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Bayerische Schweinebauern kämpfen um ihre Existenz: Verband schlägt Alarm - „Situation ist dramatisch“

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„Wir wollen einen angemessenen Preis für unsere Ware!“ Ludwig und Michael Wittmann aus Ampermoching schildern die dramatische Situation für Schweinehalter. sim
„Wir wollen einen angemessenen Preis für unsere Ware!“ Ludwig und Michael Wittmann aus Ampermoching schildern die dramatische Situation für Schweinehalter. © Simone Wester

Schweinebauern verdienen kaum noch etwas mit ihren Produkten. Ludwig Wittmann aus Gänsstall bei Ampermoching beschreibt den Kampf um ihre Existenz.

Landkreis – Der Bayerische Bauernverband schlägt Alarm: „Die Situation der Schweinehalter ist dramatisch“, so Simon Sedlmair, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, in einer Pressemitteilung. „Katastrophale Erzeugerpreise, hohe Kosten, ständig wachsende Anforderungen beim Tierwohl, fehlende Planungssicherheit für Investitionsentscheidungen, unüberbrückbare Hindernisse bei Stallbaugenehmigungen“ – damit kämpfen die Schweinebauern.

Schweinebauern in Bayern: Bauernverband schlägt Alarm - „Situation ist dramatisch“

In den vergangenen zehn Jahren hat sich deren Zahl auch im Landkreis Dachau drastisch reduziert. „Insgesamt sind es nur noch fünf Ferkelerzeuger und zehn reine Mastbetriebe, die sich noch halten können“, so der BBV. Gab es im Jahr 2013 noch 28 Zuchtsauhalter, waren es dieses Jahr nur noch 13 (Stand Mai 2021).

„In ganz Deutschland gab es die letzten drei Jahre ein Viertel weniger Schweine“, weiß der 56-jährige Ludwig Wittmann aus Gänsstall, der zusammen mit seiner Frau Josefine und seinem Sohn Ludwig in fünfter Generation den Hof, den er von seinen Schwiegereltern übernommen hat, betreibt. 1970, als die Wittmanns den Betrieb von Rinder- und Schweinehaltung auf reine Schweinehaltung umstellten, konnte die Familie davon noch gut leben.

Auch wegen Corona Rückgang von Schweinefleisch-Nachfrage

Das Pandemiejahr 2020 ist aufgrund der vielen abgesagten Feste, Feiern und Großveranstaltungen, ein weiterer Grund für den Rückgang der Nachfrage nach Schweinefleisch. Auch der Ausbruch der afrikanischen Schweinepest in Deutschland und dem damit verbundenen Importstopp in China und Südkorea, dem stärksten Absatzmarkt für Schweinefleisch, macht den Schweinebauern enorm zu schaffen.

Das Fleisch der Schweine von Familie Wittmann landet zu 75 Prozent bei regionalen Metzgern. Die Wittmanns haben auf Haltungsstufe 2 umgestellt. Das bedeutet: Die Schweine bekamen mehr Platz, außerdem bleiben die Ferkel der momentan 80 Muttersäue 28 Tage lang bei der Mutter und kommen dann erst in den Maststall.

Die Wittmanns würden sogar auf Haltungsstufe 3 umstellen – 30 Prozent mehr Platz in den Schweinemastbuchten und Auslauf im Freien – , doch dafür müsste die Familie Wittmann einen sechsstelligen Betrag investieren. Und dafür will sie „Planungssicherheit“.

Schweinebauern in Bayern: Kritik an Aldi „Damit können wir nicht viel anfangen“

„Aldi zum Beispiel gibt immer nur für drei Jahre Zusagen, damit können wir nicht viel anfangen“, ärgert sich Ludwig Wittmann. Dazu kommen immer mehr Anforderungen, behördliche Auflagen und Kontrollen, die mit mehr Kosten verbunden sind – all das tragen die Wittmanns mit, auch wenn sie nicht alles nachvollziehen können. Denn aufgeben wollen sie nicht. Im Gegenteil: Sie wollen investieren und von dem Ertrag ihrer Arbeit leben können. „Wir wollen keine Subventionen. Wir wollen lieber einen angemessenen Preis für unsere Ware“, so Wittmann.

Schweinebauern kämpfen um Existenz: „Momentan arbeiten wir praktisch umsonst“

Der Preis für ein Kilo Schweinefleisch liegt momentan bei nur noch 1,20 Euro das Kilo. „Wir bräuchten aber 1,70 Euro. Momentan arbeiten wir praktisch umsonst“, schildert Ludwig Wittmann die Situation. Trotzdem will Familie Wittmann nicht nur weitermachen, sondern besser werden.

Sie verfüttern hochwertiges und gentechnikfreies Futter, das überwiegend aus der Region stammt. „Unsere Tiere sind gesund, darauf achten wir“, versichern Vater und Sohn unisono. „Mit kranken Tieren würden wir uns ja auch selber schaden“, sagt der 32-jährige Landwirtschaftsmeister Michael Wittmann, der auch dafür sorgt, dass seine Tiere bis zur Schlachtung maximal 100 Kilometer transportiert werden.

Dramatische Lage für Schweinebauern: Bald noch mehr Fleisch aus anderen EU-Ländern?

Laut einer aktuellen Umfrage von „agrarheute“ überlegen etwa 80 Prozent der Schweinehalter, ob sie überhaupt weitermachen sollen oder planen bereits den Ausstieg. Und dann landet vermutlich noch mehr Fleisch aus anderen EU-Ländern auf deutschen Tellern. „Wenn sie heute Grillfleisch im Supermarkt kaufen, ist das meistens aus Spanien“, weiß Schweinehalter Ludwig Wittmann. Es liegt also – wie immer im Bereich Lebensmittel – am Kaufverhalten der Verbraucher. Simone Wester

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