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Moderator Tilmann Schöberl hatte die vier Politiker bestens im Griff.

„Jetzt red i“ in Dachau

Ein Aufreger und viele Versprechen

Wo sonst Theaterstücke aufgeführt werden, war am Mittwochabend ein TV-Studio aufgebaut. Im ASV-Theatersaal war die BR-Sendung „Jetzt red i“ zu Gast – mit einer Wahlarena, in der die rund 100 Zuschauer die Politiker kurz vor der Wahlmit Fragen löchern konnten.

Dachau– Am Mittwochabend wurde der ASV-Theatersaal für eine Dreiviertelstunde zur Wahlarena: Rund 100 Interessierte, unter ihnen auch Lokalpolitiker, konnten Fragen stellen – an den CSU-Abgeordneten Wolfgang Stefinger (CSU), die Vorsitzende der Bayern-SPD Natascha Kohnen, den Grünen-Abgeordneten Dieter Janecek sowie Nicole Gohlke, sie sitzt für die Linken im Bundestag. Josef Burgstaller kritisierte via Internet, dass die AfD nicht eingeladen worden war. Die Begründung des BR: Für die Sendung wurden nur Parteien aus dem aktuellen Bundestag ausgewählt.

Tilmann Schöberl wird noch kurz abgepudert, zwei Mitarbeiter polieren mit einem Wischmopp das „Jetzt red i“-Logo vor dem Podium – und schon ist Dachau live im Fernsehen.

Politik für die Jugend

Von wegen Politikverdrossenheit bei der Jugend: Die erste Frage stellte Berkay Kengeroglu, der Sprecher des Jugendrats Dachau: „Warum wird die Jugend in Ihrer Politik so wenig berücksichtigt?“ Kohnen (SPD) bestritt das. Sie wolle befristete Arbeitsverträge aufheben, die Arbeitgeber vor allem jungen Leuten anbieten. Auf die Frage, ob Stefinger (CSU) ein einheitliches Bildungssystem für ganz Deutschland haben wolle, sagte er darauf lediglich: „Die anderen Bundesländer sollen sich an Bayern orientieren.“

Die Mietproblematik

Im Großraum München explodieren die Mietpreise, in Dachau sind sie in den vergangenen zehn Jahren um rund 17 Prozent angestiegen. Im Durchschnitt kostet der Quadratmeter 9,10 Euro. Für Gohlke (Linke) muss der Staat mehr regulieren: „Der Boden muss wieder in die Verfügungsgewalt der Allgemeinheit.“ Ihr Nachbar auf dem Podium, Janecek (Grüne), will „eine Mietpreisbremse ohne Schlupflöcher“ und dazu auch noch in die Höhe bauen: „Ein paar Hochhäuser kann München schon verkraften.“

Wer zahlt die Rente?

Ein Aufreger in der Sendung: Die Sorgen um die Rente, die der Dachauer VdK-Vorsitzende Anton Hassmann ansprach. Wenn jemand früher zu arbeiten aufhören muss, bekommt er weniger Rente: „Das führt zu Altersarmut.“ Der CSU-Abgeordnete Wolfgang Stefinger betonte, dass die „Rentenkassen so gut wie nie zuvor gefüllt“ seien. Aber er forderte, dass auch Selbstständige fürs Alter vorsorgen müssen. Kohnen kritisierte die „Rente mit 70“ von Finanzminister Wolfgang Schäuble. Der Grüne Janecek will, dass auch Selbstständige oder Beamte ins Rentensystem einzahlen. Gohlke wurde radikaler. Für eine bessere Rente müsse es bessere Arbeit geben: „Schluss mit Niedriglohn, Leiharbeit und Minijob“, und forderte einen Mindestlohn von 12,50 Euro.

Die Migration

Der Dachauer Gerd Schott fragte nach einem Thema, das die Bundestagswahl mitentscheidet: Migration. „Warum bekommen Flüchtlinge mehr als unsere Rentner?“ Die Antwort von Stefinger (CSU): „Ein Migrant bekommt nicht mehr oder weniger als ein Staatsbürger.“ Janecek (Grüne) forderte mehr Ausbildungsmöglichkeiten für Flüchtlinge. Doch er sagte auch, dass die Probleme mit Migration, wie gestiegene Kriminalität oder Vergewaltigungen, nicht verschwiegen werden dürften. Er forderte den Familiennachzug von jungen Männern – aus Sicherheitsgründen. Raunen im Publikum.

Der Flächenfraß

Jedes Jahr gehe in Bayern eine Fläche so groß wie der Chiemsee verloren – durch Gewerbegebiete oder Straßen, kritisierte der Dachauer Bund-Naturschutz-Vorsitzende Peter Heller. Kohnen (SPD) kritisierte, dass Söder das Anbindegebot gelockert hat. Dadurch können Gewerbegebiete außerhalb von Siedlungen entstehen. Gohlke (Linke) will den Nahverkehr ausbauen und Verkehr auf die Schiene verlegen.

Es durften nicht alle vier Politiker zu jeder Frage etwas sagen, doch die Moderatoren Tilmann Schöberl und Franziska Storz hatten die vier perfekt unter Kontrolle. Gerade Schöberl unterbrach einige Politiker auch mal elegant, wenn die Antworten allzu floskelhaft wurden. Und den Besuchern brannten einige Fragen auf der Brust: Zum Schluss schnellten immer noch einige Finger nach oben. Doch die Show war vorbei – diese Fragen blieben also offen.

Anna Schwarz

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