Landtagspräsidentin Ilse Aigner mit (v.l.) Landrat Stefan Löwl, Carlos Benede und MdL Bernhard Seidenath.
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Stattete dem Jugendheim der Weitblick Jugendhilfe einen Besuch ab: Landtagspräsidentin Ilse Aigner mit (v.l.) Landrat Stefan Löwl, Carlos Benede und MdL Bernhard Seidenath.

Landtagspräsidentin Ilse Aigner besucht die Weitblick Jugendhilfe in Dachau – Neues Projekt in Erdweg

Bewundernswerter Einsatz für gebrochene Seelen

Um einen Scheck zu übergeben, aber auch die Einrichtung Weitblick Jugendhilfe in Dachau kennenzulernen, war Landtagsspräsidentin Ilse Aigner gekommen.

Dachau – Da wo andere aufgeben, fängt die Arbeit der Weitblick Jugendhilfe erst an. 2012 nahmen Carlos Benede, Siegfried Hofer und weitere Sponsoren viel Geld in die Hand, um einen Traum zu realisieren – den Traum, verloren geglaubte Jugendliche in die Gesellschaft zu integrieren. Nun zeigten sie der Landtagspräsidentin Ilse Aigner, was sie bisher erreicht haben – und welche Pläne sie noch haben.

Kinder und Jugendliche aus schwierigsten Familienverhältnissen. Opfer von Misshandlungen, Gewaltverbrechen, Missbrauch – gebrochene Seelen, die ein traumatisches Erlebnis verkraften müssen, die keine Liebe erfahren haben, keinen Halt. Die nicht wissen, was Familie eigentlich bedeuten kann. Diese Jugendlichen wandern von einem Heim zum anderen, von einer Pflegefamilie zur nächsten. Überall fliegen sie wieder raus, sie können sich weder integrieren, noch an Regeln halten. Sind oftmals gewalttätig, nehmen Drogen.

Carlos Benede fasste 2012 den Entschluss, diesen Kindern und Jugendlichen ein neues Zuhause, eine Lebensperspektive zu geben. Zusammen mit Siegried Hofer und weiteren Mitstreitern kaufte er das ehemalige Hotel Aurora in der Roßwachtstraße und baute es um. Der Verein Weitblick Jugendhilfe wurde gegründet, von Anfang an unterstützt vom Landkreis Dachau sowie weiteren Sponsoren.

Carlos Benede arbeitete damals noch als Kriminalbeamter. Im Laufe seiner Karriere adoptierte er im Abstand von wenigen Jahren zwei Buben – die beide hatten mitansehen müssen, wie ein Elternteil ermordet worden war. Traumatisierte Kinderseelen, die dank ihm wieder lachen konnten, geliebt wurden, Halt fanden. Als die Doppelbelastung – Kriminalpolizei und Weitblick – zu groß wurde, entschied sich Benede für den Weitblick.

Unterstützt vom pädagogischen Leiter und Vorstand Siegfried Hofer, weiteren Vorstandskollegen und einem Team aus erfahrenen und leidenschaftlichen Pädagogen kann die Weitblick Jugendhilfe auf eine erfolgreiche Zeit zurück- und genauso nach vorne schauen. Alle 15 Jugendlichen, die derzeit in der Einrichtung leben, haben einen Platz in der Gesellschaft gefunden, sei es mit Ausbildung, Schule oder anderen Maßnahmen. Jugendliche, die zum Teil jahrelang keine Schule mehr besucht, alles verweigert hatten, was man ihnen angeboten hatte.

Neues Projekt in Eisenhofen

In Erdweg, Ortsteil Eisenhofen, entsteht derzeit ein neues Projekt. Ein Haus für eine Wohngruppe für Kinder von sieben bis 14 Jahren. Das Besondere daran ist, dass das alte Landhaus von den Jugendlichen selbst mitsaniert wird. In der neu erworbenen Schreinerei der Weitblick Jugendhilfe haben diese ein einjähriges Praktikum absolviert und jetzt im September eine Lehre zum Schreiner und Fachpraktiker im Holzhandwerk begonnen. Landtagspräsidentin Ilse Aigner war deshalb extra nach Dachau gekommen, um mit einem Sternstunden-Spendenscheck in Höhe von 10 000 Euro dieses Projekt zu unterstützen. In Anwesenheit zahlreicher Gäste aus Politik, Kultur und den Kirchen, betonte Aigner, dass sie selbstständig in Kontakt mit „schwierigen Schicksalen“ stehe. „Es ist wert, um jeden zu kämpfen“, betonte die Landtagspräsidentin, die sich bei einem Rundgang durch die Einrichtung einen Überblick verschaffte.

Landrat Stefan Löwl betonte, dass der Landkreis froh sei, diese Einrichtung hier zu haben. Auch wenn die Jugendlichen oft lange Zeit keine Hilfe zuließen, gebe das Team von der Weitblick Jugendhilfe nie auf. „Ihr lasst euch nicht frustrieren“, sagte Löwl bewundernd.

Vorstand Siegfried Hofer brach eine Lanze für sein Team und betonte, dass die Arbeit für alle eine „Herzensangelegenheit“ sei. Das gesamte Team kommt ohne einen Katalog von Regeln aus. Es gelten nur zwei, die das komplette Leben regeln: keine Gewalt und keine Drogen.

sim

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