Heute noch ein verwilderter Garten, in einem Jahr ein gepflegter Biergarten: Auf der Fläche hinter der neuen Wohnanlage am Schlossberg sollen bald Gäste bewirtet werden. Offen ist noch die Frage, wer den Garten bewirten soll. hab
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Heute noch ein verwilderter Garten, in einem Jahr ein gepflegter Biergarten: Auf der Fläche hinter der neuen Wohnanlage am Schlossberg sollen bald Gäste bewirtet werden. Offen ist noch die Frage, wer den Garten bewirten soll.

Eine Förderung des bayerischen Bauministeriums macht‘s möglich

Gute Nachricht für die Dachauer Altstadt: Biergarten am Schlossberg öffnet im Frühjahr

  • Stefanie Zipfer
    VonStefanie Zipfer
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Die ehemalige Schlossbergbrauerei war einer der letzten Schandflecken der Dachauer Altstadt. Jetzt aber kehrt Leben zurück in das Areal: Die Wohnanlage im früheren Brauereihauptgebäude ist so gut wie fertig, und der Biergarten dahinter soll im kommenden Frühjahr wiedereröffnet werden.

Dachau – Das kommt selten vor im Stadtrat: Am Dienstag setzte es – parteiübergreifend, wohlgemerkt! – Applaus für die Kollegen des Bauamts. Kein Wunder, die Bauverwaltung hatte in einer Hauruck-Aktion einen Antrag zusammengezimmert, um sich für das im Mai vom bayerischen Bauministerium aufgelegten Förderprogramms „Innenstädte beleben“ zu bewerben. Das Argument der Dachauer: Was, wenn nicht ein Bürgerbiergarten am Schlossberg, in der Altstadt, würde mehr das ministeriale Ziel „eines aktiven Handelns gegen die Auswirkungen des Corona-Lockdowns“ besser verkörpern?

Das Ministerium war schnell überzeugt, wie Bürgermeister Florian Hartmann daher am Dienstag stolz berichtete. Von den geschätzten Gesamtkosten der Maßnahme, zirka 185 000 Euro, will das Ministerium nun 144 000 Euro übernehmen. „Eine super Geschichte“, wie Hartmann findet.

Nach den Plänen der Stadt soll der Biergarten im kommenden Frühjahr schon eingeweiht werden. Damit geht eine lange Zeit des Leerstands und des Wartens zu Ende. Denn schon seit 2000 wird in der Schlossbergbrauerei kein Bier mehr gebraut. Die Gaststätte und der knapp 1000 Quadratmeter große Biergarten sind seit 2009 geschlossen. Im Jahr 2014 wurde die ehemalige Flaschenabfüllerei abgebrochen, seit drei Jahren läuft der Umbau des Brauereihauptgebäudes in ein Mehrparteienwohnhaus.

Erste Hoffnungen, dass die Dachauer eines fernen Tages vielleicht doch wieder ein kühles Bier am Schlossberg, unter den schattigen Linden, Buchen, Eichen und Birken, würden trinken können, kamen dann im Jahr 2018 auf. Zwar hatte die Eigentümerin des Grundstücks, die Sedlmayr Grund- und Immobilien KGaA, schon im Jahr 2012 versprochen, der Stadt den ehemaligen Biergarten zu überlassen, aber erst sechs Jahre später wurde diese Zusage verbrieft (wir berichteten). Auf der Fläche, die seitdem der Stadt gehört, ist laut Bebauungsplan eine Parkanlage, ein Spielplatz oder eben ein Bürgerbiergarten möglich.

Mit der staatlichen Förderung ist nun die Umsetzung des Biergartentraums – trotz notorischer Geldnot – möglich. Unter Bürgerbiergarten verstehen die Verantwortlichen dabei „eine öffentliche Grünfläche, die mit Sitzbänken und Tischen bestückt ist. Ein mobiler Ausschank und die Ausgabe von kalten Speisen sind möglich sowie mobile Toiletten können aufgestellt werden“.

Was den Lärmschutz der Nachbarn betrifft, ist man laut Bauamt gerade dabei „auszuloten, was möglich ist“. „Wahrscheinlich“, sagt Bauamtsleiter Moritz Reinhold, dürfte der Biergarten bis 22 Uhr abends geöffnet werden. „Sicher“ aber sei, dass mehr als 100 Personen, denen auch freigestellt ist, sich ihre Brotzeit selbst mitzubringen, im Biergarten Platz finden.

CSU-Stadträtin Gertraud Schmidt-Podolsky ist begeistert von dem Konzept: Gerade in Coronakrisenzeiten „müssen viele Familien sorgsam mit ihrem Einkommen umgehen“, gleichzeitig bräuchten die Dachauer aber auch weiterhin „Freiräume“. Sören Schneider (SPD) hofft nun „dass wir einen Betreiber für den Ausschank finden“. Die endgültige Vergabe der Bewirtung soll im kommenden Winter stattfinden und das Eröffnungsfest laut Stadt „mit künstlerischem Beitrag“ erfolgen.

Blieb am Ende nur noch die Frage nach den Parkplätzen für die Gäste. OB Hartmann verwies auf die Fläche am Schlossplatz. Ansonsten aber riet er zu Radl oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Denn: „Nach einer Mass Bier sollte man eh nicht mehr Auto fahren.“

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