Garten unter Wasser: Der Dammbaukunst der Biber hatte es Erika Fischer aus Inhausermoos im vergangenen Herbst zu verdanken, dass die Moosach um ein Haar ihr Haus überschwemmte. Foto: Archiv/Habschied

Biberberaterin des Landkreises zieht Bilanz

„Lassen wir ihn werkeln“

Biber sind des „einen Freud, des anderen Leid“, sagt die Biberberaterin des Landkreises, Barbara Karcher. Im Rahmen eines Infoabends versuchte sie nun, Verständnis für beide Seiten zu gewinnen und berichtete von ihrer Arbeit für und mit dem Nager.

Dachau – Sie haben das dichteste Fell in der Tierwelt, messerscharfe Zähne, wiegen bis zu 35 Kilogramm und sind hervorragende Architekten. Die Rede ist natürlich von Bibern, deren Population im Landkreis stetig wächst. Zwischen 600 und 700 Tiere leben bereits im Kreis Dachau. Über die Nager hat Biberberaterin Barbara Karcher in einem Vortrag mit dem Titel „Der Biber – des einen Freud, des anderen Leid“ in der Gaststätte „Drei Rosen“ referiert.

Während sich Naturfreunde über die Rückkehr des einst beinahe ausgerotteten Tieres freuen, löst dessen Vermehrung nicht nur Begeisterung aus. Der Grund für den Missmut ist die rege Bautätigkeit der Biber, die mit ihren Dämmen ganze Felder oder Wege überschwemmen können. Zudem unterminieren sie die Böschungen der Gewässer, wodurch diese Bereiche zu einer Gefahr für die Landwirte mit ihren schweren Fahrzeugen werden.

Da Biber aber streng geschützt sind, ist „ein Abschuss nur im absoluten Ausnahmefall erlaubt“, wie die Biberberaterin betont. Sie und ihre zehn Kollegen im Landkreis bemühen sich deshalb um Lösungen, die sowohl die betroffenen Landwirte zufriedenstellen, als auch das Fortleben der Tiere ermöglichen.

Grundlage für ihr Vorgehen ist ein Vier-Säulen-Programm aus Prävention, Beratung, Aufklärung und als letzte Option: der Abschuss der Tiere. Und trotz aller gegenteiliger Bemühungen mussten im vergangenen Jahr 17 Abschussgenehmigungen erteilt werden, von denen 15 umgesetzt wurden.

Bevor aber das Mittel des Abschusses gewählt wird, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Schäden durch die Tiere zu begrenzen: Bäume werden mit einem Verbissschutz versehen, Dämme entfernt und Drainagen verlegt. „In der Regel reichen diese Maßnahmen aus“, bestätigt Karcher und merkt noch an: „Die Zerstörung der Burgen ist bei uns aber streng verboten!“

Zusammen mit ihren Kollegen kämpft sie dafür, dass Biber nicht als „Problemtiere“ wahrgenommen werden. Indem sie Betroffene in besonders schwierigen Fällen berät und sich um Entschädigungszahlungen kümmert, konnte sie die Akzeptanz der Tiere bereits erheblich steigern. „Anfangs war es ein bisschen schwierig, aber grundsätzlich klappt die Zusammenarbeit mit den Landwirten sehr gut“, so Karcher.

Neben der Klärung der materiellen Fragen will sie aber auch das Verständnis für die Nager schärfen. „Sie sind sehr soziale Tiere, die sich hingebungsvoll um ihre Jungen kümmern“, beschreibt sie das Familienleben der Biber. Und bei allen Querelen um Überschwemmungen wird oft vergessen, dass die Tiere auch einen positiven Einfluss auf die Artenvielfalt haben, wie die Biberexpertin schildert: „An der Amper haben Biber ein Wäldchen unter Wasser gesetzt. Dort hat sich ein völlig neuer Naturraum gebildet und es gibt wieder Eisvögel, Libellen und andere Insekten.“

Für die Zukunft stellt sich die Frage, ob die Biberpopulation weiter wachsen wird. „Eigentlich ist so gut wie jeder Platz belegt, und wir hoffen, dass sich die Zahl der Biber mittlerweile eingependelt hat“, so Karcher und äußert noch einen Wunsch: „Wir können uns mit dem Biber arrangieren, und wo Platz ist, sollte man ihn werkeln lassen.“

Thomas Benedikt

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