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Die Polizei musste bei einer Prügelei auf der B471 einschreiten

Memminger Verkehrsrowdy vom Dachauer Amtsgericht verurteilt – Mit Knüppel auf Brummifahrer losgegangen

Bewährungsstrafe für wüste Prügelei auf der B 471

Eine Prügelei auf der Bundesstraße hatte jetzt ein gerichtliches Nachspiel.

Dachau – Fast auf den Tag genau vor einem Jahr spielte sich auf der B 471 in Richtung Fürstenfeldbruck auf Höhe der Anschlusstelle Dachau-Süd eine „Wildwest-Szene“ zwischen zwei Autofahrern ab. Ein damals 58-jähriger Memminger hatte sich mit seinem Fiat Ducato kurz vor dem Ende der zweispurigen Fahrbahn hupend vor einen Lkw-Fahrer aus Moldawien gedrängt. Beide stiegen aus, es flogen die Fäuste, der Memminger schlug mit einem Schlagstock zu. Dann klickten die Handschellen, denn eine zufällig vorbeifahrende Einheit der Bereitschaftspolizei griff ein.

Am Amtsgericht Dachau wurde der Vorfall jetzt verhandelt. Auf der Anklagebank saß der Memminger, dem gefährliche Körperverletzung vorgeworfen wurde. Der Moldawier konnte in seinem Heimatland nicht ermittelt werden.

Fünf Zeugen hatte der Vorsitzende Richter Christian Calame geladen. Einer hatte den Vorfall teilweise gefilmt. Nach den Zeugenaussagen stand für Staatsanwalt Dominic Pichler und Richter Calame fest, dass der Angeklagte nicht aus Notwehr gehandelt hatte, wie er behauptet hatte, sondern vielmehr der Initiator der Prügelei mitten auf der Bundesstraße war.

Fest stand für das Gericht der Sachverhalt vor allem dank der Zeugenaussage eines Monteurs, dem der Memminger bereits auf der A 92 aufgefallen war. „Der ist viel zu schnell durch eine 60er-Zone gerast, das war Wahnsinn“, gab der 57-Jährige zu Protokoll. Die Szenen, die folgten, habe er „mein Lebtag nicht gesehen“. Denn der Angeklagte preschte auf der B 471 nicht nur an ihm und weiteren Autos vorbei, sondern scherte gar auf die Gegenspur über die durchgezogene Linie aus, um sich dann hupend vor das letzte Fahrzeug reinzudrängeln – den Lkw des Moldawiers. Offenbar hatte der Memminger keine Lust, sich normal in den zähflüssigen Verkehr einzureihen.

Der Lkw-Fahrer aus Moldawien stieg daraufhin aus und schlug – zumindest behauptete das der Angeklagte – mit seinem Ellbogen gegen den Ducato. Um „nachzuschauen“, sei er ausgestiegen, erzählte der Memminger. Der erste Faustschlag sei dann vom Moldawier gekommen, so Karlheinz B. Er will sich nur gewehrt haben.

Zeugen widersprechen Notwehr-Version

Zeugen behaupteten jedoch, dass B. aus dem Ducato gestürmt sei und sofort mit einer Art Stock auf den Lkw-Fahrer eingeschlagen habe. „Das war ein Gummiknüppel, den hab ich mal gefunden, und bevor ihn ein anderer mitnimmt, hab ich ihn halt mitgenommen“, rechtfertigte sich der Angeklagte gegenüber Richter Calame, der sich gewundert hatte, warum jemand einen Gummiknüppel im Auto hat.

Die damalige Beifahrerin von Karlheinz B. litt derweil am Amtsgericht unter starken Erinnerungslücken. Denn weder will sie etwas vom Überholmanöver, noch von der Prügelei mitbekommen haben. „Als Beifahrer schau ich nicht, was der Fahrer macht“, argumentierte die Zeugin (59). Ihr sei es an dem Tag sowieso schlecht gegangen. Trotzdem war sie damals zu B., den sie angeblich nur flüchtig kennt, in den Kleintransporter gestiegen, um ein Motocross-Motorrad in der Nähe von Regensburg anzuschauen.

Dafür waren die anderen Zeugenaussagen und die Videoaufnahmen eines 50-jährigen Aichachers so aussagekräftig, dass Richter Christian Calame dem Antrag von Staatsanwalt Dominic Pichler folgte und den Memminger wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstraße von sieben Monaten verurteilte. Als Bewährungsauflage muss er 500 Euro an das Kinderhospiz München zahlen.

Verurteilter kann Führerschein nicht abgeben

Den Führerschein muss er für acht Monate abgeben. Oder besser gesagt müsste, denn der Verurteilte gab an, dass dieser in Tschechien liege. In dem Land, in dem der Memminger geboren wurde, bevor sein Vater sich „verpisste“, sich seine Mutter entschloss, mit den Kindern nach Deutschland zu ziehen und eine „unbeschwerte und glückliche Kindheit endete“, so B. verbittert.

Der Moldawier war nicht zu ermitteln gewesen. Ein angeblich gezücktes Messer war nicht Gegenstand der Verhandlung. B. meinte, dies sei sowieso sehr klein gewesen, denn er sei ja schließlich „kein Araber, der ein Messer dabei hat“. Auch gegenüber dem moldawischen Lkw-Fahrer hatte er ausländerfeindliche Vorurteile geäußert. Karlheinz B. nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an, obwohl er sich nur zu „30 Prozent“ schuldig fühle. Richter Calame meinte, dass es besser gewesen wäre, wenn B. nicht ausgestiegen wäre. Die Antwort darauf hatte der Memminger schon bei seiner Einlassung gegeben. „Ich bin auch nur ein homo sapiens. Entweder flüchten oder zuschlagen“. Einfach sitzenbleiben und dem Streit aus dem Weg gehen, gehört wohl nicht zum Verhaltensspektrum des homo sapiens B.

sim

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