Ein mobiles Blitzgerät fotografiert auf einer Bundesstraße Fahrzeuge mit überhöhter Geschwindigkeit.
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An der Theodor-Heuss-Straße in Dachau stand über mehrere Tage ein Blitzer. (Symbolbild)

„Es geht um die Sicherheit!“

Warum die Stadt Dachau auch im Lockdown Blitzgeräte aufstellt

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Über mehrere Tage stand ein Blitzer an der Theodor-Heuss-Straße. Darüber ärgerte sich der Dachauer Klaus S. und fragte, ob es hier wirklich um die Sicherheit gehe.

Dachau – Wer es in der vergangenen Woche eilig hatte in der Theodor-Heuss-Straße, riskierte eine Geldbuße. Mehrere Tage lang hatte die Stadt nämlich auf Höhe von Grund- und Montessorischule einen Blitzer aufgestellt, der die Einhaltung der Tempo-30-Regel an der Stelle kontrollieren sollte.

Für Klaus S. aus Dachau war der Blitzer ein Ärgernis: „Geht es da wirklich um die Sicherheit oder leider doch nur um das Geldverdienen?“, fragt er. Die Antwort gibt er sich gleich selbst: „In diesem Fall zeigt sich leider das wahre Gesicht der Verkehrsüberwachung in Dachau, denn die Schulen sind im Moment geschlossen. Die verantwortliche Behörde sollte das eigentlich wissen.“

Josef Hermann, für die Verkehrsüberwachung der Stadt zuständiger Hauptamtsleiter im Rathaus, will sich die Kritik S. nicht gefallen lassen. Natürlich habe man darüber nachgedacht, das Tempo-30-Schild an der Stelle – wie in Ferienzeiten üblich – umzuknicken und damit dem Verkehr temporär Tempo 50 zu erlauben. Allerdings seien trotz Lockdown immer noch Kinder an den Schulen und im Kinderhaus – Stichwort Notbetrieb – und zweitens seien die politischen Entwicklungen im Hinblick auf Corona „nicht berechenbar“. Die Beschilderung kurzfristig zu ändern, so Hermann, sei daher nie ernsthaft in Frage gekommen.

Dass die Stadt an der Stelle daher weiterhin den Verkehr kontrolliert, so Hermann, habe nichts mit Geldverdienen zu tun, sondern schlicht mit der Verkehrssicherheit der Schulkinder.

Auch Alexander Steinhard von der Polizei Dachau widerspricht dem Eindruck, dass es den Behörden bei ihren Blitzaktionen um Geld gehe. Während die Stadt sich um den innerörtlichen Verkehr kümmert, kontrollieren die Polizei Dachau sowie die Verkehrspolizei Fürstenfeldbruck die Straßen außerhalb der Großen Kreisstadt – auch im Lockdown. „Nur weil gerade weniger Verkehr ist wegen Corona, darf ich ja trotzdem nicht mit 70 durch den Ort“, betont Steinhard. Die Stelle an der Theodor-Heuss-Straße zu kontrollieren, mache wegen des Fußgängerüberwegs und der vielen Kinder Sinn: „Die Schule ist geöffnet, wir haben keine Ferien. Da kann man sicher nicht von Abzocke sprechen.“

Dass die Behörden für ihre Arbeit kritisiert werden, kennt er aber nur zu gut. Gerade in Coronazeiten würden die Kollegen, die Tempo- oder Alkoholsünder aus dem Verkehr zögen, oft gefragt: „Habt ihr eigentlich nix Besseres zu tun?“ Aber ein betrunkener oder ein nicht angegurteter Autofahrer sei auch in Pandemiezeiten gefährlich.

Apropos Pandemie: Die Überwacher des ruhenden Verkehrs in Dachau sowie die Polizeiinspektion tragen Corona durchaus Rechnung. „Wir haben unseren Fokus verlagert“, so Steinhard. Auch die Knöllchen-Schreiber in Dachau würden derzeit neben Falschparkern auch Masken-Verweigerer oder Abstands-Sünder verwarnen, betont Hermann.

Die gute Nachricht: Die Androhung der Stadt, Autos ab sofort kostenpflichtig abschleppen zu lassen, die im absoluten Halteverbot stehen (wir berichteten), scheint beeindruckt zu haben. Bislang, so betonten Hermann und Steinhard, sei es noch nicht vorgekommen, dass ein Fahrzeug habe abgeschleppt werden müssen. Die Autofahrer, so Steinhard, „halten sich tatsächlich an die Regeln“.

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