sowie nach hinten ausgerichteten Gärten.

Grundstück wurde weiterverkauft

Aus diesen Plänen wird nun nichts. Wie die Bauverwaltung dem in Vertretung des Stadtrats tagenden Ferienausschuss am Mittwoch mitteilte, haben die Schusters das Grundstück weiterverkauft. Neuer Besitzer ist die im nordrhein-westfälischen Attendorn beheimatete Unternehmensgruppe „The Flag Residential Services GmbH“, die sich laut ihrer Internetseite als „Gastgeber“ sieht, der vom „Hospitality-Gedanken“ geleitet wird und „mit zahlreichen Häusern in unterschiedlichen Ländern und über 2200 hochwertigen, zentral gelegenen Apartments für ein modernes und unabhängiges Leben im urbanen Umfeld“ steht.

An den bereits von den Schusters präsentierten Entwürfen wird – rein baulich gesehen – relativ wenig verändert. Entstehen soll ein siebengeschossiger Kopfbau mit begrünter Fassade, ein sich im Westen anschließender vierstöckiger Mittelbau sowie ein dreigeschossiger Eckbau. Eine Tiefgarage soll es ebenfalls geben, in die man über die Augsburger Straße einfahren soll.

Ganz anders als in den ursprünglichen Plänen für den Komplex ist nun die Nutzung: Statt allgemein zugänglichen Wohnungen soll es nun ausschließlich Mietwohnungen für „Senioren in einem durchschnittlichen Lebensalter von 70 Jahren“ geben. Die Bewohner dieser zirka 65 Wohnungen können dazu auch Serviceleistungen in Anspruch nehmen; für die medizinische und pflegerische Versorgung steht ein externer Pflegedienstleister zur Verfügung. Die Wohnungen sollen laut Bauherr als Ein- und Zwei-Zimmer-Apartments gebaut und mit einer Küche möbliert werden; daneben sind Gemeinschaftsbereiche, ein Multifunktionsraum sowie eine öffentliche Grünfläche vorgesehen.

Aufgrund der Größe des Komplexes verpflichtet sich der Investor auch, einen „prozentualen Anteil der neu geschaffenen Wohnfläche“ entsprechend den Dachauer Grundsätzen der Baulandentwicklung „unterhalb der ortsüblichen Preise“ anzubieten. Der Rollatorraum in der Tiefgarage soll „großzügig gestaltet“ werden – auf Kosten der Autostellplätze. Kraftfahrzeuge, glaubt der Bauherr, „spielen in diesem Alter“ nämlich nur noch „eine untergeordnete Rolle“.

Bei aller Begeisterung für das Projekt konnte genau mit diesem Argument Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD) nicht viel anfangen, weshalb er darum bat, die Zufahrt zur Tiefgarage altersgerecht und damit nicht über die viel befahrene Augsburger Straße zu regeln.

Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) war der Ansicht, dass die neue Nutzung gut sei und „durchaus großen Anklang finden“ werde – schließlich könne sich nicht jeder Rentner „ein teures Stift leisten oder sich irgendwo einkaufen“. Lediglich was die Architektur betrifft, speziell der siebenstöckige Turm, sah Schmidt-Podolsky aufgrund der „gewissen Neuartigkeit“ Stoff für Diskussionen.

Den sah auch Jürgen Seidl (FDP), der, anders als der Rest des Gremiums, daher den Plänen nicht zustimmen wollte. Neben der Höhenentwicklung führte er auch ins Feld, dass der Standort der Seniorenwohnanlage „nicht der allerbeste“ sei: „Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten sind weit weg, das ist am Rande der Stadt.“

Dass sich angesichts der Tatsache, dass es auch auf dem zentraleren MD-Gelände künftig Seniorenwohnungen geben soll, eine andere Nutzung für das Grundstück an der Augsburger Straße besser eignen würde, fand schließlich auch Thomas Kreß (Grüne): Statt Seniorenwohnungen hätte er dort „preisgünstige Wohnungen für junge Familien“ besser gefunden.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare