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Ein Loblied auf die Kartoffel: OB Florian Hartmann bei der Eröffnung. 

Die Kartoffel im Mittelpunkt einer Ausstellung

Vom Teufelszeug zum Sattmacher

Das Bezirksmuseum Dachau widmet der Kartoffel eine eigene Ausstellung. Hier erfährt der Besucher alles über Geschichte, Anbau und Zubereitung der Kartoffel und darf selbst Hand anlegen.

Dachau – 55 Kilogramm Kartoffeln isst ein Deutscher im Schnitt jährlich. Früher waren es mehr. Denn vom Tierfutter avancierte die Knolle schnell zur Allzweck-Antihunger-Waffe vor allem für die arme Bevölkerung. „Die Kartoffel hat eine lange und keineswegs uninteressante Geschichte“, sagte Oberbürgermeister Florian Hartmann bei der Eröffnung im Bezirksmuseum. Deshalb sei es nicht verwunderlich, dass der Knolle gleich eine ganze Ausstellung gewidmet worden sei. „Sie wird Sie an der ein oder anderen Stelle überraschen“, versprach Hartmann den rund 100 Besuchern.

Der Anbau der Kartoffel in Deutschland breitete sich zunächst äußerst zögerlich aus. Die Bauern waren lange gegenüber den „Erdäpfeln“ misstrauisch. Wegen ihrer Unkenntnis über Anbau und Zubereitung wurde die Kartoffel gar als „Teufelszeug“ beschimpft. „Das Wissen ging über das Meer verloren“, erklärte Hartmann. Über dieses kam die Kartoffel nämlich von den Inkas nach Europa.

Auch wenn französische Botaniker bereits im 18. Jahrhundert über den Nutzen der Kartoffel Bescheid wussten, war es erst König Friedrich II von Preußen, der für die Durchsetzung der Kartoffel als Ackerfrucht in Deutschland sorgte. „Er verlieh durch Dekrete und Anweisungen an den Bauern, wie man die Kartoffel anbaut und zubereitet, den notwendigen Nachdruck“, informierte Hartmann bei der Einführung.

In Bayern war es der Verdienst von Benjamin Thompson, auch bekannt als Graf Rumford. Der Amerikaner in Diensten des bayerischen Kurfürsten Karl Theodor war beauftragt, die Ernährungslage der bayerischen Soldaten zu verbessern. Über diesen Umweg „erfand“ Rumford die später nach ihm benannte Rumfordsuppe, die nicht zuletzt den Ruf der Kartoffel als Arme-Leute-Speise festlegte. Mittlerweile weiß jeder: Die Kartoffel ist ein „sättigendes, kalorienarmes und vitaminreiches Lebensmittel“, zählte Hartmann auf.

Sie wurde mittlerweile auch von der „hohen Küche“ entdeckt. Pommes, Püree, Knödel, Suppe, Klopse, Chips, Seife, Geschirr, Tüten – all diese Kartoffelvariationen liegen in einem Schaukasten im letzten Raum der Ausstellung. Diese Auswahl soll vor allem zeigen, wie vielfältig die Kartoffel sowie ihre enthaltene Stärke einsetzbar ist. So wurde schon 1980 biologisch abbaubares Einmalgeschirr aus Kartoffelstärke hergestellt.

Mit diesem Wissen fällt die Antwort auf die Frage schwer: „Welche zwei Lebensmittel im Schaukasten enthalten keine Kartoffel?“ Die Ausstellung regt mit verschiedenen Stationen zum Mitmachen und Nachdenken an. Kartoffelpuppen selbst basteln, durch Sprichwörter mit Kartoffeln blättern, im Puppenhaus fertige Kartoffel-Gerichte zählen und viele weitere Aufgaben machen die Ausstellung zu einer Familienausstellung für Groß und Klein.

Die Kartoffel wird am Anfang der Räume in ihrer Botanik – von der Blüte bis zur Knolle – erklärt, in der Mitte erfährt man etwas über Herkunft, Verbreitung und Geschichte und zuletzt blickt man hinter die Kulissen einer Packstation eines Dachauer Biobetriebes der Moderne.

Das Bezirksmuseum wäre nicht das Bezirksmuseum, hätte es nicht auch alte, bäuerliche Gerätschaften aus dem 19. Jahrhundert, Öl-Gemälde und alte Zeitschriften und Bücher zur Ansicht bereitgestellt. Das meiste davon sind Leihgaben der Otto-Eckart-Stiftung. Eckarts Sohn Werner gründete 1949 das Unternehmen Pfanni-Werk Otto Eckart, die bekannt für ihren fertigen Kartoffelknödel-Teig waren.

Die Ausstellung „Die Kartoffel“ im Bezirksmuseum Dachau ist noch bis 26. Januar 2020 zu sehen. Öffnungszeiten sind: Dienstag bis Freitag von 11 bis 17 Uhr sowie Samstag, Sonntag und Feiertag von 13 bis 17 Uhr. Die nächste offene Führung durch die Ausstellung findet am 5. Mai um 14 Uhr statt. Kosten: drei Euro zuzüglich Eintritt.

mik

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